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Auf edles und schlichtes Design mit viel Holz setzt Stararchitekt Matteo Thun bei der Gestaltung des Wiesseer Badehauses, hier das Artrium. Die CSU zweifelt, ob die Planung zweckmäßig ist.

Fronten im Gemeinderat verhärtet

Geplantes Badehaus wird zur Zerreißprobe

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Bad Wiessee möchte sein Jodbad in eine erfolgreiche Zukunft führen. Die Frage, wie das am besten funktioniert, könnte im Ort aber zur Zerreißprobe werden. Im Gemeindert gab‘s jetzt erneut eine Debatte.

Bad Wiessee – Bei einem Diskussionsabend der CSU Anfang der Woche war über die Sinnhaftigkeit und den Nutzen des geplantes Badehauses rege diskutiert worden. Die CSU-Fraktion, die zuletzt die Planungen Matteo Thuns und die zugehörige Kostenberechnung geschlossen ablehnte, sieht sich damit in ihren Zweifeln bestätigt und sprach im Gemeinderat gar von einem „neuen Status“. Der Abend habe klar gezeigt, „dass es noch großen Diskussionsbedarf über die Ausrichtung und Planung der ganzen Jodbad-Geschichte gibt“, sagte Florian Sareiter (CSU) am Donnerstagabend im Gemeinderat.

Bürgermeister Peter Höß (Wiesseer Block) seinerseits nahm die CSU-Veranstaltung zum Anlass, um nochmals auf die Chronologie der Entscheidungen im Gemeinderat einzugehen. Und die zeigte: Bis zu einer Sitzung Mitte Juli vergangenen Jahres waren sämtliche Beschlüsse zum neuen Badehaus und zur Beauftragung Matteo Thuns als Architekt einstimmig gefasst worden. Erst auf halbem Weg hatte bei der CSU ein Umdenken stattgefunden – nicht zuletzt wegen der gestiegenen Kosten auf insgesamt 5,8 Millionen allein fürs Badehaus.

Dieser Entwicklung zum Trotz appellierte Höß eindringlich ans Gremium, den eingeschlagenen Weg konsequent weiterzugehen. Die Zeiten, in denen die Kassen die Kuren gezahlt und damit automatisch die Betten in Bad Wiessee gefüllt hätten, seien endgültig vorbei. „Um den Markt für uns zu gewinnen, müssen wir auch mit der Architektur klotzen“, meinte Höß und bat darum, den Namen Thun in Bad Wiessee nicht weiter zu beschädigen. „Das darf nicht sein!“

Wie geht‘s jetzt weiter?

Schon im Vorfeld der Sitzung hatte Höß gegenüber unserer Zeitung angekündigt, einen Arbeitskreis zum Thema Badehaus gründen zu wollen – bestehend aus je einem Mitglied der Gemeinderats-Fraktionen. Die Idee fand bei der CSU jedoch wenig Anklang. „Ich halte es nicht für gut, wenn nur einer von jeder Gruppe dabei ist“, meinte Kurt Sareiter (CSU). Sein Neffe Florian hielt die Gründung eines solchen Arbeitskreises gar für „absurd“. Er würde Sondersitzungen des gesamten Gemeinderats bevorzugen.

Ob Höß dennoch an seiner Idee eines Arbeitskreises festhält, konnte er am Freitag auf Nachfrage noch nicht sagen. Fest steht: Am Donnerstag, 6. April, wird sich der Gemeinderat zu einer Klausurtagung treffen, um über den Sachstand und das weitere Vorgehen in Sachen Badehaus zu beraten. Anschließend findet eine öffentliche Gemeinderatssitzung statt. Höß hofft weiterhin, dass er die CSU wieder zurück ins Boot holen und alle hinter dem neuen Jodbad vereinen kann. Wenn nicht: „Dann werden wir den Weg mit unserer knappen Mehrheit weitergehen.“

CSU kündigt eigenen Antrag an

Nach einer schnellen Einigung sieht es derzeit jedenfalls nicht aus. Die CSU will zur Gemeinderatssitzung im April einen eigenen Antrag zum Badehaus vorlegen. Was der konkret beinhaltet, wollte Florian Sareiter auf Nachfrage noch nicht sagen. Insgesamt sei es aber das Ziel, die derzeitige Planung auf Eis zu legen und Alternativen zu prüfen.

Nicht nur das Gebäude, auch die ganze Konzeption des Jodbads müsse noch einmal überdacht werden, findet Sareiter. „Bis jetzt sind nur Wannen- und Sprühbäder vorgesehen – wir sollten unsere Fühler ausstrecken, was noch mit dem Wasser möglich ist.“ Man müsse sich noch stärker am Wellness-Gedanken orientieren, meint Sareiter, der dazu auch gerne andere Architekten hören würde. Nicht zu vergessen der Badepark: Vielleicht, so Sareiter, könnte man auch den in die Neuplanungen mit einbeziehen.

Der schon öfter geäußerten Idee, es gleich dauerhaft bei der Interimslösung im Badepark zu belassen, erteilte Höß bei der Sitzung jedenfalls eine klare Absage: Die Fachleute hätten bestätigt, „dass diese Lösung nur etwa zwei Jahre hält“.

gab

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