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Das alte Jodbad ist verschwunden.

Altes und neues in Bad Wiessee

Größter Abriss jemals am Tegernsee-Ufer: Wiessee verändert sich gerade für immer

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Das alte Jodbad ist fast verschwunden, einsam ragt die Wandelhalle aus den Trümmern. Gegenüber wird fürs Badehaus gebaggert, nicht weit entfernt ist der Abbruch von Haus Ursula  in vollem Gange. 

Bad Wiessee„Da müssen wir jetzt durch“, sagt Bürgermeister Peter Höß. Kaum ist das Frühjahr erwacht, dröhnen die Baumaschinen. Bad Wiessee erwartet einen Sommer der Groß-Baustellen. Es ist nur der Anfang: Die Mega-Projekte werden den Ort einige Jahre lang beschäftigen. Dass dies den Tourismus trüben wird, glaubt Höß nicht. Den Gastgebern zufolge gebe es erfreulich viele Buchungsanfragen, meint der Bürgermeister. Und dank der guten Arbeit der Unternehmen seien die Beeinträchtigungen längst nicht so groß wie zuvor befürchtet, meint Höß.

Altes Jodbad

So sah es vor dem Abriss aus: Jodbad.

Als Trümmerfeld präsentiert sich das riesige Areal, auf dem einst das ehrwürdige Jodbad stand. Einst war es der Stolz des Kurortes, zuletzt eine Schrottimmobilie. Jetzt staunen die Beobachter, wie schnell das Mauerwerk verschwindet. Geblieben ist nur die denkmalgeschützte Wandelhalle. „Wir sind komplikationslos unterwegs“, erklärt Florian Kamelger, Chef des Unternehmens SME (Sports Medicine Excellence Group). Wie berichtet, errichtet die SME auf dem Gelände ein Aktivitätshotel mit 121 Zimmern, ausgedehntem Spa und Sportbereich, gehobener Gastronomie sowie angegliedertem medizinischen Funktionsgebäude. Ende 2020 soll Eröffnung sein.

Für den Abriss ist die Gemeinde Bad Wiessee in enger Abstimmung mit SME zuständig. „Die Zusammenarbeit ist sehr gut“, versichert Kamelger. Den Nachbarn sei SME sehr dankbar für ihre Toleranz. Es habe bislang keine Beschwerden gegeben. Das bestätigt auch Bürgermeister Höß. Das Abbruchunternehmen arbeite außerordentlich professionell, lobt Höß. Auf Bitten der Gemeinde beginnen die Bauarbeiten später als üblich, erst um 8 Uhr. Die Befürchtungen der Nachbarbetriebe – vor allem des Terrassenhofs – wegen der Baustelle hätten sich nicht bewahrheitet, so Höß. „Die Gründungsarbeiten für unser Badehaus haben mehr Lärm gemacht als der ganze Abbruch.“

Badehaus

Gleich gegenüber der SME-Großbaustelle zieht die Gemeinde ihr neues Badehaus neben dem Badepark hoch. Wo früher eine Riesen-Rutsche lockte, rollen die Bagger. Geblieben ist das Außenbecken.

Die Bauarbeiten fürs Badehaus

 Die Schwimmer können dort ihre Runden drehen, blicken aber auf die Baustelle und müssen auf die Liegewiese verzichten. „Das geht halt jetzt nicht anders“, sagt Höß. Gebraucht wird das Gebäude für die heilsamen Jodbäder, die aktuell im Obergeschoss des Badeparks verabreicht werden. Zuletzt hatte eine Kostenexplosion für Furore gesorgt. Rund zehn statt der kalkulierten 8,4 Millionen Euro könnten für Badehaus und Quellensanierung fällig werden. Die genaue Höhe der Kosten ist derzeit genau so offen wie die Frage, ob die Regierung ihren Zuschuss aufstockt. „Da gibt es noch nichts Neues“, erklärt Höß. Ende 2019 soll das Badehaus betriebsbereit sein.

Haus Ursula

In der Ortsmitte, direkt am neu gestalteten Lindenplatz, ist der Abbruch von Haus Ursula in vollem Gange. Bis zum Herbst 2019 errichtet das Unternehmen MW Eigenheimbau 21 Wohnungen und drei Gewerbeeinheiten, die Vermarktung hat schon begonnen. Gebaut wird nicht nur in die Höhe: Zunächst entsteht die Tiefgarage. „Eine Riesen-Maßnahme ist das“, sagt Alois Hauser, dessen Bäckerei gleich neben der Baustelle liegt. 

Der Abbruch von Haus Ursula geht voran.

Hauser hat eine lange Leidenszeit hinter sich: Die Umgestaltung des Lindenplatzes vor seinem Laden hat seinen Betrieb 2016 und 2017 beeinträchtigt. „Eine Katastrophe war das“, erinnert sich Hauser. Mit dem Ergebnis ist der Unternehmer zufrieden: Der mit Bänken und einem Brunnen schön gestaltete Platz vor seinem Laden ist zum Anziehungspunkt geworden. „Er wird gut angenommen“, meint Hauser. Bei schönem Wetter bietet die Bäckerei dort 15 bis 20 Außen-Sitzplätze an. Zuletzt lief das Geschäft gut, doch nun fürchtet Hauser Einbußen: „Wer setzt sich schon neben eine Baustelle?“

Trotz der schwierigen Phase bleibt Hauser optimistisch. Das gilt auch für Hans Estner, dessen Sportgeschäft gegenüber liegt. Der Neubau, so Estner, werde den Ort aufwerten: „Und das haben wir uns ja alle gewünscht.“

Leicht dürfte die Zeit bis zur Fertigstellung des Wohn- und Geschäftshauses aber nicht werden. Der Bau der Tiefgarage sei „eine Herausforderung“, räumt Bürgermeister Höß ein. Wegen des weichen Seetons herrschen schwierige Bodenverhältnisse, weiß Höß: „Wir müssen alles tun, um die Baugrube so abzusichern, dass die umliegenden Gebäude keinen Schaden nehmen.“

Hotel Lederer

Eigentlich hätte das frühere Hotel Lederer beim Abriss-Reigen dabei sein sollen, ebenso wie das alte Haus des Gastes und das Hotel Wittelsbach. Doch hier wird zumindest bis zum Herbst alles ruhig bleiben, schon wegen der Fledermäuse. „Wir können wegen des Artenschutzes mit dem Abriss jetzt nicht mehr anfangen“, erklärt Andreas Göbel. Sprecher von Athos, dem Büro der Familie Strüngmann.

Investor Strüngmann will an der Seepromenade ein Luxushotel sowie fünf Wohn- und Geschäftshäuser errichten. Im Juli 2017 stimmte der Gemeinderat einer Planung zu, die ein Hotel in Zickzack-Form mit 140 Zimmern beinhaltet. Zufrieden ist Athos mit dem Entwurf offenbar nicht. Aktuell werden die Pläne überarbeitet. Es gebe Skizzen unterschiedlicher Architekten, meint Göbel, aber alles sei noch nicht der Weisheit letzter Schluss. „Wir drehen jetzt lieber noch eine Schleife, damit wirklich etwas Schönes dabei herauskommt.“ Im Moment sei alles in der Schwebe – auch die Entscheidung, wie viele Wohnungen und Läden entstehen.

Somit eilt der Abriss nicht. „Wir gehen davon aus, dass wir im Herbst anfangen“, so Göbel. Das verschafft auch Josef Lederer Zeit. Er hatte seinen Auszug im Januar angekündigt, lebt aber noch immer in seiner Wohnung beim Hotel. Auch seine vier Ponys sind noch da. Aber Lederer, der lange gegen den Abriss gekämpft hat, will Wort halten und den Weg für Strüngmanns Pläne freimachen: „Im Herbst bin ich weg.“

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