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Aus seiner Autobiografie zitierte Miro Nemec für die Besucher. Er machte aber auch Musik und sang.

Lesung aus seiner Autobiographie

Miro Nemec zeigt in Wiessee seine vielen Talente

Bad Wiessee - Eigentlich kennt man ihn als Tatort-Kommissar Batic: Miro Nemec hat aber noch viel mehr Facetten. In der Winners Lounge gewährt er den Besuchern ganz persönliche Einblicke in sein Leben.

Miroslav Jugoslav – so heißt die Autobiografie von Miro Nemec. „Nemetz“ wird der Name ausgesprochen, wie das Publikum gleich zu Beginn in der vollbesetzten Winners Lounge in Bad Wiessee erfährt. „So wie ,nehmet Se Platz bitte‘“, erklärt der Schauspieler. Es ist ein Satz, mit dem seine Lehrerin ihn zur Schulzeit oft aus dem Schulschlaf riss, weil er sich bei jedem „nehmet’s die Hefte raus“, „nehmet’s die Kreide“ und so weiter angesprochen fühlte.

Der Name wird eben nicht wie der Batic (sprich: Batitsch) am Ende ausgesprochen. So heißt Nemec in der Rolle des bekannten Kommissars im Münchner Tatort. Freilich weiß man, dass die Kunstfigur das eine und der Schauspieler das andere ist. Doch die Tatortrolle ist schon ziemlich übermächtig. Genau deshalb ist der literarisch-autobiografisch-musikalische Abend mit Miro Nemec nicht nur nett, sondern macht jede Menge Spaß. Denn das Publikum kann entdecken, welche Bandbreite an Talenten sich hinter dem bekannten Fernsehgesicht versteckt.

Zum Teil erzählt er, zum Teil liest der Schauspieler aus seiner Biografie. Geboren 1954 in Zagreb, beginnt sein Leben in ziemlich ärmlichen Verhältnissen im Ex-Jugoslawien. Der Vater ist ein kleiner Bankangestellter mit österreichischen Wurzeln, die Mutter kommt von der Insel Krk. Nemec schildert seine Eltern liebevoll und mit Humor: „Mein Vater war immer lustig – selbst, als er im Alter an Demenz erkrankte.“ Einmal brachte ihn die Polizei mit den Worten nach Hause, er habe nicht gewusst, wo er wohnt. Darauf der Vater: „Macht doch nichts, Sie wussten ja auch nicht, wo ich wohne!“ Nemec’ Mutter sprach zwar recht gut Deutsch, doch mit dem korrekten Plural haperte es. „Miro schau“, sagte sie einmal bei einem Besuch in Köln, „die Katze liebt Vögeln.“ Die Mama war aber auch diejenige, die den Wunsch des Sohnes, Schauspieler zu werden, unterstützte. „Ja, Miro, mach das, Dein Vater hat auch immer wenig Geld verdient.“

Die Jugend verbrachte Nemec nach der Scheidung der Eltern in Freilassing bei Verwandten, dann wieder in Zagreb, dann wieder in Freilassing. Halbjahresweise mal in dem einen Land, mal in dem anderen. Er studierte am Mozarteum in Salzburg Musik, wechselte dann an die Schauspielschule nach Zürich – mehr aus Zufall. Denn seine damalige Freundin wollte dorthin und er begleitete sie. Mal hier, mal dort leben: Es ist der typische Konflikt der ersten Migranten, der den jungen Miro zerreißt.

Manchmal geraten die Witze an diesem Abend etwas zotig, manchmal etwas sehr ausgeklügelt. Nemec hält sich genauestens an seinen eigenen Ablaufplan. Spaß macht das schon, lässt aber die Zeit nicht vergessen. Das geschieht, wenn er zur Gitarre greift oder ans Klavier geht: Dann spielt er Rock, Klassik, Literatur-Vertonungen oder Wiener Lieder. Dazwischen singt er – auf Kroatisch – Lieder und Volksweisen, Lieder von der Sehnsucht nach dem Meer, Lieder von der Sehnsucht nach daheim. Wo immer das auch sein mag. In einer der vielen Tatort-Folgen blehrt Batic eine Verdächtige einmal, es gebe seit der Auflösung Jugoslawiens keine Jugos mehr. Ihre Antwort im Film: „Also, mia haben schon no welche da bei uns!“. Gott sei Dank!

Von Sonja Still

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