Gemeinde Bad Wiessee und Landwirte im Zwist

Loipen dienen im Wegestreit als Faustpfand

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Loipen in Bad Wiessee: gibt’s in diesem Winter nicht. Das ließ das Rathaus am Mittwoch per E-Mail verlauten. Es ist der vorläufige Höhepunkt eines Streits zwischen 26 Landwirten und der Gemeinde. 

Bad WiesseeSeit dem 12. Oktober stehen die Zeichen auf Sturm. An diesem Tag teilten fünf Landwirte der Gemeinde Bad Wiessee mit, dass ihr Grund und Boden künftig nicht mehr für Loipen zur Verfügung steht. Ein harter Schlag: Ohne diese Flächen gibt’s keine Wiesseer Loipe.

Es ist eine Retourkutsche. Wie berichtet, wehren sich die Bauern dagegen, dass die Gemeinde eine Vereinbarung zum Unterhalt das Fockenstein-Bergwegs gekündigt hat. Dass die Loipen als Druckmittel herhalten, daraus macht Georg Erlacher, CSU-Gemeinderat und einer der fünf Landwirte, keinen Hehl. „Aber wir wollten nur, dass sich die Gemeinde mit uns an einen Tisch setzt.“

Inzwischen sind die Fronten verhärtet. Am Montag trafen sich rund 20 Anlieger des Fockenstein-Bergwegs mit Vertretern der Gemeinde im Gasthof Zur Post, um eine Lösung für die Wege-Problematik zu finden. Das gelang nicht. Die Kündigung der Loipen-Route gilt weiterhin,

Am Mittwochmittag unterrichtete Rathaus-Geschäftsführer Hilmar Danzinger per E-Mail Tourismus-Chef Christian Kausch vom Scheitern des Gesprächs – und ließ die Medien mitlesen. Bedauerlicherweise, so heißt es in dem Schreiben, stellten die Landwirte August Höß (Manglhof), Korbinian Knabl (Fischerhof), Georg Erlacher (Scheurerhof), Hubert Maier (Schustermannhof) und Alois Fichtner (Oberreiterhof) ihre

Flächen nicht mehr zur Verfügung. „Das bedeutet, dass ein Loipenbetrieb in diesem Winter nicht möglich sein wird.“

Was er davon hält, daraus macht Danzinger keinen Hehl. Die Gemeinde sei sehr enttäuscht über das mangelnde Verständnis der Landwirte für rechtliche Zwänge. Die Vereinbarung zum Fockenstein-Bergweg sei rechtswidrig gewesen. „Enttäuscht sind wir ebenso darüber, dass hier die große Verantwortung von Besitzern landwirtschaftlicher Flächen über den touristischen Standort und die touristische Entwicklung des gesamten Ortes Bad Wiessee aus unserer Sicht nicht adäquat wahrgenommen wird.“

Ein Satz, der Erlacher „stinksauer“ macht. So wie die ganze Nachricht. „Da stimmt die Hälfte nicht“, macht er klar. Die Verhandlungen in Sachen Loipe seien doch nicht beendet. Die Landwirte wollten eine Lösung für das Wegeproblem, keine Loipensperrung.

„Wir wissen, dass wir vom Tourismus leben“, versichert Erlacher. Die Landwirte täten sehr viel dazu, die Landschaft attraktiv zu halten. „Wir schauen immer, dass alles sauber beinand’ ist.“ Die Zeit reiche leicht, um noch vor dem Beginn der Langlauf-Saison eine Einigung in Sachen Fockenstein-Bergweg zu erreichen. „Wir sind ja auch schon drei Schritte auf die Gemeinde zugegangen“, findet Erlacher. Über die Loipen sei übrigens am Montag gar nicht gesprochen worden. „Bis jetzt hat überhaupt noch niemand mit uns darüber gesprochen.“

Auslöser des Zwists ist die Kündigung einer Vereinbarung zur Pflege des Privatwegs, der unter anderem zur Aueralm führt. Bis dahin regelte die ’99 geschlossene Verpflichtungserklärung, dass die Gemeinde sich um die Instandhaltung kümmert und die Kosten auf die 26 Anlieger umlegt. Kleinere Schäden besserte der Bauhof aus, die Anlieger zahlten dafür.

„Aber wenn das für den Bauhof zuviel Arbeit ist, kümmern wir uns selbst drum“, sagt Erlacher. Inzwischen wünschten sich die Landwirte von der Gemeinde nur noch Unterstützung bei der Abrechnung. Doch auch dazu sei man im Rathaus nicht mehr bereit. Dabei werde der Weg zu 90 Prozent touristisch genutzt. „Und unten kassiert die Gemeinde Parkgebühren, von denen wir nichts haben.“ Einer öffentlichen Widmung, wie von der Gemeinde gewünscht, stimmen die Anlieger allerdings nicht zu.

Um ihren Forderungen Nachdruck zu verleihen, nutzen die fünf Bauern, über deren Fläche die Loipe läuft, den Langlauf als Faustpfand. „Aber die anderen Landwirte stehen alle hinter uns“, versichert Erlacher.

Tourismus-Chef Kausch gibt die Loipen für diesen Winter noch nicht verloren. „Da finden weiter Gespräche statt“, versichert er. Er sei zuversichtlich, dass es zu einer Lösung komme. Zumal ein Verlust der Wiesseer Loipen den Tourismus hart treffen würde: „Der Langlauf hat im Tal eine große Bedeutung.“

Rubriklistenbild: © al

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