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Ist die Mittagsruhe noch zeitgemäß? Bayerische Gemeinde will Regelung kippen

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Von: Gabi Werner

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Störende Bauarbeiten sind laut Verordnung in Bad Wiessee vor 8 Uhr und zwischen 13 und 14 Uhr nicht erlaubt. Die Mittagsruhe halten viele für nicht mehr zeitgemäß.
Störende Bauarbeiten sind laut Verordnung in Bad Wiessee vor 8 Uhr und zwischen 13 und 14 Uhr nicht erlaubt. Die Mittagsruhe halten viele für nicht mehr zeitgemäß. © Archiv thomas Plettenberg

Die in Bad Wiessee verankerte Mittagsruhe ist in den Augen vieler nicht mehr zeitgemäß. Sogar die Gemeinde wünscht sich eine Änderung.

Bad Wiessee – Im Jahr 2016 hat der Gemeinderat das Thema Lärmschutz zuletzt neu geregelt. Seither gibt es in Bad Wiessee neben einer Hausarbeits- und Musiklärmverordnung auch eine sogenannte Baulärmverordnung. In beiden sind die jeweiligen Ruhezeiten von Montag bis Samstag klar festgelegt. Vor 8 und nach 19 Uhr sind demnach keine lärmenden Arbeiten erlaubt. Auch eine Mittagsruhe – vielen älteren Einheimischen noch als „Kurruhe“ ein Begriff – ist in beiden Verordnungen enthalten: Baulärm ist demnach von 13 bis 14 Uhr untersagt, ruhestörende Arbeiten rund um Haus und Garten sogar von 13 bis 15 Uhr.

Während manche auf die Einhaltung der mittäglichen Ruhe pochen, halten sie andere für ein Auslaufmodell – so viel wurde schon bei der jüngsten Bürgerversammlung deutlich. „Die Kur-Ruhe passt nicht mehr“, hatte Hans Stoib, Vermieter von Ferienwohnungen, damals moniert. Die meisten Gäste seien um die Mittagszeit ohnehin auf Achse, bräuchten die verordnete Stille also nicht.

„Kur-Ruhe“ nicht mehr zeitgemäß – Unverzichtbar hingegen: Ruhe vor 8 Uhr

Birgit Trinkl, Zweite Bürgermeisterin von Bad Wiessee und von Beruf ebenfalls Gastgeberin, kann das nur bestätigen. Die Mittagsruhe stamme noch aus den Zeiten, als die Gäste müde von ihren Kuren in die Unterkünfte zurückgekehrt seien. Heute hingegen seien die Gäste tagsüber unterwegs und kämen meist nicht vor 16 oder 17 Uhr zurück in die Unterkunft. Erst dann würden die Urlauber gerne ruhige Minuten im Garten oder auf dem Balkon genießen – dann müsse sie aber vielleicht notgedrungen den Rasen mähen. Die Mittagsruhe ist für Trinkl deshalb „aus der Zeit gefallen“.

Sehr viel wichtiger sind in ihren Augen die Regelungen für den frühen Morgen. Dass vor 8 Uhr der Betrieb auf den Baustellen nicht starten darf, hält Trinkl für unverzichtbar.

Ganz ähnlich sieht das ihr Kollege Daniel Strillinger vom Steinbrecherhof, zugleich Vorsitzender des Wiesseer Kur- und Verkehrsvereins. Dass der Baulärm erst ab 8 Uhr losgehen darf, sei für ihn, aber auch für die anderen im Verein organisierten Betriebe enorm wichtig, sagt Strillinger auf Nachfrage unserer Zeitung. Dies hätten Diskussionen zu dem Thema gezeigt. Sobald die Bagger bereits um 7 Uhr loslegten, gebe es Beschwerden. „Und wir haben ja nicht nur Gäste, sondern auch Schichtarbeiter im Ort“, betont Strillinger. Auch die hätten ein Recht auf die morgendliche Ruhe.

Gemeinderat könnte sich damit beschäftigen

Im Rathaus ist die allgemeine Haltung der Wiesseer zu dem Thema längst angekommen. Die Mittagsruhe, sagt Geschäftsleiter Hilmar Danzinger, genieße bei Weitem nicht mehr den Stellenwert, wie es noch vor einigen Jahrzehnten der Fall gewesen sei. Dagegen werde die Einhaltung der 8-Uhr-Lärmgrenze zunehmend wichtiger. Vor allem für Bautätigkeiten ist laut Danzinger festzustellen: „Fällt die Mittagsruhe weg, ist die Baustelle – zum Vorteil aller Anlieger – schneller fertig.“ Auch dass es zwei unterschiedliche Verordnungen mit unterschiedlichen Regelungen gibt, hält man aus Sicht der Verwaltung für wenig zweckmäßig: „Lärm ist Lärm.“ Es könnte daher sinnvoll sein, beide Regelwerke in einer einzigen „Immissionsschutz-Verordnung“ zusammenzufassen.

Änderungen, die Bürgermeister Robert Kühn (SPD) ebenfalls begrüßen würde. „Ich halte die Mittagsruhe für überholt“, sagt auch er. Bleiben sollte aber auch seiner Ansicht nach die 8-Uhr-Regelung. „Die ist dringend notwendig“, findet der Rathauschef. „Schließlich sind wir ein touristischer Ort, wo die Leute auch mal ausschlafen wollen.“

Das Thema, schon in der Vergangenheit in Bad Wiessee heftig umstritten, könnte also schon bald im Gemeinderat auf den Tisch kommen. 2016 wurde es vor allem deshalb neu behandelt, weil damals die Aussicht auf zahlreiche Baustellen bestand. Bekanntlich ist das heute umso mehr der Fall. gab

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