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„Bedarf wird explodieren“: Bad Wiessee präsentiert Pläne von millionenschwerem Kita-Zentrum

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Von: Jonas Napiletzki

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Das Kita-Zentrum an der Grundschule  Bad Wiessee - Visualisierung
Das Kita-Zentrum an der Grundschule gliedert sich in drei Häuser, die innenliegend verbunden sind. Im Dachgeschoss entstehen neun Wohnungen. © Visualisierung: Bauer

Es könnte das Flaggschiff der Kinderbetreuung am Tegernsee werden: das neue Kita-Zentrum in Bad Wiessee. Architekt, Bürgermeister und Trägervertreter haben jetzt Pläne vorgestellt.

Bad Wiessee – Einmal wieder Kind sein – diesen Wunsch könnten Bad Wiesseer künftig öfter verspüren; angesichts der schick geplanten Betreuungseinrichtung an der Grundschule verständlich. Zeit zum Träumen bleibt trotz aller Vorfreude auf den Neubau beim Thema Kita- und Krippenplätze jedoch nicht – das machte der evangelische Pfarrer Martin Weber deutlich. „Wir sind froh, dass die Gemeinde den Bau übernimmt“, betonte er.

Als Träger der Krippe im Erdgeschoss hat die evangelische Kirche, für den Kindergarten im Obergeschoss die katholische Kirche, den Zuschlag erhalten (wir berichteten). Weber wurde deshalb ebenso wie Franz Hafner, Vertreter des Katholischen Kita-Verbunds Tegernseer Tal, in die Planung der Gemeinde eingebunden.

Bei der Präsentation des Planungsstands nutzte Weber gestern im Wiesseer Rathaus einmal mehr die Gelegenheit, auf die prekäre Situation im Tal hinzuweisen. So seien in den sieben Krippeneinrichtungen der Kirchengemeinde zeitweise 80 Kinder auf der Warteliste gestanden. Zwar nutzen laut Weber fast alle Kinder einen Kindergartenplatz – die Nachfrage wachse wegen Zuzug und Geburten also langsam. Aber: „Im Bereich der Krippen ist das anders.“ Nur 20 bis 30 Prozent der Ein- bis Dreijährigen nutzen derzeit einen Krippenplatz. „Meiner Einschätzung nach werden es irgendwann eher 70 oder 80 Prozent sein“, sagte Weber. Grund dafür seien nicht maßgeblich Zuzüge oder geburtenstarke Jahrgänge, sondern vielmehr der steigende Wunsch nach der Betreuung jüngerer Kinder. Und der kann sehr schnell wachsen: „Wir haben keinen zeitlichen Puffer“, betonte Weber.

Kita-Neubau in Bad Wiessee bietet mehr Plätze als aktuell benötigt - wegen Zukunftsprognosen

Dieser Tatsache hat die Gemeinde mit bis zu 100 neuen Kindergartenplätzen und 60 Krippenplätzen in ihrer Planung Rechnung getragen. Nach Bauabschluss stehen damit doppelt so viele Krippenplätze und 115 Prozent der derzeit benötigten Kindergartenplätze in Bad Wiessee zur Verfügung. Eine „äußerst zukunftsorientierte Investition in den Ort und das gesamte Tegernseer Tal“, schreibt das Rathaus.

Wiessees Bürgermeister Robert Kühn mahnte: „Der Bedarf an Kita-Plätzen wird explodieren.“ Auf dieser Grundlage fußt nun auch die räumliche Dimension des Kita-Komplexes. So sollen drei seitlich versetzte Baukörper auf dem Areal zwischen Sanktjohanserstraße und Schulweg entstehen. Der Sportplatz und das alte Krippengebäude weichen.

Architekt Simon Bauer, Trägervertreter Martin Weber, Bürgermeister Robert Kühn und Trägervertreter Franz Hafner
Im Rathaus stellten (v.l.) Architekt Simon Bauer, Trägervertreter Martin Weber, Bürgermeister Robert Kühn und Trägervertreter Franz Hafner die Pläne vor. © Steffen Gerber

Das Erdgeschoss des östlichen, an der Bundesstraße gelegenen Hauses, soll laut Architekt Simon Bauer Essensraum, Küche und eine zentrale Garderobe beheimaten. „Letztere wurde uns durch Mitarbeiterinnen vor Ort empfohlen“, sagte Bauer, der für die Traunsteiner Planungsgruppe Strasser arbeitet. Eine zentrale Garderobe ermögliche etwa, die Spielflure in den Gebäuden von Straßenschuhen frei und somit sauber zu halten.

Im Stockwerk darüber finden Büros für Krippen- und Kindergartenleitung sowie Mitarbeiterbereiche Platz. Auch Elterngespräche könnten dort geführt werden. Im mittleren und dem westlich gelegenen Haus belegen jeweils die Krippe das Erdgeschoss und der Kindergarten den ersten Stock.

Neun Wohnungen im Kita-Zentrum - Gesamtkosten von 12,3 Millionen Euro für Neubau an Grundschule

Das zweite Obergeschoss wird in allen Häusern mit kommunalem Wohnungsbau belegt. Aufgeteilt in neun Bereiche, entstehen vier Zweizimmer-, eine Vierzimmer-, zwei Dreizimmer- und zwei Einzimmer-Wohnungen. Deren Errichtung schlägt mit 3,4 Millionen Euro zu Buche – abzüglich rund einer Millionen Euro Förderung. „Fast ein Drittel der Kosten“, sagte Kühn mit Blick auf die Gesamtsumme von 12,3 Millionen, die sich mit Förderungen auf 9,3 Millionen reduzieren soll. „Jedoch“, betonte Weber, „sind Wohnungen existenziell für den Betrieb von Kitas.“ Es nütze nichts, „riesige Gebäude zu bauen, wenn ich dann kein Personal finde“. Erst heuer habe er drei Erzieherinnen mangels Wohnungen nicht gewinnen können.

Neben den Wohnungen bietet der Komplex ein weiteres, zeitgemäßes Novum: Platz für eine integrative Gruppe. Hafner sagte: „In unserem nicht mehr sanierbaren Kindergarten waren die Voraussetzungen dafür schlecht.“ Auch Weber nannte die Gruppe, die dank Aufzug, speziellem Personal und aufgeweichten Altersstrukturen ermöglicht wird, als „Chance, pädagogisch und im Sinne von Bildungsgerechtigkeit und sozialer Gerechtigkeit zu arbeiten“. Vergleichbares gebe es im Landkreis derzeit nur in Hausham. Therapieräume, ein Bällebad und ein Bewegungsraum runden die Pläne für alle Gruppen ab. Fürs Frühjahr 2022 ist der Baustart geplant, die Eröffnung für die erste Hälfte des Jahres 2024.

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