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Umstrittener Imagefilm war Auslöser: Diskussion ums Mountainbiken am Tegernsee nimmt Fahrt auf

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Von: Gabi Werner

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Gute Aussichten für Mountainbiker? Die ATS arbeitet gerade an einem Konzept, das auch am Tegernsee die Ausweisung eigener Wege für die Radler abseits von Forststraßen vorsieht.
Gute Aussichten für Mountainbiker? Die ATS arbeitet gerade an einem Konzept, das auch am Tegernsee die Ausweisung eigener Wege für die Radler abseits von Forststraßen vorsieht. © Thomas Plettenberg

Das Thema Mountainbiken soll endlich in Fahrt kommen. Über das Lenkungs-Konzept der ATS wurde jetzt im Wiesseer Gemeinderat diskutiert. Auslöser war der neue Imagefilm der Gemeinde.

Bad Wiessee – Das kurze Video der Gemeinde – auf Youtube bereits tausende Male angeklickt – hatte für reichlich Aufsehen gesorgt. In zwei Sequenzen sieht man Mountainbiker, die bei der Holzer Alm über eine Wiese und ein Waldstück mit Wurzeln fahren. Einigen hat das nicht gepasst – und doch lässt sich die Gruppe der Mountainbiker, die gerne auf Trails unterwegs sind, „nicht wegnegieren“, wie Tim Coldewey vom Kommunalunternehmen Alpenregion Tegernsee Schliersee (ATS) am Donnerstagabend (14. Oktober) im Wiesseer Gemeinderat deutlich machte. Bürgermeister Robert Kühn (SPD) hatte ihn eingeladen, nachdem die Diskussion um die Mountainbike-Filmszenen hochgekocht war. Die ATS, so viel wurde bei der Sitzung klar, hat ein Konzept in der Schublade. Jetzt geht es darum, es zügig in die Tat umzusetzen.

Pro Gemeinde sollen ein bis zwei Wege für Mountainbiker ausgewiesen werden

Der Landkreis, betont Coldewey, will nicht zum Downhill-Eldorado werden und Bikeparks wie in Saalbach Hinterglemm Konkurrenz machen. Aber die eigens gegründete Steuerungsgruppe will für die einheimische Szene ein Angebot schaffen: Ein bis zwei bereits vorhandene und von Bergradlern ohnehin genutzte Wege pro Landkreis-Gemeinde sollen – sofern geeignet – als Trails für die Radler ausgewiesen werden. Ziel laut Coldewey: „Die Mountainbiker sollen dort fahren, wo es für die Natur am verträglichsten ist.“ Stichwort: positive Lenkung.

ATS will zunächst die Grundstückseigentümer ins Boot holen

Die ATS ist gerade dabei, Gespräche mit einzelnen Grundstückseigentümern zu führen. Denn ohne deren Zustimmung, so betonte Coldewey, geht es nicht. Für die Grundbesitzer ist vor allem die Haftungsfrage ein viel zitiertes Schreckgespenst. Wer kommt dafür auf, wenn den Radlern auf meinem Grund und Boden etwas passiert? Der ATS-Vertreter gab Entwarnung: Unfälle seien über die kommunale Haftpflichtversicherung abgedeckt.

Landwirte äußern sich bei Diskussion im Gemeinderat kritisch

CSU-Gemeinderat Georg Erlacher, selbst Waldbesitzer, hielt mit seinen Sorgen nicht hinterm Berg. Es gebe immer ein paar Naturnutzer – Wanderer wie Mountainbiker –, die aus der Reihe tanzen würden. Wie wolle die ATS verhindern, dass die ausgewiesenen Wege nicht irgendwann zu eintönig werden und sich die Radler neue Abzweige durch Wald und Wiesen suchen, hakte Erlacher nach. Fraktionskollege und Landwirt Alois Fichtner wurde noch deutlicher: Auf der Suche nach dem Kick würden einige „Deppen“ kreuz und quer und bisweilen auch mitten in der Nacht durchs Unterholz rauschen. „Das wird man nicht in den Griff kriegen“, prophezeite er. Coldewey widersprach. Man wisse von anderen Regionen, dass die Radler auf den ausgewiesenen Wegen bleiben, wenn diese nur attraktiv genug seien. „Das ist eine Sache der Gestaltung und Kommunikation“, bekräftigte er.

Wolf-Hagen Böttger (Grüne) drängte auf eine möglichst rasche Umsetzung der ATS-Pläne. Er hoffe, dass es nicht Jahre dauere, bis man die Lage mittels des Konzepts in den Griff bekomme. Und auch Bernd Kuntze-Fechner (SPD) fand es positiv, dass das Thema Mountainbiken endlich konkret angepackt werde. „Es ist eine gute Idee, hier ein Angebot zu schaffen“, sagte er.

Bürgermeister bezieht Stellung zum umstrittenen Imagefilm und entschuldigt sich

Der umstrittene Imagefilm von Bad Wiessee spielte bei der Sitzung nicht die Hauptrolle, ganz ungeschoren kamen die Macher um Bürgermeister Kühn aber nicht davon. „So etwas wie hier sollte nicht mehr passieren“, sagte Kurt Sareiter (CSU) mit Blick auf den Ärger, den der Streifen verursacht hatte. Er forderte, dass künftig solche Filmprojekte vor Veröffentlichung dem Gemeinderat vorgelegt werden. Die Frage, ob die beiden Mountainbike-Szenen gelöscht werden, wurde an diesem Abend nicht weiter vertieft.

Aber auch Kühn sah sich zu einer Klarstellung veranlasst. Er entschuldigte sich bei den Landwirten und betonte: Mit dem Film habe nie der Anschein erweckt werden sollen, „dass man in der Natur machen kann, was man will“. Kühn: „Das sollte keine Geringschätzung Eurer Arbeit sein.“

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