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Viele Stühle im Sitzungssaal des Wiesseer Rathauses werden 2020 neu zu besetzen sein. Zudem wächst das Gremium auf 21 Mitglieder, inklusive Bürgermeister, an. 

Bislang hat sich noch kein Bürgermeisterkandidat offiziell erklärt

Kommunalwahl 2020: In Bad Wiessee stehen die Zeichen auf Neuanfang

  • Gabi Werner
    vonGabi Werner
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Bad Wiessee gehört zu jenen Gemeinden, in denen bei der Kommunalwahl 2020 die Zeichen auf Neuanfang stehen: Bürgermeister Peter Höß kann aus Altersgründen nicht mehr kandidieren. Auf den Chefsessel schielen mehrere Kandidaten.

Bad Wiessee – Das Jahr 2020 könnte für Bad Wiessee zum Jahr des Umbruchs werden. Nicht nur, dass ein neuer Bürgermeister Einzug halten wird im Rathaus, auch im Gemeinderat steht ein Generationswechsel an. Einige altgediente und langjährige Mitglieder des Gremiums werden dem Vernehmen nach nicht mehr zur Wahl antreten. Zudem legt der Gemeinderat wegen der gestiegenen Einwohnerzahl voraussichtlich um vier weitere Sitze zu. Es braucht also einen ganzen Schwung neuer Kandidaten, die sich um ein Mandat in Bad Wiessee bemühen.

Kein leichtes Unterfangen, glaubt Birgit Trinkl, Sprecherin des Wiesseer Blocks. „Es ist schwierig, an Leute heran zu kommen, die sich kommunalpolitisch engagieren möchten – das ist keine gmahde Wiesn“, sagt sie. Auch was das Bürgermeister-Amt anbelangt, hat sich bei der FWG noch kein Kandidaten-Name manifestiert. „Ich gehe stark davon aus, dass wir jemanden ins Rennen schicken werden“, meint Trinkl. Um Namen zu nennen, sei es aber zu früh. „Ich denke, dass wir in zwei bis drei Monaten Klarheit haben werden.“ Für sich selbst schließt Trinkl eine Kandidatur inzwischen definitiv aus. „Ich habe andere berufliche Prioritäten“, sagt sie.

Robert Huber (SPD) schließt eine Kandidatur nicht völlig aus.

Während beim Wiesseer Block die Suche also längst nicht abgeschlossen ist, wird in den Reihen der CSU bereits ein heißer Kandidat für die Höß-Nachfolge gehandelt. Der 40-jährige Florian Sareiter, CSU-Ortsvorsitzender und seit 2014 auch im Gemeinderat vertreten, wird sich wohl um den Chefsessel bewerben. „Das ist eine durchaus reizvolle Aufgabe“, erklärt Sareiter, ohne sich ein konkretes Ja entlocken zu lassen. Vielmehr verweist er auf die Jahreshauptversammlung der CSU am 25. März, bei der auch Vorstandswahlen anstehen und vermutlich der Kandidaten-Name offiziell genannt wird. So viel sagt Sareiter aber dann doch: „Ich bin mir der Verantwortung meiner Position als Ortsvorsitzender sehr bewusst.“

Spannend wird die Kandidaten-Frage bei der SPD. „Wir sind eine kleine Gruppierung, aber in der komfortablen Situation, aus mehreren Kandidaten auswählen zu können“, berichtet Ortsvorsitzender Robert Kühn. Macht’s der 36-Jährige, der zuletzt (erfolglos) als Landtagskandidat im Tölzer Nachbar-Stimmkreis angetreten war, vielleicht selbst? Der Gedanke sei ihm nicht fremd, räumt er ein. „Prinzipiell kann ich mir alles vorstellen.“

Nicht mehr ganz abwegig ist der Gedanke auch für einen anderen namhaften SPD-Vertreter. Vize-Bürgermeister Robert Huber (59), der die Amtsgeschäfte im Wiesseer Rathaus seit der Erkrankung von Bürgermeister Peter Höß im Sommer 2018 führt, sagt: „Ich möchte nicht den Schulz-Fehler machen und eine Kandidatur kategorisch ausschließen.“ Seine Lebensplanung sei zwar eine andere gewesen, aber es würden sich eben auch neue Perspektiven ergeben. Dennoch hoffe er, so Huber, „dass sich andere bereit erklären, als Kandidat anzutreten“. Noch sei alles offen. Die Tatsache, dass er nun schon so lange Regie im Rathaus führt, könnte Huber allerdings zugute kommen: „Ich bin natürlich nur Interims-Bürgermeister, aber kein Höß-Duplikat“, betont er. Er habe seinen eigenen Kopf und müsse auch eigene Entscheidungen treffen.

Florian Sareiter (CSU) fände das Bürgermeisteramt durchaus reizvoll.

Bleibt die Gruppierung ranBW, die derzeit mit zwei Mandatsträgern im Wiesseer Gemeinderat vertreten ist. Rolf Neresheimer hatte die Gruppierung erst kurz vor der Kommunalwahl 2014 gegründet und war damals kurzfristig gegen Peter Höß als Bürgermeister-Kandidat angetreten. Mit beachtlichem Erfolg: Neresheimer holte über 40 Prozent der Stimmen. Seine Ambitionen, auch 2020 wieder in den Ring zu steigen, sind allerdings gering. „Für mich persönlich ist es derzeit nicht anstrebenswert, Bürgermeister zu werden“, sagt er. Dennoch kündigte Neresheimer an, die Entwicklung vor den Wahlen genau zu beobachten. Einem geeigneten Kandidaten, der für die Aufgabe brenne und die nötige Unterstützung im Rücken habe, wolle er nicht im Wege stehen. Sollte sich allerdings herausstellen, dass die Kandidierenden viel Widerstand in der Bevölkerung auslösen, „dann reden wir noch mal“.

Insgesamt, so glaubt Neresheimer, werde es angesichts der verfahrenen Situation im Wiesseer Gremium sehr schwer werden, geeignete Kandidaten zu finden, die sich der Verantwortung als Gemeinderat stellen wollen. Die Debatten am Ratstisch laufen regelmäßig aus dem Ruder, die Fronten sind verhärtet. „Die Außenwirkung ist kümmerlich“, findet Neresheimer.

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Die Serie

Wie es ein Jahr vor den Kommunalwahlen in den einzelnen Kommunen aussieht, welche Herausforderer die Fraktionen ins Rennen schicken wollen und welche Namen gehandelt werden, beleuchten wir in dieser Serie.

Lesen Sie dazu auch unseren Auftaktbericht. Dort finden Sie weitere Links zum Thema Kommunalwahl 2020 in den übrigen Städten und Gemeinden.

Update 27. März 2019:

CSU-Ortschef Florian Sareiter kandidiert in Bad Wiessee

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