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Eine frühere Mitarbeiterin der Spielbank Bad Wiessee klagt jetzt gegen den Freistaat, der ihr gekündigt hat.

Arbeitsrichter legt den Kontrahenten einen Vergleich nahe

Kündigung: Ex-Casino-Mitarbeiterin klagt gegen Freistaat

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Sie soll sich krankschreiben haben lassen, nachdem ihr Urlaub nicht bewilligt worden war – und trotzdem im Nebenjob geputzt haben: Damit begründet der Freistaat die Kündigung einer Mitarbeiterin der Wiesseer Spielbank. Jetzt klagt die 55-Jährige am Arbeitsgericht.

Bad Wiessee – Zehn Jahre lang war die Frau im Gästeservice der Spielbank beschäftigt – die letzten beiden Jahre, in denen sie auch eine Nebentätigkeit angezeigt hatte, nur mehr in Teilzeit. Wegen Rückenbeschwerden ließ sich die 1964 geborene Holzkirchnerin per Attest von 19. Dezember bis 1. Januar krankschreiben. Am 27. Dezember will der Spielbank-Saalchef sie allerdings in Hausham vermeintlich bei der Ausübung ihrer Nebentätigkeit als Reinigungskraft gesehen haben. Er fertigte ein Foto der Frau mit Mopp in der Hand, das sie angeblich dabei zeige.

Die Spielbankleitung kündigte der Holzkirchnerin daraufhin am 9. Januar fristlos: Sie habe ihre Arbeitsunfähigkeit vorgetäuscht, nachdem ihr Urlaubsantrag für denselben Zeitraum abgelehnt worden war. Nicht nur von „genesungswidrigem Verhalten“ und einer „nicht angemeldeten Nebentätigkeit“ war in der Kündigung die Rede, sondern von der „Straftat des Entgeltfortzahlungsbetrugs“ zulasten der Spielbank.

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Nachdem die Holzkirchnerin eine Kündigungsschutzklage eingereicht hatte, erhielt sie Ende Januar eine zweite, diesmal ordentliche Kündigung zum 31. Mai. Seit Richter Reinhard Schlicker bei einer ersten Güteverhandlung vor dem Arbeitsgericht Ende Februar einen Vergleich vorgeschlagen hatte, weil die Frau beteuert, dass sie am 27. Dezember nicht geputzt, sondern nur ihren Mann beim Putzen angewiesen habe, hat der Freistaat aus organisatorischen Gründen den Anwalt gewechselt. Der widerrief den Vergleich am 7. März. Es folgten bis Anfang Mai drei weitere Kündigungen: eine wegen versuchten Prozessbetrugs, eine Verdachtskündigung wegen versuchten Prozessbetrugs und schließlich eine insgesamt fünfte wegen versuchter Nötigung und Beleidigung.

Der Freistaat hat der Frau gleich fünfmal gekündigt - Jetzt klagt sie am Arbeitsgericht

Insgesamt fünf Kündigungen: Dergleichen kenne er eigentlich nur von „Spezialfirmen“, betonte Arbeitsrichter Schlicker eingangs beim Gerichtstag in Holzkirchen: „Dass der Freistaat Bayern zu einer solchen gehören soll, wundert mich schon sehr.“ Durch die etwa zehn Spielbankmitarbeiter, die zur Unterstützung ihrer früheren Kollegin zum Termin gekommen waren, ging ein Raunen.

Zur Frage stand, ob die Klägerin ihrem Arbeitgeber ihre Nebentätigkeit erst als Bedienung, dann als Reinigungskraft korrekt angezeigt hatte und ob die Staatliche Lotterieverwaltung der Frau eine ähnliche Tätigkeit in der Spielbank Garmisch-Partenkirchen angeboten hat, „um sie aus dem Feuer zu nehmen“. Während der Freistaat aufgrund des Fotos bezweifelt, dass die Klägerin selbst nicht geputzt hat, zweifelt die Gegnerseite wiederum daran, dass der Saalchef das vermeintliche Beweisfoto am 27. Dezember wie angegeben machen konnte, als er auf dem Weg zu einer Naturheilpraxis gewesen sei – denn die habe zwischen den Jahren geschlossen gehabt.

Jürgen Jürgens, der Anwalt der Klägerin, forderte eine Vergütung, damit die Vorwürfe der Nötigung und des Prozessbetrugs, die viel Schmerz bei seiner Mandantin verursacht hätten, aus der Welt geschafft würden. „Außerdem zeugt es von schlechtem Stil, dass die Spielbankleitung nicht persönlich zum Gerichtstermin erschienen ist“, monierte er. Statt Direktorin Antje Schura war Georg Weißberger, Direktionsassistent aus München, vor Ort. Der Anwalt des Freistaats, Martin Rößler, stellte klar, dass man nicht gewillt sei, eine Abfindung zu bezahlen. Der Gerichtstag sei auch „kein türkischer Basar“.

Mit Blick auf die Belastung für die Holzkirchnerin, die über Schlafstörungen klagt, riet der Richter zu einer gütlichen Einigung. Schlicker stellte eine Beendigung des Arbeitsverhältnisses zum 31. Mai sowie eine Abfindung in Höhe von 10 000 Euro in den Raum. Die Klägerin konnte sich damit anfreunden. Der Freistaat hat Bedenkzeit bis Ende der Woche.

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