53.000 Euro einfach weg, aber...

Kreuther wird bei Autokauf von Münchner betrogen - was dann passiert, ist filmreif

Einst waren sie Geschäftspartner und dann das: Um rund 53.000 Euro hat ein Münchner (28) einen 68-Jährigen aus Kreuth betrogen. Streitpunkt war ein Autokauf. Dann kam es zum Showdown.

Bad Wiessee – Der Geschädigte konnte seine Gutgläubigkeit kaum fassen. Immer wieder habe er sich über seine „eigene Dummheit“ geärgert, berichtete er vor dem Miesbacher Amtsgericht. Mehr als 53.000 Euro: einfach weg. Das Geld war als Anzahlung für zwölf Fahrzeuge für seine Firma gedacht. Die Konditionen für den Deal waren sonderbar: Einen Rabatt von 46,5 Prozent sollte er auf das Dutzend Autos von einer Mercedes-Niederlassung in Hamburg erhalten. Für die Gefährte war ein Gesamtpreis von rund 303.000 Euro veranschlagt.

Der Vermittler des vermeintlichen Geschäfts: ein 28-jähriger Münchner, mit dem der Kreuther schon mehrere Auto-Deals eingegangen war. Bis dato hatte alles geklappt. Diesmal nicht. Der Münchner bestritt vor Gericht die Tat, dazu äußern wollte er sich allerdings nicht.

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Der Kreuther hingegen erzählte, wie der Angeklagte Druck ausgeübt habe. Er sei in Hamburg in besagter Niederlassung und brauche eine Anzahlung. „Wir haben uns auf 50.000 Euro geeinigt.“ Teil des Geschäfts sei ein Ford Ranger im Wert von 3570 Euro gewesen. „Ich habe das Geld in der Rückenlehne des Fords deponiert“, erklärte der Kreuther. Der Wagen sei dann von einem Beauftragten des Münchners abgeholt und nach Hamburg gebracht worden. Der Angeklagte bestätigte den Erhalt per SMS. Der Deal sollte so schneller abgewickelt werden können – dachte der Kreuther. Doch dann kam alles anders.

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Wochenlang sei er dem 28-Jährigen hinterhergelaufen, habe ihn mit gut gemeinten SMS bombardiert. Nichts passierte, und irgendwann forderte er sein Geld zurück. „Er hat mich immer wieder vertröstet“, erklärte der 68-Jährige. Erst nachdem er mit einer Anzeige gedroht habe, schien der Münchner einzulenken. Auf dem Parkplatz einer Tankstelle in Bad Wiessee verabredeten sich die beiden zur Geldübergabe. Dann die erneute Ernüchterung für den Kreuther. „Er hatte Goldmünzen dabei und wollte mich damit bezahlen.“ Das habe er abgelehnt.

Was sich dann ereignete, war filmreif. 

Der Münchner gab an, das Geld aus seinem Auto holen zu wollen. Tatsächlich wollte er sich aus dem Staub machen. Der Kreuther roch den Braten, folgte dem 28-Jährigen, stellte seinen Fuß in die Fahrertür, und versuchte ihm seinen Schlüssel zu entreißen. Was das Opfer nicht wusste: Es handelte sich beim Fahrzeug des Münchners um ein Keyless Car. Ein Auto, in dem der Schlüssel nicht stecken muss, um es fahren zu können.

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Der Angeklagte fuhr bei offener Tür los, der Kreuther halb auf dem Auto liegend. Gerade noch konnte sich der 68-Jährige lösen und auf einen Gehweg springen. Der Schrecken saß tief. „Ich kann von Glück reden, dass ich heute noch hier sitze“, sagte der Mann vor Gericht.

Sein Geld hat der 68-Jährige bis heute nicht zurückerhalten. Der Staatsanwalt sprach bei seinem Plädoyer von „typischem Betrug im großen Stil“. Hätte der Münchner nichts zu verbergen gehabt, hätte er alles per Überweisung regeln können. „Aber das hinterlässt natürlich Spuren“, resümierte der Staatsanwalt. „Und das wollte der Angeklagte nicht.“ Zwei Jahre und sechs Monate forderte er – ohne Bewährung.

Verteidiger Nikolaus von Lucke sah die Sachlage völlig anders, forderte Freispruch und sagte: „Ein Betrug konnte meiner Meinung nach nicht bestätigt werden.“ Dem wiederum widersprach Richter Walter Leitner. Der Angeklagte habe ein Geschäft gewittert und unrealistische Angebote wie den hohen Rabatt vorgelegt. Alles musste schnell gehen, weshalb der Kreuther seinem einstigen Geschäftspartner vertraut habe und auf dessen Verlangen das Geld bar auf die Reise schickte. „Bargeschäfte in dieser Größenordnung“, rügte Leitner derweil den Betrogenen, „sind absolut hanebüchen“.

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Der Angeklagte kam nach fünfstündigem Prozess mit einer Bewährungsstrafe von zwei Jahren davon. Zudem muss er eine Geldauflage von je 5000 Euro an die Bergwachten Schliersee und Rottach-Egern entrichten. Der Betrag in Höhe von 53.570 Euro wird eingezogen. Bei seinem Urteil drückte Leitner aber mehr als nur ein Auge zu und erklärte: „Sie haben ein eigenes Geschäft und Kinder – deshalb gibt es ausnahmsweise noch Bewährung.“

hph

Rubriklistenbild: © pixabay/LauraTara

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