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So soll der erweiterte Komplex aussehen. 

Privatklinik erweitert in Bad Wiessee 

Jägerwinkel: Aus tiefstem Tal zu neuer Blüte

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Als Dr. Martin Marianowicz die Privatklinik Jägerwinkel vor zwölf Jahren übernahm, steckte der Traditionsbetrieb tief in der Krise. Heute steht der Jägerwinkel glänzend da – und ist zu klein geworden. 

Bad Wiessee– „Viel Arbeit, viel Schweiß und viele Überlegungen“ steckten in der Wiederbelebung des Jägerwinkels, machte Dr. Martin Marianowicz im Bad Wiesseer Gemeinderat klar. Der Mediziner war mit Städteplaner Eberhard von Angerer persönlich gekommen, um die Erweiterungspläne der Klinik an der Jägerstraße vorzustellen. Marianowicz hatte den Jägerwinkel 2005 übernommen. Damals drohte die Insolvenz. „Die Klinik wäre heute wahrscheinlich nicht mehr da und dem Abriss anheim gefallen“, erinnerte Marianowicz. Er sei stolz darauf, heute sagen zu können: „Der Jägerwinkel ist zu klein geworden.“ Die Auslastung liege bei über 100 Prozent.

Dabei hat Marianowicz noch viel vor. Der Mediziner ist vor allem für seine orthopädische Schmerztherapie bekannt, die Operationen vermeidet, und feilt beständig an Konzepten. Um diesen Raum zu geben, wollte sich der Mediziner ursprünglich am Projekt von Klaus Dieter Burkhart in Tegernsee Süd beteiligen und an der Perronstraße als Pächter eine Klinik für Schmerztherapie und Psychosomatik betreiben. Doch im April 2017 verkündete er den Ausstieg aus dem Projekt. Stattdessen investiert Marianowicz nun auf eigenem Boden an seinem Standort in Bad Wiessee.

So sieht‘s im Moment aus.

Derzeit bietet die noble Privatklinik knapp 80 Zimmer. Mit der Erweiterung kommen 16 Zimmer hinzu. Zusätzlich entsteht ein modernes Ärztezentrum, das unter anderem die Fachbereiche Orthopädie, Schmerztherapie, Kardiologie und Neurologie abdeckt. Dazu gehört eine bestens ausgestattete Radiologie, die neben CT künftig auch Kernspin bietet. Es wird einen Akutbereich mit Liegend-Anfahrt und 24 Zimmern geben.

Zusätzlich hat Marianowicz am Schmerbachgrund ein Areal erworben, auf dem maximal 15 Appartements für betreutes Wohnen entstehen. Sie sind der Klinik zugeordnet, dessen Team die Bewohner medizinisch und pflegerisch versorgt. Die Zahl der Klinik-Mitarbeiter wird von 120 auf 150 wachsen.

Richtschnur sei der Wille, die Medizin noch hochwertiger zu machen, erklärte Marianowicz dem Gemeinderat: „Wir wollen das medizinische Highlight von Bad Wiessee darstellen.“

Im Gemeinderat gab’s Applaus für die Pläne. Der Beschluss, den Bebauungsplan zu ändern, fiel einstimmig. „Das Projekt passt zur Ausrichtung von Bad Wiessee als Gesundheitsstandort“, erklärte Bürgermeister Peter Höß (Wiesseer Block). Florian Sareiter (CSU) freute sich über den „Aufschwung, den dieses Haus erfährt“, während Bernd Kuntze-Fechner (SPD) versicherte, nach seinem Gefühl entstehe dort „etwas Gutes“.

Im ganzen Komplex fehlt dem Gemeinderat aber auch etwas: Wohnungen für Mitarbeiter. Angestellte vernünftig unterzubringen, sei wichtig, mahnte Vize-Bürgermeister Robert Huber (SPD). Wer als junger Mensch eine neue Stelle am Tegernsee antrete, sei oft gezwungen, zu teuer zu mieten oder mit einem schlechten Quartier vorlieb zu nehmen. Auch für die Gemeinde sei es wichtig, dass sich die Arbeitnehmer wohl fühlen und sich integrieren: „Dann lebt der Ort auf.“

In Nachbargemeinden sei es bereits Pflicht, Mitarbeitewohnungen zu schaffen, meinte Ingrid Versen (CSU). „Wer 1000 Euro verdient, kann keine 1000 Euro Miete für ein Appartement zahlen.“ Dass es ohne Personalhaus nicht geht, habe zuletzt das Beispiel Lanserhof gezeigt, merkte Fritz Niedermaier (Wiesseer Block) an. Es sei wichtig, junge Leute nach Bad Wiessee zu holen. „Da muss man halt auch mal Dinge machen, die nicht so rentabel sind wie betreutes Wohnen.“ Für Verpflichtungen sah Rainer Kathan (Wiesseer Block) hingegen keinen Anlass. Dass Mitarbeiter Wohnungen finden, sei ein Problem des Unternehmers, nicht der Gemeinde.

Marianowicz sicherte zu, die Wohnungsfrage im Auge zu behalten. Die Detailplanung wird noch einige Zeit in Anspruch nehmen. Läuft alles glatt, erfolgt der erste Sparenstich in einem Jahr. Die Bauzeit dürfte insgesamt zwei Jahre betragen. Eröffnen könnte der voll ausgebaute Komplex Jägerwinkel im Jahr 2021.

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