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Klinik-Tiefgarage in der Kritik: Schutzgemeinschaft Tegernseer Tal zweifelt an Gutachten und ermitteltem Stellplatz-Bedarf

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Parkplatz Alpenpark Klinik
Anstelle des Parkplatzes der Kirinus-Klinik soll eine Tiefgarage entstehen. © Gernböck

Eine Tiefgarage mit 160 Plätzen soll bei der Kirinus-Klinik entstehen. Die Schutzgemeinschaft Tegernseer Tal hält den Bau für überdimensioniert.

Bad Wiessee - Die Erweiterung der Kirinus-Alpenpark-Klinik ist beschlossene Sache. Auf Wiesseer Gemeindegebiet soll im Zuge des Ausbaus eine Tiefgarage mit 160 Plätzen entstehen. Mehrfach waren die Pläne in Bauausschuss und Gemeinderat diskutiert worden und hatten auch kritische Stimmen laut werden lassen. Dennoch gab’s grünes Licht für das Vorhaben, auch weil der Bauherr bereits vorab Fachgutachten vorgelegt hatte. Nun hat sich die Schutzgemeinschaft Tegernseer Tal (SGT) zu dem Thema zu Wort gemeldet. In einer Stellungnahme übt die SGT Kritik an dem ihrer Meinung nach überdimensionierten unteririschen Bauwerk und sieht Unschärfen in den Gutachten.

SGT hält Bedarf für zu hoch geschätzt

Bei der Analyse werde die Erhöhung der Bettenzahl um 33 Prozent eins zu eins auf die Erhöhung von An- und Abfahrten übertragen, was einen übertriebenen Bedarf an Parkplätzen generiere. Dass ein Plus von 91 Parkplätzen erforderlich sein soll, zieht der Verein in Zweifel. Denn trotz des Ausbaus werde die Zahl der Mitarbeiter nur leicht steigen, die über 80 Angestellten machten aber „höchstwahrscheinlich über zwei Drittel“ des Verkehrs aus. Die SGT geht hypothetisch von nur 16 Prozent Erhöhung aus. Damit wären lediglich 20 zusätzliche Parkplätze notwendig.

Auch berücksichtige das Gutachten nicht, dass keineswegs der gesamte Verkehr von der Klinik stamme. Zudem werde davon ausgegangen, dass jeder einzeln mit eigenem Auto anreise, ohne die mögliche Nutzung des öffentlichen Nahverkehrs einzukalkulieren. Diese Punkte würden Fehlerquellen in Richtung Bedarf in sich bergen. Ein „halbleeres Parkhaus“ ermuntere dazu, doch wieder das eigene Auto zu benutzen und locke weitere Investoren in den Ortsbereich.

Anhand konkreter Analysen solle der zusätzliche Bedarf realistisch ermittelt werden, fordert die SGT vom Bauwerber und bringt Sammeltaxis für Angestellte zu Schichtwechselzeiten als Option ins Spiel. Außerdem müsse der Bauherr offenlegen, ob er eine spätere oberirdische Bebauung des Tiefgaragengeländes generell ausschließe. Auch die Entscheidungsträger sollen ihren Standpunkt dazu darlegen.

Furcht vor Überschwemmungen

Die bereits in den Gremien kritisch beleuchtete Wasser-Problematik greift die Schutzgemeinschaft ebenfalls auf. In unmittelbarer Nachbarschaft liege ein Brunnen, dessen Wasserniveau bei etwa neun Metern liege, einer Tiefe also, in die der geplante Baukörper reichen würde, widerspricht der Verein dem Gutachten. Auf Kritik stößt auch die Anregung, Niederschlagswasser in den Bach im Südwesten oder in einen Graben westlich der Klinik zu leiten. Die SGT sieht hier einen „gefährlichen Präzedenzfall“ gegeben, zumal Eigentümer verpflichtet seien, Niederschlagswasser auf eigenem Grund versickern zu lassen. „Dieser Graben mündet nach 300 Metern in den Tegernsee“, heißt es in der Stellungnahme. Reifenabrieb, Streusalz, Ölverlust von Autos sowie Chemikalien aus Baumaterialien würden bei Regen sofort im See landen, weshalb das Einleiten in den See ausdrücklich verboten werden müsse, findet die SGT. Eine im Gutachten alternativ vorgeschlagene Versickerungsanlage müsse zur Auflage gemacht werden .

Tiefgarage soll kleiner werden

Mit Blick auf die zunehmenden Starkregenereignisse wünscht sich die Schutzgemeinschaft eine kleinere Tiefgarage. Mit einer Flächenversiegelung von über 95 Prozent bis in rund neun Metern Tiefe werde ein horizontaler Wasserfluss blockiert, die Folgen seien schwer abzuschätzen. Doch jede unterirdische Blockade mache Überschwemmungen wahrscheinlicher.

Die Tiefgarage solle einstöckig oder in der Grundfläche kleiner ausgeführt werden, lautet der Appell, auch wegen der klimatischen Auswirkungen: Bei der Herstellung des benötigten Betons würden nach Berechnungen der SGT pro Stellplatz elf Tonnen CO2 anfallen: Die Klimawende, so die Mahnung, gehe aber jeden an, auch Investoren und Arbeitgeber.

VON STEFAN GERNBÖCK

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