+
Im Interview mit Verleger Wolfram Weimer (r.) gewährte Karl-Heinz Rummenigge sehr persönliche Einblicke in seine Fußballer-Karriere, ging aber auch auf die aktuelle Situation beim FC Bayern ein.

Offene Worte des FCB-Vorstands-Chefs

Rummenigge beim Seegespräch: Klares Bekenntnis zu Trainer Kovac

Geht es nach Karl-Heinz Rummenigge, könnte Niko Kovac trotz der Misserfolge eine Zukunft beim FC Bayern haben. Beim ersten Tegernseer Seegespräch in Bad Wiessee stärkte der Vorstands-Chef dem Trainer den Rücken.  

Bad Wiessee – Der FC Bayern durchlebt turbulente Zeiten. Noch ehe am Freitag die Jahreshauptversammlung des Vereins über die Bühne ging, nahm Vorstandsvorsitzender Karl-Heinz Rummenigge am Donnerstagabend auf der Bühne des Wiesseer Postsaals Platz. Dort entlockte ihm Verleger Wolfram Weimer beim ersten Seegespräch der Tegernseer Bürgerstiftung auch klare Aussagen zur Zukunft von Trainer Niko Kovac. „Ich wünsche mir, dass er nicht nur an Heiligabend 2018 unser Trainer ist, sondern auch an Heiligabend 2019 und 2020“, sagte Rummenigge.

Hier finden Sie den Hintergrundbericht: Das verschmierte Kunstwerk der Bosse Hoeneß und Rummenigge - ist das noch der FC Bayern?

Es sei der Wunsch von allen beim FC Bayern, noch lange mit Kovac zusammenzuarbeiten, erklärte der Vorstands-Chef, der dem Trainer damit den Rücken stärkte. Gleichzeitig setzte er ihn massiv unter Druck. „Am Ende des Tages müssen natürlich die Ergebnisse stimmen. Platz fünf ist nicht der Platz, der am Ende der Saison belegt werden darf.“

Die akute Lage beim Rekordmeister war das eine. Die Besucher erfuhren an diesem Abend aber auch viel Persönliches über den einstigen Stürmer, der in den 1980er-Jahren als einer der besten Spieler weltweit galt. „Ich bin in einem wohlbehüteten Elternhaus aufgewachsen“, beschrieb Rummenigge seine Kindheit im ost-westfälischen Lippstadt.

Auch interessant: Die Tegernseer Bürgerstiftung packt an

Der Vater, ein Werkzeugmachermeister, sei fußballbegeistert gewesen und habe diese Begeisterung vererbt: „Das Thema bei der männlichen Belegschaft in der Familie war immer Fußball.“ Im Fußballverein Borussia Lippstadt galt Rummenigge bald als Sturmtalent. „Ich habe von einem Jugendspiel gehört, bei dem Sie 16 Tore geschossen haben sollen. Ist das wahr?“, wollte Weimer wissen. Sein Gegenüber bejahte und fügte schmunzelnd hinzu: „Aber mit 32 Nullrunden.“

Lesen Sie hier: Hoeneß bei CSU-Stammtisch: „Ich gehöre zu den Bessermachern“

Die Sportbegeisterung mit dem beruflichen Werdegang in Einklang zu bringen, erwies sich allerdings als schwierig. Rummenigge hatte bereits zwei Jahre seiner Ausbildung bei der Volksbank Lippstadt absolviert, als der FC Bayern anklopfte. „Ich war damals in der Buchhaltung, als die Sekretärin anrief und sagte ‚Da ist ein Mann am Telefon, der vorgibt, Robert Schwan zu sein‘“, erzählte Rummenigge. Tatsächlich fuhr er dann mit seinem Vater zur Vertragsunterzeichnung beim damaligen Manager der „Bayern“ nach München. Die Banklehre musste er letzten Endes aus Zeitgründen abbrechen. Der Startschuss einer außergewöhnlichen Karriere, die bis in die frühen 1980er-Jahre andauern sollte.

Rummenigge hob besonders die Förderung durch den damaligen Cheftrainer beim FCB, Dettmar Cramer, hervor: „Er war wie ein leiblicher Vater und hatte die Fähigkeit, Talente zu schleifen.“ Ihm verdanke er den Aufstieg zum Nationalspieler.

310 Bundesligaspiele hat Rummenigge bestritten, dabei 162 Tore erzielt. Er brachte es als Spieler zweimal zum Vize-Weltmeister. Als „italienisches Abenteuer“ und die schönste Zeit bezeichnete der heutige Vereinsfunktionär seine Zeit in Italien – anfangs völlig ohne Sprachkenntnisse. „Es war interessant zu erleben, wie Fußball in anderen Kulturen und Lebensweisen funktioniert.“ Nach einem Jahr folgte dann der Wechsel von Inter Mailand zu Servette Genf, wo Rummenigge schließlich 1989 seine aktive Karriere beendete.

Seine „zweite Karriere“ startete 1991 wieder beim FC Bayern, diesmal als Funktionär. Hier liegt Rummenigge heute besonders die Nachwuchsförderung am Herzen, für die 100 Millionen Euro zur Verfügung stehen. Die Frage, ob er sich mit dem Gedanken an den Ruhestand auseinander setze, beantwortete er so: „Man muss irgendwann auch mal loslassen. Ich möchte nicht zum Friedhof der Kuscheltiere gehören.“

Stefan Gernböck

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Neue Gäste-Statistik liegt vor: So äußert sich die TTT im Interview
Mehr Gäste, aber weniger Übernachtungen. Auf diesen Nenner lässt sich die Statistik für 2019 der Tegernseer Tal Tourismus GmbH (TTT) bringen. Wie ist das Ergebnis zu …
Neue Gäste-Statistik liegt vor: So äußert sich die TTT im Interview
Bergsteigerdorf Kreuth: Siegel soll nicht mehr Trubel bringen - im Gegenteil
Seit Juli 2018 trägt die Gemeinde Kreuth das Siegel Bergsteigerdorf. Ihr es es vor allem wichtig, die Philosophie im Ort zu verankern. Noch mehr Tagesgäste will man sich …
Bergsteigerdorf Kreuth: Siegel soll nicht mehr Trubel bringen - im Gegenteil
Klinikbau an der Perronstraße: Nachbarn reichen Klage ein
Die Pläne für den Bau einer Klinik und eines Sanatoriums an der Perronstraße in Tegernsee-Süd sind genehmigt. Doch der Widerstand einiger Nachbarn dauert nicht nur an – …
Klinikbau an der Perronstraße: Nachbarn reichen Klage ein
20. Montgolfiade: 30 Ballon-Teams kommen zum großen Jubiläum am Tegernsee
Der Tegernsee rüstet sich für die Ankunft der Giganten. Rund 30 Heißluftballone werden Anfang Februar zur 20. Tegernseer Tal Montgolfiade erwartet. Das sind mehr, als …
20. Montgolfiade: 30 Ballon-Teams kommen zum großen Jubiläum am Tegernsee

Kommentare