+
Gemischte Gefühle: Der mit den Spenden der Aktion „Leser helfen Lesern“ finanzierte Kleinbus, der Menschen im Rollstuhl in die Tagespflege nach Bad Wiessee bringen kann, ist endlich da. Wegen Corona hat die Einrichtung aber geschlossen. 

Spendenaktion „Leser helfen Lesern“

Trotz Schließung wegen Corona: Tagespflege Bad Wiessee dankbar für neues Auto

  • schließen

Wegen des Coronavirus ist die Tagespflege Hiltl der Diakonie in Bad Wiessee weiterhin geschlossen. Leiterin Monika Klöcker freut sich trotzdem über das neue Auto.

Bad Wiessee – Als Monika Klöcker (58) den ersehnten Kleinbus entgegennimmt, der Menschen im Rollstuhl in die Tagespflege Hiltl der Diakonie nach Bad Wiessee bringen kann, fällt ihre Freude gedämpfter aus als erhofft. Die Verwaltungsleiterin hat sich lange um die Finanzierung des Wagens bemüht, die Aktion „Leser helfen Lesern“ der Heimatzeitung hat dann den Kauf ermöglicht. Doch derzeit ist die Tagespflege wegen der Corona-Beschränkungen geschlossen. Wir haben mit Klöcker über die Lage gesprochen.

Frau Klöcker, Sie haben für das Auto gekämpft, weil sie wussten, wie nötig die Unterstützung für Kranke ist. Nun müssen diese wegen Corona zuhause bleiben. Wie fühlen sie sich?

Monika Klöcker: Seltsam. Es ist schön, dass das Auto da ist. Unser Dank gilt der Heimatzeitung und den Lesern, die für den Wagen gespendet haben. Die Kreissparkasse hat den Umbau des Fahrzeugs durch eine Spende ermöglicht. So viel Unterstützung ist toll. Aber es wird Zeit, dass das Auto seiner Bestimmung entsprechend genutzt wird. Das wird dann ab dem 2. Juni sein, wenn wir wieder öffnen.

Wie geht es Ihren Gästen und deren Angehörigen?

Monika Klöcker: Für viele Gäste und Angehörige war die gesetzlich angeordnete Schließung eine schwierige Zeit. Manche waren verzweifelt. Als klar war, dass wir schließen müssen, haben Angehörige angerufen und gesagt: „Ich schaffe es nicht. Plötzlich wieder 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche pflegen – wie soll ich das überstehen?“ Das hat mich tief berührt.

Lesen Sie auch: Ein Blick in die Tagespflege Hiltl in Bad Wiessee: „Senioren sehen wieder Sinn im Leben“

Was wird sich in der Tagespflege jetzt ändern?

Monika Klöcker: Früher hatten wir ein sehr freies Konzept, ein offenes Miteinander: Wer malen wollte, konnte malen. Wer sich ausruhen wollte, ausruhen. Jetzt werden wir fixe Gruppen zu fünf bis sechs Personen bilden, die den Tag miteinander verbringen. Die Betreuer bleiben fest dabei. Das ist nicht ideal und nur vorübergehend. Aber bis es einen Impfstoff und ein Medikamente gibt, wird es wohl so bleiben müssen.

Ihre Besucher gehören praktisch alle zur Hochrisikogruppe.

Monika Klöcker: Wir spüren die Verantwortung. Besonders die fachlichen Leiterinnen, die die Konzepte entwickeln. Unser Hauptziel bleibt die Aktivierung der vorhandenen Ressourcen bei unseren Gästen. Das geht bei uns besser als zuhause. Dazu gehört, dass auf den jeweiligen Gast abgestimmt gemeinsame Aktivitäten stattfinden. Wir wollen einen schönen Tag mit vielen guten Erlebnissen vermitteln bei größtmöglichem Schutz. Es ist ein Balanceakt.

Lesen Sie auch: Leser helfen Lesern: Diesen Organisationen helfen wir 2019

Wie kann der klappen? Verstehen alle Ihrer Besucher, was sie tun müssen?

Monika Klöcker: Bei Menschen mit Demenz wird es schwer, sie zu überzeugen, den ganzen Tag eine Maske zu tragen. Zum Glück müssen sie das nicht. Das Gesetz sieht Ausnahmen für Menschen vor, die aus medizinischen Gründen keinen Mundschutz tragen können. Wenn Demenzkranke mit Maske Panik bekommen oder weglaufen wollen, müssen sie sie bei uns also nicht tragen. Das macht die Abstandsregeln umso wichtiger – und die Sache so kompliziert.

Deswegen die Öffnung erst zum 2. Juni?

Monika Klöcker: Genau. Die Erlaubnis zur Öffnung kam recht kurzfristig. Wir wollten uns zwei Wochen länger Zeit lassen, um ein gutes Konzept zu entwickeln. Der 2. Juni ist sicher ein guter Termin.

Konnten Sie den Menschen zuhause helfen?

Monika Klöcker: Leider nicht in dem Umfang, wie wir das wollten. Wir hatten ein Konzept für die Betreuung zuhause – spazieren gehen, Abwechslung für die Menschen, Entlastung für die Angehörigen. Das wollten wir mit dem Geld finanzieren, dass die Pflegekassen sonst für den Aufenthalt hier bezahlt hätten. Aber die Kassen haben nicht mitgespielt. Da waren wir sehr traurig.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Irrer Kuhglocken-Streit! Frau fühlt sich gestört - Richter knallhart
Der Kuhglockenstreit von Holzkirchen endete nun - kurz nach einem ungewöhnlichen Termin vor Ort. Die Frage, ob es auch GPS statt Glocke täte, sollte geklärt sein.
Irrer Kuhglocken-Streit! Frau fühlt sich gestört - Richter knallhart
Radkonzept für Bad Wiessee:Es darf die teure Variante sein
Bad Wiessee will den Radverkehr voranbringen. Das lässt sich die Gemeinde einiges kosten: Sie hat jetzt ein Mobilitätskonzept in Auftrag gegeben und möchte daran auch …
Radkonzept für Bad Wiessee:Es darf die teure Variante sein
Im Video-Stream: Musikkabarettist Erich Kogler mit „I möcht einfach nur da sitzen“
Nachdem die ersten beiden Streaming-Events so erfolgreich waren, liefern das FoolsTheater und der Holzkirchner Merkur nach: Musikkabarettist Erich Kogler tritt heute …
Im Video-Stream: Musikkabarettist Erich Kogler mit „I möcht einfach nur da sitzen“
Neuer Gemeinderat setzt starkes Zeichen „pro Spielarena“
Lange Jahre war die Zukunft der Spielarena in Bad Wiessee ein strittiges Thema. Jetzt hat der neue Gemeinderat ein Zeichen gesetzt: Einstimmig beschloss er, dass es …
Neuer Gemeinderat setzt starkes Zeichen „pro Spielarena“

Kommentare