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Dürnbacher Vorsilvesterparty: „Bewerten potenzielle Anschlagsziele neu.“

„Silvesterpartys sind weiche Ziele“ - Trotzdem sollte man hingehen

Nach Berlin: So reagiert die Polizei im Landkreis Miesbach

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Ein Lkw rast ungebremst in die Besuchermenge eines Berliner Weihnachtsmarkts. Darunter leidet auch unser Sicherheitsgefühl. Die Polizeien im Landkreis Miesbach haben darauf überraschend gute Antworten. 

Es kann wohl keiner von der Hand weisen. Wenn wir in einer Woche auf die Dürnbacher Vorsilvesterparty, die Schlierseer Wintersonnwendfeier oder die Holzkirchner Silvesterparty gehen, wird unser Sicherheitsgefühl ein anderes sein als noch vor einem Jahr. Genauso beim gemeinsamen Glühwein auf unseren Plätzen. Und bei jeder anderen Großveranstaltung. Schuld ist nicht zuletzt der Anschlag in Berlin am Montagabend. 

Aber die Menschen im Landkreis sind in ihrem Unbehagen nicht alleine. Auch die Polizeien im Landkreis sind sich der Situation bewusst. Und jede Dienststelle wird auf die Bedrohungslage - sei sie nun gefühlt oder real - reagieren. Auch das Präsidium in Rosenheim hat als Reaktion auf Berlin bereits neue Maßnahmen angekündigt. 

So sollen an den Eingängen von Märkten oder Großveranstaltungen an Silvester verstärkt Beamte in Schutzausstattung, teils sogar mit Maschinenpistolen bewaffnet, postiert werden. Weiter sind stichprobenartige Taschenkontrollen geplant.

Erhöhte Gefährdungslage nicht neu

„Man muss auch an die Veranstalter und Musiker denken. Sollen die sich umsonst die ganze Arbeit gemacht haben?“ - Hörfurter zur Dürnbacher Vorsilvesterparty.

Allerdings: Von einer „abstrakten erhöhten Gefährdung“ wird schon seit den Anschlägen beispielsweise in Paris und Nizza ausgegangen. Schon seitdem läuft auf Großveranstaltungen im Landkreis vieles anders. Konkret gibt es einfach mehr Polizei an den jeweiligen Eingängen, und auch mehr Beamte, die zu Fuß unterwegs sind. Und daran wird sich auch in Zukunft nichts ändern, wie unser Gespräch mit den drei Polizeiinspektionen im Landkreis zeigt.

Dürnbacher Vorsilvesterparty - da ist immer der Teufel los

„Seit Paris und Nizza beurteilen wir potenzielle Anschlagsziele neu“, bestätigt Roman Hörfurter, Vize-Chef der Wiesseer Polizei. Gemeint sind die so genannten weichen Ziele. „Das sind alle Veranstaltungen unter freiem Himmel, bei denen die Zahl der Teilnehmer nicht absehbar ist“, erklärt Hörfurter. Genauso werde man sich die Dürnbacher Vorsilvesterparty - auf der bekanntlich jedes Jahr der Teufel los ist - nochmals genau ansehen. Es wird vermehrt Fußstreifen geben. 

Lesen Sie auch: „Trotzdem feiern“ - So reagiert die Dürnbacher Feuerwehr auf Berlin.

Ein Schwerpunkt: die Mordweihnacht

Ein anderes großes Thema wird die Mordweihnacht in Waakirchen sein. Dort treffen sich jährlich Gebirgsschützen und hohe Politiker, um am Waakirchner Löwendenkmal der Sendlinger Mordweihnacht zu gedenken. „Wir wissen noch nicht, wer kommen wird“, sagt Hörfurther. „Unser Sicherheitskonzept steht und wird gegebenenfalls angepasst.“ 

Der Miesbacher Vize-Chef Reinhard Schuster ergänzt: „Wir führen bei jeder Veranstaltung eine Lagebewertung durch.“ Meist komme man auf ganz unterschiedliche Maßnahmen - je nach Charakter der Veranstaltung. Beim Wasmeier-Markt in Neuhaus lag der Schwerpunkt zum Beispiel bei der Verkehrssicherung. „Unsere Priorität dort war, die Rettungswege freizuhalten.“ 

Holzkirchner Silvesterparty: „Es gäbe eine Reihe von Maßnahmen.“

„Noch ganzes Band an Maßnahmen möglich“: Holzkirchner Silvesterparty.

In Hinblick auf die Holzkirchner Silvesterparty „gäbe es sicher ein ganzes Band an Maßnahmen, die wir noch treffen könnten“, sagt Bettina Asanger, die Vize-Chefin der Holzkirchner Polizei. Zum Beispiel könnte man die Absperrungen massiv verstärken. Mehr Beamte könnten in Zivil und in Uniform zu Fuß unterwegs sein. Die Veranstalter haben ihr Sicherheitskonzept tatsächlich bereits drastisch verschärft - und das nicht nur wegen Berlin. „Nur kann und sollte diese Maßnahmen nicht eine Dienststelle alleine treffen. Das müssen wir alle gemeinsam machen.“ Alle drei Inspektionen warten deshalb auch die Innenministerkonferenz am Dienstag ab und schauen dann, was das Präsidium in Rosenheim sagt. „Eine Großlagenbeurteilung steht mir nicht zu“, sagt Schuster. 

Hundertprozentige Sicherheit gibt es nicht

Einer Sache müsse sich die Bevölkerung allerdings immer bewusst sein, stellt der Miesbacher Vize gleichzeitig klar: „Hunderprozentige Sicherheit gibt es nicht. Es gibt so viele Feste und Veranstaltungen zur Zeit. So viele weiche Ziele. Das können wir gar nicht abdecken.“ 

Gar nicht mehr rausgehen? Auf keinen Fall

So genannte „weiche Ziele“: Schlierseer Wintersonnwendfeier.

Also am besten gar nicht mehr vor die Tür gehen? Auf keinen Fall, betont vor allem Roman Hörfurter aus Wiessee. „Sich einfach Zuhause einschließen ist sicher der falsche Weg. Da arbeiten sich die Leute selber auf.“ Hörfurter rät vielmehr, sich aktiv mit dem eigenen Gefühl auseinanderzusetzen - und: darüber zu reden. „Wenn ich mir überlege, ob ich jetzt heute Abend noch auf den Christkindlmarkt gehen soll, hilft es viel, einfach mal bei den Nachbarn, Freunden und der Familie zu fragen.“ 

Lesen Sie auch: So reagieren die Veranstalter der Schlierseer Wintersonnwendfeier auf Berlin.

Sehr schnell werde man dann feststellen: Viele gehen hin. Trotzdem. „Wenn ich mir unsicher bin, kann ich ja auch sagen: Ich stelle mich dahin, wo man mit dem Auto gar nicht hinkommt.“ Hörfurter appelliert dabei an die bayerische Gelassenheit: „Leben und leben lassen. Gelassen und tolerant sein.“ Denen gegenüber, die vielleicht sehr panisch reagieren, und denen gegenüber, die jede Unsicherheit sofort als Schwäche abtun.

Keine Angst vor der 110

Auch im Hinblick auf die Fehlalarme im Sommer. Viele werden sich an die Bombendrohung am Schlierseer Seefest erinnern, die eine ungute Stimmung bei den Besuchern auslöste. „Das ist immer auch eine ungute Situation für uns“, sagt Schuster. Natürlich habe man Experten, die jede Drohung, jede Meldung genau prüften, wie hoch die Gefahr wirklich ist. Aber am Ende heißt es immer: Da hättet ihr euch auch vorher mal informieren können, dass nichts war.

Ein weiteres Beispiel ist der Bombenalarm in Rottach-Egern. Aber auch wenn sich das verdächtige Päckchen als völlig harmlos herausgestellt hat, stellt Hörfurter klar: „Wenn Ihnen etwas verdächtig vorkommt, im Zweifelsfall immer die 110 wählen.“ Da komme dann auch nicht gleich die Kavallerie. „Sondern eine Streife schaut sich die Sache an und beurteilt die Situation vor Ort.“ 

Und sonst? „Nerven bewahren“, sagt Asanger aus Holzkirchen. „Nichts anderes tun wir auch.“

kmm

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