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Ladensterben am Tegernsee - Wiesseer schlägt Alarm: „Das Herz unseres Ortes blutet aus“

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Von: Christina Jachert-Maier

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Ladensterben Bad Wiessee
Leerstehende Läden gibt es mehrere in Bad Wiessee. © Andreas Leder

Leere Schaufenster, geschlossene Türen - und das ausgerechnet in Bad Wiessee am beliebten Tegernsee. Was läuft da schief? Wiesseer Robert Kühn schlägt Alarm und nennt Gründe.

Bad Wiessee – „Das Herz unseres Ortes blutet aus“, fürchtet Robert Kühn. Er betreibt ein Schuh-Geschäft in der Ortsmitte, führt den örtlichen Gewerbeverbund Aktive Wiesseer und ist zudem Bürgermeisterkandidat der SPD. Der wachsende Laden-Leerstand und die Sorge, dass auch noch der Netto-Markt im Zentrum schließt, haben ihn zu einer schriftlichen Anfrage zur Bürgerversammlung bewegt. Ob es ein Konzept zur Belebung der Ortsmitte gebe, wollte er wissen.

Robert Kühn vertritt die Interessen der örtlichen Einzelhändler.
Robert Kühn vertritt die Interessen der örtlichen Einzelhändler. © tp

Zudem erkundigte sich Kühn nach dem Einzelhandelsgutachten. Vor über einem Jahr seien die Gewerbetreibenden im Zuge dieses Gutachtens für ein Stimmungsbild befragt worden, erinnerte er. Das Ergebnis dieses Gutachtens habe die Gemeinde aber nie öffentlich präsentiert. Auch den Gewerbetreibenden sei es nicht vorgestellt worden. Er vermisse die Mitnahme der Beteiligten, kritisierte Kühn.

Ladensterben in Bad Wiessee: Gewerbemieten sind zu hoch

Was Kühn anspreche, sei zweifellos ein Problem, räumte Bürgermeister Peter Höß ein. Die wesentlichen Inhalte des Einzelhandelsgutachtens fasste er zusammen: Es fehlen ein Versorger und ein Drogeriemarkt, ebenso Gastronomie für den Abend. Ein Einkaufsbummel in der Ortsmitte ist schon wegen der großen Distanz zwischen den einzelnen Läden nicht attraktiv. Die Gewerbemieten – im Schnitt 16 Euro pro Quadratmeter – sind zu hoch, zumal die Zahl der Einzelhändler, die Eigentümer ihres Ladens sind, niedrig ist.

Insgesamt bestehe der Wunsch nach mehr Aufenthaltsqualität im Ort, erklärte Höß. 20 Prozent der Gewerbetreibenden beurteilen laut Gutachten die Situation als problematisch.

Was den Fortbestand des Netto-Markts in der Rathausstraße angeht, gab Höß vorsichtige Entwarnung. Wie berichtet, hatte das Gerücht von der Schließung die Runde gemacht. Offenbar sei der Vertrag jetzt aber wieder verlängert worden, berichtete Höß. Eine unmittelbare Schließung des Marktes stehe also nicht bevor. Dennoch wisse keiner, wie lange es den zentrumsnahen Versorger noch gebe.

Um neue Läden, vor allem aber einen Drogeriemarkt anzusiedeln, sieht Höß nur eine geeignete Fläche: das Grühn-Areal. Nach der Schließung des Hotels Rex will die Erbengemeinschaft das Grundstück an der Ortsdurchfahrt verkaufen. Doch die Geschwister Grühn ringen noch um einen gemeinsamen Weg, weshalb sich ein erster Investor entnervt zurückzog. Die Entwicklung des Grundstücks kommt somit nicht voran. „Alles hängt davon ab, dass sich die Erben mit einem Investor einigen“, erklärte Höß.

Was auf dem Grundstück entstehen darf, hat der Gemeinderat schon im Oktober 2018 festgezurrt. Demnach kann sich Einzelhandel dort ansiedeln, auch Personal- oder Mietwohnungen wären willkommen. Dagegen lehnt die Gemeinde den Bau von Eigentumswohnungen ab.

„Wir dürfen unsere Planungshoheit auch nicht aus der Hand geben“, erklärte Höß. Im Fall des Grühn-Areals kann die Gemeinde Regie führen. Aktuell ist dort ausschließlich Fremdenverkehrsnutzung zulässig, sodass Investoren nur in Kooperation mit der Gemeinde Neues realisieren können.

Schuld am Leerstand im Wiesseer Zentrum ist das Kaufverhalten

„Extrem schade“ findet Höß, dass nach der Filiale von Müller-Brot am Lindenplatz bald auch die dortige Niederlassung von Andreas Eybels Schokoladenquelle schließt. Ursache sei das Kaufverhalten der Konsumenten, die am liebsten via Internet ordern: „Die Entwicklung, die Amazon ausgelöst hat, können wir nicht aufhalten.“

Kühn gab sich mit dieser Antwort nicht zufrieden. Er forderte die Wertschätzung des Handels ein, der im Jahresbericht des Bürgermeisters (wir berichteten) kaum Erwähnung gefunden habe: „Wir müssen konstruktiv darüber nachdenken, was bei uns am Ort passieren kann – und zwar mit der Bürgerschaft.“

Ebenfalls interessant aus Bad Wiessee: Rückblick zum Abschied - Scheidender Bürgermeister Peter Höß zeigt bei Wiesseer Bürgerversammlung Entwicklung auf. Außerdem: Ärger um die Dauerbaustelle am Lindenplatz: „Anblick ist unerträglich“. Sowie: Kosten für Tourismsu - Robert Huber will über Geld reden.

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