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Um Entschädigung kämpft Josef Lederer. Drei Millionen Euro will er einklagen.

Antrag auf Prozesskostenhilfe abgelehnt

Millionenklage:  Lederer kämpft trotz Abfuhr weiter 

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Bad Wiessee - Josef Lederer will drei Millionen Euro Entschädigung von der Gemeinde Bad Wiessee und der Kreissparkasse einklagen. Sein Antrag auf Prozesskostenhilfe wurde  abgelehnt.

Der Hotelier Josef Lederer (77) sieht sich von der Gemeinde Bad Wiessee und der Kreissparkasse um seinen Besitz gebracht. Drei Millionen Euro Entschädigung will er einklagen. Das Landgericht München I hat seinen Antrag auf Prozesskostenhilfe jedoch abgelehnt. Trotzdem gibt Lederer nicht auf. 

„Für mich ist das noch nicht endgültig“, sagt Josef Lederer. Er war schon etwas enttäuscht, als ihn vor Kurzem der Bescheid des Landgerichts München I erreichte. Der Antrag auf Prozesskostenhilfe für die Entschädigungsklage sei abgelehnt, hieß es da. Was Lederer zuversichtlich stimmt, ist die Begründung. „Es hieß, die Sache ist verjährt“, berichtet Lederer. Das aber sei schlichtweg falsch, behauptet er: „Wir haben alle Fristen eingehalten.“ Das könne er belegen. Und vielleicht befasse sich das Gericht dann endlich doch mit dieser Ungerechtigkeit, die nach Auffassung Lederers zum Himmel schreit. Dieser Verschwörung, als deren Opfer er sich sieht. „Ich werde das noch einmal einreichen“, kündigt Lederer an.

Der frühere Eigentümer des Hotels am See verlangt drei Millionen Euro von der Gemeinde Bad Wiessee und der Kreissparkasse Miesbach-Tegernsee. Das ist die Differenz zwischen den 6,2 Millionen Euro, die Lederer für sein Hotel bekommen hat und der Summe, die er seiner Meinung nach hätte erzielen können: 9,2 Millionen Euro. Die Gemeinde und das Geldinstitut hätten sich zusammengetan, um seinen Besitz möglichst günstig dem Tegernseer Unternehmer Thomas Strüngmann zuzuspielen, glaubt der 77-Jährige. 

Er selbst ist zur tragischen Figur geworden. Ein Mann, der alles verloren hat. Lederer lebt noch immer in einem Nebengebäude des einst so noblen Hotels, das 1934 noch unter dem Namen Hanselbauer in die Geschichte einging. Damals ließ Adolf Hitler den dort urlaubenden SA-Führer Ernst Röhm verhaften und wenig später erschießen. 1936 übernahm der Vater von Josef Lederer das Hotel und gab ihm seinen Familiennamen. 1967 trat der heute 77-Jährige das Erbe seines Vaters an. Auf gute Zeiten folgte ein langsamer Niedergang. Viele Streitigkeiten mit der Gemeinde, Zahlungsprobleme. Im November 2006 strengte der damalige Bürgermeister Herbert Fischhaber mit der Gläubigerbank ein Zwangsversteigerungsverfahren an, weil Grundstückslasten nicht bezahlt wurden. 2007 musste Lederer seinen Betrieb verpachten, 2009 gingen im Hotel die Lichter aus. Neuer Eigentümer wurde 2011 die Grünwalder Firma RDR, im Dezember 2015 endlich erwarb Strüngmann das Areal für seine vier Kinder. Jetzt ist dort Großes geplant. Strüngmann, dem auch das Spielbankgrundstück gehört, plant unter anderem ein Luxushotel. Das alte Lederer, inzwischen ziemlich marode, wird abgerissen. 

„Damit muss ich mich abfinden“, sagt Lederer. Lange hatte er gehofft, dass Denkmalschützer den Abriss verhindern. „Aber die tun nichts“, meint der 77-Jährige. Für ihn bedeutet der Abriss des Lederer auch, dass er eine neue Wohnung braucht. Geld hat er nicht mehr. Den Prozess um die Millionen-Entschädigung kann der frühere Hotelbesitzer aus eigenen Mitteln nicht führen. Darum bedeutet die Ablehnung seines Antrags auf Prozesskostenhilfe eigentlich das Aus. Von den Vertretern der Gemeinde und der Kreissparkasse hat Lederer schon lange nichts mehr gehört. Ihre Haltung hatten beide bereits 2015 deutlich gemacht.

 Damals hoffte Lederer noch, auf gütlichem Wege eine Entschädigung zu bekommen. Doch darauf bestand keine Aussicht. „Die Vorwürfe sind völlig aus der Luft gegriffen“, versicherte Bürgermeister Peter Höß auf Nachfrage. Und auch Rechtsanwalt Dirk Thelemann, der die Kreissparkasse in Sachen Lederer vertritt, fand deutliche Worte: „Das Ganze beruht auf inhaltslosen Behauptungen.“

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