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Lebhafte Diskussion auf dem Podium: (v.l.) Florian Sareiter, Moderator und Redaktionsleiter Stephen Hank, Johannes von Miller und Robert Kühn.

Kommunalwahl 2020

Wiesseer Bürgermeister-Kandidaten auf dem Podium: Ungleiches Trio mit Unterhaltungswert

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Der Abgeklärte, der Neuling, der Exot: Es war ein ungleiches Trio, das sich bei der Podiumsdiskussion der Wiesseer Bürgermeister-Kandidaten präsentierte. Der Postsaal war brechend voll.

Bad Wiessee – Dunkelblauer Anzug, weißes Hemd, braune Schuhe: Der Zufall wollte es, dass sich CSU-Bürgermeisterkandidat Florian Sareiter (41) und Redaktionsleiter Stephen Hank – Moderator des Abends – bei ihrem Auftritt im Wiesseer Postsaal im exakt gleichen Outfit präsentierten. Ein Umstand, der zu Beginn der Podiumsdiskussion der Tegernseer Zeitung für Lacher unter den knapp 500 Besuchern sorgte. Einen optischen – und wie sich später herausstellen sollte auch rhetorischen – Kontrast zum CSU-Kandidaten bot SPD-Bewerber Robert Kühn (37), der mit knallroten Strümpfen und silbernen Glitzerschuhen eine weitaus gewagtere Optik gewählt hatte. Dazwischen: der 57-jährige Johannes von Miller, Überraschungskandidat der Grünen und für viele Besucher ein noch unbeschriebenes Blatt.

Sie alle drei hatten an diesem Abend die Möglichkeit, zu den wichtigsten Wiesseer Themen Stellung zu beziehen. Beispiel Kinderbetreuung. Dass der Neubau von Kindergarten und Krippe „oberste Priorität“ (Sareiter) hat, darüber herrschte am Podium absolute Einigkeit. Auch in puncto bezahlbarer Wohnraum sahen alle drei Bewerber dringenden Handlungsbedarf und nahmen dabei auch das 2014 gegründete Kommunalunternehmen (Kühn: „ein schlagfestes Unternehmen“) in die Pflicht.

Der Postsaal war anlässlich unserer Podiumsdiskussion brechend voll.

So richtig in Fahrt kam die Diskussion bei den bekannten Aufreger-Themen Bad Wiessees: Was tun mit den Schweizer Investoren SME, die der Gemeinde eine riesige Brache mitten im Ort bescheren? Alle Beteiligten „herzitieren und Druck machen“, forderte von Miller. Unterdessen hat Sareiter, seit 2014 amtierender Gemeinderat, den Glauben an den Investor bereits verloren: „Ich denke nicht, dass wir das Projekt mit SME zu Ende führen werden.“ Die Diskussion blieb zu jeder Zeit fair, wurde aber spätestens ab dem Thema Badepark mit härteren Bandagen geführt. Dass der Beschluss zum 30-Millionen-Euro-Neubau in nicht öffentlicher Sitzung und ohne vorherige Information der Bürger getroffen wurde, kritisierten die beiden Nicht-Gemeinderäte Kühn und von Miller noch einmal harsch. Sie nahmen dabei neben dem Rathaus-Chef auch ihren CSU-Mitbewerber in die Zange. „Ich weiß nicht, wie der Beschluss zustande kam“, meinte Kühn. „Das ist es, was mir stinkt!“

Die fehlende Kommunikation zwischen Rathaus und Bürgern war ein Punkt, den alle drei Kandidaten immer wieder auf den Tisch brachten. Kritik, die in Richtung Bürgermeister Höß zielte, der die Debatte aus den Zuhörerreihen heraus verfolgte. Die Information nach außen – das könne in Bad Wiessee „nur besser werden“, meinte Sareiter.

Während der 41-jährige Vater zweier kleiner Töchter seinen Wissensvorsprung durch die Gemeinderatstätigkeit souverän ausspielte, punktete Kühn durch knackig-kurze Statements. Das Kürzeste ließ er gleich zum Auftakt der Diskussionsrunde verlauten. Auf die Frage von Moderator Hank, ob er aufgrund seiner Ehe mit einem Mann Vorbehalte in Bad Wiessee spüre, antwortete er mit genau einem Wort: einem nachdrücklichen „Nein“. Applaus im Publikum.

Unterdessen erging sich von Miller – bisher kommunalpolitisch nur in zweiter Reihe aktiv – in ausschweifenderen Wortbeiträgen. Welches Alleinstellungsmerkmal ihn auszeichne, wollte Hank am Ende des Abends von dem gelernten Restaurator wissen: Er sei in einem guten Alter, könne Erfahrung einbringen und sei darüber hinaus parteipolitisch unbeleckt – „ich habe den Blick von außen“. Der Sparkassenbetriebswirt Sareiter führte sein „fundiertes Finanzwissen“ ins Feld, und Kühn erheiterte am Ende mit der Aussage: „Ich bin nicht nur der jüngste Kandidat, ich bin nicht nur der schwule Kandidat, ich bin der beste Kandidat.“

Hier finden Sie sämtliche Kandidaten-Namen im Landkreis Miesbach auf einen Blick

gab

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