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Starke Effekte - ohne Krach: Ein Feuerwerk muss gar nicht mehr böllern.

Als Reaktion auf Kritik an privaten Lichtshows

Premiere: Wiesseerin bestellt sich lautloses Feuerwerk

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Tegernseer Tal – Bettina Stadeler liebt Feuerwerke. Auch zu ihrem 55. Geburtstag soll es am Himmel leuchten. Aber nicht krachen. Die Wiesseerin hat ein lautloses Feuerwerk bestellt.

Ein Feuerwerk ganz ohne Knall? Davon hat man am Landratsamt Miesbach noch nie gehört. Auch die dortigen Experten für Munition, Sprengstoff und Schusswaffen nicht, wie Landratsamt-Sprecher Birger Nemitz sagt. Gut möglich also, dass Bettina Stadeler richtig liegt mit ihrer Annahme, dass sie das erste lautlose Feuerwerk am Tegernsee in Auftrag gegeben hat. Übrigens erst für den 5. Juni 2017, ihren 55. Geburtstag. Feiern wird sie ihn in den Egerner Höfen in Rottach-Egern. Mit der Planung hat sie schon längst begonnen. „Denn die Vorbereitung ist doch das Schönste“, meint Stadeler. Ihren Gästen ein paar schöne Stunden zu schenken, ist ihre größte Freude. Ein Feuerwerk gehört für sie dazu.

Aber die Botschaft der Tal-Initiative, die sich gegen private Feuerwerk starkmacht (wir berichteten), ist bei ihr angekommen. Tiere in Panik versetzen, das will Stadeler nicht. „Ich habe selbst Hunde“, meint sie. Eben darum habe sie bei einem Feuerwerker aus Weinheim (Rhein-Neckar-Kreis) ein absolut geräuschfreies Feuerwerk bestellt.

Feuerwerk-Fan Bettina Stadeler hat sich ein lautloses Feuerwerk zum Geburtstag gewünscht.

Aber ist mit dem Verzicht aufs Zischen und Krachen die Forderung der Tal-Initiative gegen Feuerwerke erfüllt? Sprecherin Angela Brogsitter-Finck, Vorsitzende der Schutzgemeinschaft Tegernseer Tal (TTT), fällt die Antwort schwer. Von einem lautlosen Feuerwerk habe sie noch nie gehört, meint Brogsitter-Finck. Deshalb könne sie nicht sagen, ob Tiere auch auf die Lichteffekte empfindlich reagieren. Besser wäre es wohl, auf jedes Spektakel zu verzichten. „Aber ein lautloses Feuerwerk ist sicher ein Schritt in die richtige Richtung“, sagt Brogsitter-Finck.

Leider finde ihre Initiative ansonsten wenig Beachtung: „Unsere Bemühungen zeigen nur einen geringen Effekt. Nach wie vor gebe es eine Flut von privaten Feuerwerken zu allen möglichen Festivitäten – und keine rechtliche Handhabe dagegen. „Dabei ist Stille der neue Luxus.“

Still wird es aber auch bei Stadelers Geburtstagsfeuerwerk sein. „Da ist nur die Musik zu hören“, sagt die Wiesseerin. Für die lautlosen Lichtspiele werden Andreas Wollenschläger und sein Team von AW-Pyrotechnik sorgen. Etwa 1200 Feuerwerke zündet die Firma pro Jahr. „Und zwei Drittel sind lautlos“, berichtet Wollenschläger. Seine gehobene Kundschaft wünsche für Feste zum Beispiel im Frankfurter Bankenviertel oder edlen Restaurants keinen Krach. Es sei für ihn selbstverständlich, in Städten oder Naturschutzgebieten keinen Radau zu machen, meint Wollenschläger. Schließlich wolle man weder Anwohner belästigen noch Tiere in Aufruhr versetzen.

Dass geräuschfreie Feuerwerke kaum bekannt seien, habe einen einfachen Grund. Aus Kostengründen werde für gewöhnlich Standardware aus China verwendet, erklärt Wollenschläger. Und die macht Lärm. Denn ein Feuerwerk ohne Knall, das sei in China nicht denkbar. Ganz anders in der Schweiz, wo sein Unternehmen Feuerwerkskörper fertigen lasse. Dort seien hohe Auflagen in Sachen Umweltschutz zu beachten, erklärt Wollenschläger. Technisch stelle die Herstellung lautloser Effekte kein Problem dar. Im Gegenteil. Der Knall koste die halbe Kraft eines Feuerwerks und werde eigens zugefügt. Die aufwendige Fertigung macht das lautlose Feuerwerk allerdings teuer. Statt 1000 Euro für ein durchschnittliches Geburtstagsfeuerwerk sind Wollenschläger zufolge dann 1500 Euro fällig. Sein Unternehmen ist in ganz Deutschland unterwegs, hat auch den G-8-Gipfel und die Formel 1 befeuert. Ob lautlos oder nicht, das hänge vom Anlass ab, meint Wollenschläger: „Manchmal muss es einfach krachen.“

jm

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