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Auf der gemeindlichen Fläche zwischen der Nordseite des Badeparks und dem Breitenbach könnte das Hackschnitzel-Heizwerk nach derzeitigen Plänen entstehen.

Umstrittenes Heizwerk im Wiesseer Kurviertel noch mal auf dem Prüfstand

Klimaschutzbeauftragter: „Wir haben jetzt diese Chance“

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Mit Rolf Neresheimer hat nun auch Bad Wiessee einen eigenen Klimaschutzbeauftragten. Und der freut sich bereits auf das neue Nahwärmenetz der Gemeinde. Unterdessen betont der amtierende Bürgermeister: Ob und in welcher Form das Heizwerk kommt, ist weiterhin völlig offen.

Bad Wiessee– Mit einem engagierten Vortrag stellte sich Rolf Neresheimer, Gemeinderat der Fraktion ranBW und studierter Wirtschaftsingenieur, seinen Gremiums-Kollegen als neuer Energiebeauftragter Bad Wiessees vor. Er sei nicht dazu da, nur das schlechte Gewissen im Gremium zu beruhigen, machte Neresheimer deutlich. Stattdessen werde er die Belange des Klimaschutzes aktiv vertreten und „immer wieder den Finger in die Wunde legen“, kündigte der Wiesseer an.

Dabei ging Neresheimer auch auf das geplante Hackschnitzel-Heizwerk ein, das auf einem Grundstück hinter dem Badepark entstehen und künftig das neue Kurviertel mit Nahwärme versorgen soll. Der Gemeinderat hat bereits eine Stange Geld in die Hand genommen und eine europaweite Ausschreibung gestartet, um einen Betreiber zu finden.

„Damit bringen wir derzeit eine nachhaltige Energieversorgung auf den Weg“, sagte Neresheimer und zählte die Vorteile auf – darunter die ökologisch saubere und effiziente Energiegewinnung, die Versorgungssicherheit aus eigener Kraft und das ausreichende Vorhandensein des Brennstoffs Hackschnitzel vor Ort. Seine Vision sei es, dass das neue Nahwärmenetz möglicherweise bis 2022 in Betrieb gehen und dann CO2-neutrale Wärme unter anderem fürs neue Badehaus und den Badepark erzeugen könnte. „Wir haben jetzt diese Chance“, gab er eindringlich zu bedenken.

Rolf Neresheimer ist neuer Energiebeauftragter.

Tatsächlich ist die europaweite Ausschreibung für das Projekt mittlerweile fast beendet. Vier Anbieter haben es laut Hilmar Danzinger, Geschäftsleiter des Wiesseer Rathauses, in die finale Runde geschafft, im Laufe des Februars soll der Gewinner des Auswahlverfahrens feststehen. Das, so macht Interims-Bürgermeister Robert Huber (SPD) auf Nachfrage deutlich, heiße aber noch lange nicht, dass das Projekt auch wirklich umgesetzt werde. „Hier gibt es keinen Automatismus“, betont Huber. Das letzte Wort habe der Gemeinderat, der noch einmal intensiv über das Thema beraten werde, vermutlich sogar in Form einer Sondersitzung, kündigt Huber an.

Lesen Sie auch: Darum stellen sich Anwohner gegen das Heizwerk

Der amtierende Bürgermeister hält die Umsetzung des Nahwärmenetzes zwar für durchaus realistisch, allerdings sei dies in erster Linie abhängig von der Zahl der Abnehmer. Vor allem Großkunden wie der Schweizer Investor SME, der derzeit sein Hotelprojekt auf dem einstigen Jodbadgelände verwirklicht, und die Familie Strüngmann mit ihrem Vorhaben an der Seepromenade seien von großer Bedeutung für die Wirtschaftlichkeit. Fixe Zusagen gibt es hier laut Huber nach wie vor nicht. SME hatte in der Vergangenheit sogar schon einmal abgewunken. „Da werden wir aber noch ein, zwei Gespräche führen“, lässt Huber wissen. Auch der Standort beim Badepark, der in der Vergangenheit bereits für breiten Anlieger-Protest gesorgt hatte, sei noch nicht endgültig gesetzt. Während des Ausschreibungs-Verfahrens hätten die Bewerber der Gemeinde weitere Fakten an die Hand gegeben, erklärt Huber. Diese gelte es zu werten, ehe eine Entscheidung fällt.

Die Ernennung Neresheimers zum Klimaschutzbeauftragten erfolgte im Übrigen nahezu einstimmig. Lediglich Ingrid Versen (CSU) hätte das Amt lieber einem Mitarbeiter der Rathaus-Verwaltung übertragen statt einem Mitglied des Gemeinderats. „Sonst geht’s nächstes Jahr wieder von vorne los“, meinte sie mit Blick auf die 2020 anstehenden Kommunalwahlen. Im Rahmen des Beschlusses befürwortete das Gremium zudem die Erstellung eines Solarpotenzialkatasters für den gesamten Landkreis, so wie es in der talweiten Gemeinderatssitzung vom November angeregt worden war.

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