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Die Ringleitung des Nahwärmenetzes deckt einen großen Bereich des Kurviertels ab. Ob sie gebaut wird, hängt von der Bereitschaft der Großabnehmer ab.

Erste Gespräche stimmen optimistisch

Nahwärmenetz: Von den Großkunden hängt’s ab

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Der Schritt zum neuen Kurviertel kann ein Schritt zur Energiewende sein. Ob das Biomasseheizwerk Wirklichkeit werden kann, hängt von vier Großkunden ab. Erste Gespräche stimmen optimistisch.

Bad Wiessee„Jetzt bietet sich die Chance“, ist Wiessees Bürgermeister Peter Höß überzeugt. Vorgestellt hatte er die Idee bereits mit der Präsentation der Jodbad-Planung Mitte Mai. Wie berichtet, plant die Gemeinde ein Nahwärmenetz im Kurviertel. Die Gelegenheit ist da: Am 16. Oktober beginnt der Abriss des alten Jodbads, im ganzen Bereich bleibt kaum ein Stein auf dem anderen. Der richtige Zeitpunkt, um eine Ringleitung im Boden zu versenken. Allerdings reicht eine gute Öko-Bilanz nicht. Die Anlage muss sich auch wirtschaftlich rechnen. Ob dies möglich ist, hat das Miesbacher Ingenieurbüro EST im Auftrag der Gemeinde Bad Wiessee untersucht. Ergebnis: Ein mit Hackschnitzeln aus der Region betriebenes Heizwerk ließe sich realisieren – sofern vier Großkunden von Anfang an mit dabei sind.

Die sogenannten Schlüsselkunden, von deren Zusage alles abhängt, sind das Unternehmen Sports Medicine Excellence Group (SME) mit ihrem Luxushotel plus Medizinzentrum auf dem Jodbad-Gelände, die Familie Strüngmann mit ihrem Hotel plus fünf Wohn- und Geschäftshäusern an der Seepromenade, das Autohaus Kathan mit fünf Gebäuden und der gemeindliche Badepark.

An der Bereitschaft der Gemeinde besteht kein Zweifel, auch vom Autohaus gibt’s positive Signale. Bleiben die beiden Hotel-Investoren. Den zeitlichen Takt gibt SME vor: Das Schweizer Unternehmen beginnt schon am 16. Oktober mit den Abrissarbeiten auf dem Jodbadgelände, im Frühjahr 2018 startet der Neubau. Da bleibt nicht viel Luft, sich für oder gegen den Anschluss ans Nahwärmenetz zu entscheiden. „Bis zum Beginn des vierten Quartals 2017 müssen wir wissen, wo die Reise hingeht“, sagt Bürgermeister Höß.

Im Auftrag der Gemeinde Bad Wiessee hat Karl Schönbauer, Sprecher des Arbeitskreises Tegernseer Tal Energie und Klimaschutz (ATTEK), die Rolle des Koordinators übernommen. „Die Schlüsselkunden signalisierten in den bereits geführten Gesprächen großes Interesse an dem Projekt“, erklärt Schönbauer.

Nachhaltigkeit ist für die Investoren am Jodbad und an der Seepromenade ein wichtiger Punkt. Es geht aber auch ganz nüchtern ums Geld. Viele Kalkulationen sind nötig, was bei den zahlreichen Unbekannten nicht ganz einfach ist. „Die Preise für fossile Energien sind gerade im Keller“, merkt Schönbauer an. Dennoch ist er zuversichtlich: „Wir sind konkurrenzfähig.

Parallel läuft die Vorbereitung der öffentlichen Ausschreibung. Vergeben werden der Bau des Heizwerks und der Ringleitung. Sechs Millionen Euro dürfte die gesamte Anlage kosten. Auch den Betrieb wird die Gemeinde nicht selbst übernehmen.

Das Heizwerk selbst wird wohl neben dem Badepark entstehen. Ein sechs Meter hoher, 24 Meter langer und 16 Meter breiter Bau ist geplant. Feuchte Hackschnitzel, wie sie bei der Waldarbeit anfallen, dienen als Brennstoff. Dies bringe die Region dem Ziel, energieautark zu werden, ein Stück näher, meint Höß.

Entscheiden sich die Schlüsselkunden für den Anschluss, ist die wirtschaftliche Basis gesichert. Die Anlage wird gebaut – und alle Hausbesitzer, deren Eigentum im Bereich der Ringlinie liegt, haben die Chance, sich anzuschließen. Es geht um 95 bestehende Gebäude im Kurviertel, die andocken könnten. Das Interesse ist da, wie Rathauschef Höß berichtet. Schon nach der ersten Präsentation hätten auch Besitzer von umliegenden Gästehäusern erklärt, sie wollten gern dabei sein: „Viele brauchen ohnehin eine neue Heizung.“

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