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Beinahe fertiggestellt ist das neue Wohnhaus an der Dr.-Scheid-Straße in Bad Wiessee. Hier sollen mehrere Generationen unter einem Dach vereint werden und sich gegenseitig unterstützen, erklärt Robert Huber vom Kommunalunternehmen. 

Spannendes Pilotprojekt in Bad Wiessee

Neues Mehrgenerationenhaus: „Ein Selbstläufer wird das nicht“

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Ein schmucker Neubau entsteht derzeit an der Dr.-Scheid-Straße in Bad Wiessee. Es ist kein herkömmliches Wohnhaus: Hier sollen sich die Generationen gegenseitig im Alltag unterstützen. Ein Projekt mit Modellcharakter.

Bad Wiessee – „Nebeneinander herwohnen ist hier nicht erwünscht“, sagt Robert Huber und bringt damit die Idee des Wiesseer Mehrgenerationenhauses auf den Punkt. Das Gebäude an der Dr.-Scheid-Straße 27 in Bad Wiessee ist das erste Neubauprojekt des im Sommer 2015 gegründeten Kommunalunternehmens (KU) Bad Wiessee überhaupt. Und es ist ein Projekt mit Pilotcharakter. Soweit KU-Vorstand Patrik Zeitler weiß, ist ein derartiges Modell im öffentlich geförderten Wohnungsbau bislang einzigartig in Bayern. Entsprechend bemüht sind er und Huber – seines Zeichens Vize-Bürgermeister und Verwaltungsratsvorsitzender des KU –, die Idee auch mit Leben zu füllen.

Insgesamt 14 Wohnungen unterschiedlicher Größe werden in dem neuen Haus zur Verfügung stehen. Der Bau befindet sich bereits auf der Zielgeraden, im Mai oder Juni sollen die ersten Wohnungen bezugsfertig sein. „Wir sind gerade dabei, die Mietverträge zu schließen“, berichtet Zeitler.

Dem vorangegangen ist ein langwieriger Auswahlprozess. In eigens anberaumten Versammlungen wurden die potenziellen Mieter über das Konzept des nachbarschaftlichen Wohnens aufgeklärt. „Wir stießen dabei auf große Offenheit und eine hohe Bereitschaft, sich in das Modell einzubringen“, sagt Zeitler.

Einbringen heißt in diesem Fall: Die Mieter unterstützen sich, wo immer es nötig ist. Braucht ein älterer Bewohner beispielsweise Hilfe beim Einkaufen oder einen Fahrdienst zum Arzt, übernimmt das ein Nachbar. Im Gegenzug sind die Senioren gefordert, wenn es etwa um Kinder- und Hausaufgabenbetreuung geht. Auch für den Fall, dass ein Mieter erkrankt, soll er sich der Fürsorge seiner Mitbewohner gewiss sein können. Damit das Miteinander auch gelebt werden kann, entstehen neben den Wohnungen ein Gemeinschaftsraum und ein kleines Gäste-Appartement – Räumlichkeiten, die von allen Mietern genutzt werden können.

Das Konzept klingt viel versprechend. Steht und fällt allerdings mit der Bereitschaft der Mieter, es tatsächlich umzusetzen. Dass dies passiert, darauf wollen die Verantwortlichen auch nach dem Einzug ein Auge haben. „Wir gehen nicht davon aus, dass das ein Selbstläufer wird“, erklärt Huber. „Wir werden das Projekt deshalb auch im Nachgang intensiv betreuen und nicht davor zurückschrecken, Dinge anzusprechen.“

Interessenten gab’s übrigens viele für das neue Mehrgenerationenhaus. Rund 30 Haushalte – Familien, Paare und Alleinstehende – haben sich um eine Wohnung bemüht. Somit konnten nicht alle zum Zug kommen. Berücksichtigt wurden in erster Linie Wiesseer Bürger und Mieter aus dem eigenen Wohnungsbestand des KU, der demnächst saniert und daher geräumt werden muss. Zudem mussten die Mieter im Besitz eines Wohnberechtigungsscheins sein, der den Einzug in eine öffentlich geförderte Wohnung überhaupt erst möglich macht.

Inzwischen sind laut Zeitler die meisten Wohnungen vergeben. Besonders schwierig sei die „Entscheidungsfindung“ bei den zwei großen Familien-Wohnungen gewesen, räumt der KU-Vorstand ein. Nicht immer hätten die Vorstellungen des Vermieters und der Wohnungssuchenden zusammengepasst. Für Zeitler und Huber beginnt mit dem Einzug der Mieter im Frühjahr eine spannende Reise, wie sie sagen. „Die Idee der unterstützenden Nachbarschaft mit Leben zu erfüllen, ist die eigentliche Herausforderung“, meint Zeitler.

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