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Die Klinik Am Kirschbaumhügel gehört ebenso zum Medical Park wie St. Hubertus. Das Unternehmen würde auch auf dem Jodbad-Gelände gerne eine Klinik bauen.

Jodbad-Gelände in Bad Wiessee

Medical Park sieht sich ausgebremst

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Die Gemeinde Bad Wiessee vertraut ihr Jodbad-Gelände Schweizer Investoren an. Eine Enttäuschung für den Medical Park, aktuell größter Klinik-Betreiber am Ort. Das Unternehmen sieht sich ausgebremst.

Bad WiesseeDas Kaufangebot des Medical Park vom 15. Januar schien aus heiterem Himmel zu kommen. In einem Schreiben bot das Unternehmen der Gemeinde Bad Wiessee an, das Jodbad-Grundstück zu übernehmen, zum gleichen Preis, der mit den Schweizer Investoren Florian Kamelger und Andreas Bänziger vereinbart ist. Da hatte deren Sports Medicine Group (SME) die erste Zahlungsfrist gerade verstreichen lassen. Wie berichtet, ist eine neue Frist gesetzt: bis zum 15. Februar muss SME sieben Millionen Euro überweisen. Die vertraglich vereinbarte Kaufoption hat SME bereits gezogen.

Christian Gores ist Vorsitzender der Geschäftsführung. 

Aber warum hat der Medical Park seinen Hut nicht 2013 in den Ring geworfen, als die Gemeinde auf Investorensuche war? Christian Gores, Geschäftsführer der Medical Park Kliniken am Tegernsee, hat darauf klare Antworten. „Es gab Gespräche auf höchster Ebene“, berichtet Gores. Das Unternehmen Medical Park, mit zwei Kliniken größter Arbeitgeber in Bad Wiessee und seit Jahrzehnten dort ansässig, wolle erweitern und habe von Beginn an größtes Interesse an dem Grundstück bekundet. Das Problem waren die Konditionen. Gleich vier gravierende Punkte schreckten den Medical Park ab. Der erste: Die Gemeinde wollte einen Teil des Grundstücks nicht verkaufen, sondern nur in Erbpacht abgeben. Das allein wäre ein K.o.-Kriterium gewesen, meint Gores. Das Unternehmen Medical Park plane langfristig und baue nur auf eigenem Boden. Zudem war – zweiter Punkt – der Preis für die zum Verkauf stehenden Flächen schwindelerregend hoch. „Es gab damals kein Gutachten, es wurde mit dem Preis von Grundstücken für den Wohnungsbau gerechnet“, erinnert sich Gores. 600 Euro pro Quadratmeter sollte der Medical Park zahlen. Der dritte Haken: Der erste Entwurf des Architekten Matteo Thun stand als Vorgabe im Raum. Den umzusetzen, fand der Medical Park ebenso problematisch wie – vierter Punkt – die Aufforderung, die geruchsintensiven Jodschwefelquellen in den Betrieb zu integrieren. Als die Ausschreibung mit all diesen Punkten erfolgte, beteiligte sich der Medical Park nicht.

Die Zahl der Interessenten war dann sehr gering. Das Rennen machte 2015 eine Kooperation aus SME, Mettler-Gruppe und Kull&Weinzierl, einem Münchner Unternehmen. Von dem Trio ist nur SME übrig geblieben, von den vorgenannten vier Fixpunkten keiner. Der erste Entwurf von Thun ist Geschichte, für die Jodbäder baut die Gemeinde ein eigenes Haus. Und SME bekommt das 18 000 Quadratemeter große Sahne-Grundstück für sieben Millionen Euro. Das Geld ist wohl schon angewiesen.

Dass der Preis ausgesprochen günstig ist, steht außer Frage. Er resultiert aus einem Wertgutachten, das nicht mehr aktuell ist. Demnach ist der Quadratmeter für 380 Euro zu haben. Das Gelände, auf dem die Wandelhalle steht, kostet pro Quadratmeter 100 Euro.

Zu diesen Konditionen, macht Gores klar, hätte der Medical Park auch gerne gekauft. Aber die Gemeinde habe leider keine neuen Gespräche mit dem Medical Park geführt. Dafür holte sich das Unternehmen im Sommer 2017 eine schmerzhafte Abfuhr. Der Medical Park wollte das Gelände der ehemaligen Direktorenvilla kaufen, um die Klinik Am Kirschbaumhügel erweitern zu können. Der Gemeinderat winkte ab.

Gores würde den Gesprächsfaden trotzdem gerne aufnehmen. Wenn SME nicht umsetzt: Der Medical Park hat ein Konzept parat. Für die Realisierung eines Klinikbaus auf dem Jodbad-Gelände hätte das Unternehmen die nötigen Mittel, versichert Gores. Auch bei den Abbruchkosten würde der Medical Park die Gemeinde nicht allein lassen.

Unterdessen sieht Bürgermeister Peter Höß keinen Anlass, an Finanzkraft und Können von SME zu zweifeln. Von der fachlichen Kompetenz habe er sich überzeugt, eine Praxis im Innsbruck selbst besucht: „Wir haben eine Reihe von Rückfragen getätigt.“ Was die Kritik an den Konditionen für SME angeht: Manches habe sich halt im Lauf der Verhandlungen verändert. Er schätze den Medical Park sehr, versichert Höß. Aber das Gelände um die Direktorenvilla wolle die Gemeinde selbst behalten. Im Übrigen sei der Medical Park schon sehr stark in Bad Wiessee. Wenn ein anderes Unternehmen komme, schade das nicht, findet Höß: „Konkurrenz belebt das Geschäft.“

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