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Der Jubel war sehr einseitig: Matthias Egersdörfer (l.) und Martin Puntigam konnten mit ihrem Auftritt in der Winners Lounge nicht überzeugen.

Viele Zuschauer verlassen vorzeitig die Winners Lounge

Auftritt von preisgekröntem Kabarett-Duo gerät in Wiessee zum Flop

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Das Programm von Martin Puntigam und Matthias Egersdörfer wurde mit dem österreichischen Kabarettpreis ausgezeichnet. In Bad Wiessee jedoch geriet ihr Auftritt zum Flop. Viele Besucher gingen vorzeitig. 

Bad Wiessee Martin Puntigam und Matthias Egersdörfer gelten als Hochkaräter der Kabarettszene. Ihr erstes gemeinsames Programm „Erlösung“ wurde mit dem Österreichischen Kabarettpreis ausgezeichnet. Wie es dazu kommen konnte, konnten die Gäste der Wiesseer Winners Lounge allerdings nicht nachvollziehen. Viele verließen vorzeitig die Vorstellung.

Der Auftritt in der Winners Lounge war bei den Kabarettfans von vornherein nicht so gefragt. Vor nur 50 Gästen betraten Martin Puntigam und Matthias Egersdörfer unter den Klängen der Power-of-Love-Hymne (von „Frankie goes to Hollywood“) die Bühne. Nicht ohne auf Bad Wiessee einzugehen, das zwar alt, aber junggeblieben sei und wo „Goldstaub in der Luft liege“ und ein „Premiumpublikum“ zu finden sei. So starteten die beiden Kabarettisten in ihr Programm, mit dem die Freunde die „Huld der Frauen“ erlangen wollten und das sie als „Geschenk ans Universum“ bezeichneten.

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Schon mit der gegenseitigen Vorstellung in Abwesenheit des jeweils anderen bauten sie eine Metaebene auf, die zeigen sollte, dass die Wahrheit nicht so ist, wie es scheint oder wie sie verkauft wird: Matthias Egersdörfer, der Nürnberger Kabarettist, Komiker und Schauspieler, der im Franken-Tatort mitwirkt und der vielfach mit Kabarett- und Kleinkunstpreisen ausgezeichnet ist, zog nicht nur über den Kollegen, sondern auch über den Veranstaltungsort her: „Ich selbst hätte es nicht nötig, in einem Nebenzimmer von einer Spielbank an einem Tümpel aufzutreten und in die Visagen eines Publikums zu sehen, die aussehen wie ein Holzschnitt von Dürer und in denen die scharfe Bergluft Spuren hinterlassen hat.“

Martin Puntigam, Künstler, Kabarettist und Schauspieler aus Österreich und ebenfalls vielfach ausgezeichnet, stellte seinerseits den Kollegen als „mittelfränkischen Humptydumpty mit der geistigen Präzision eines Schweizer Uhrwerks – wohlgemerkt eines aus der Fränkischen Schweiz –“ vor, unterstellte ihm eine Persönlichkeitsstörung und verteile auch gleich die entsprechenden Psychopharmaka an die Zuschauer.

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Danach nahm das Kabarett-Verhängnis mit dem ersten Sketch seinen Lauf: „Kommt ein Mann zum Flirt-Trainer.“ Hier folgten angebliche Einsichten in das Flirtverhalten eines Tierfreunds und Anglers, die so abstrus waren, dass man sie sich weder visuell noch olfaktorisch vorstellen möchte oder im Einzelnen zitierfähig sind. Das war derart abstoßend, dass das Publikum den Schritt zurück auf die Kabarettebene mit der Erklärung der beiden Künstler, wie es zu diesem Programm kommen konnte, verpasste und angewidert beziehungsweise ratlos in die Pause ging. Nur 33 Zuschauer kamen danach wieder. Andere gingen lieber nach Hause.

Jedenfalls konnte das Gespann Puntigam und Egersdörfer auch nach der Pause, als die Gewinnsucht und Tellerminen, das Bienensterben, die Katholische Kirche und Jesus, Dalli-Dalli und die Juden, Käptn Ahab und Moby-Dick als Symbole für Rachsucht und Gier, Streit und Versöhnung, Lob und Erniedrigung, Revolution und Liebe durchgenudelt wurden, nicht begeistern. Der Applaus blieb am Ende sehr verhalten. Die Power of Love, vor allem aber dieser zum Programm stilisierte Bruch zwischen Realität und Vermarktung, zwischen Sein und Schein inklusive der damit verbundenen Kritik an der Gesellschaft zündete in Bad Wiessee nicht.

ak

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