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Eislaufen auf der überfrorenen Wiese - das geht in Wiessee so schnell nicht mehr.

"Damit geht ein Stück Heimatgeschichte verloren"

Warum der Wiesseer Natureisplatz für immer weg muss

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Bad Wiessee – Der Natureisplatz ist seit mehr als 90 Jahren ein beliebter Treffpunkt im Winter. Sein Ende macht nicht nur viele Wiesseer traurig. Die CSU fordert eine Alternative.

„Der Eisplatz an der Freihausstraße hat keine Zukunft.“ Mit dieser schlechten Nachricht überraschte Bürgermeister Peter Höß (Wiesseer Block) bei der Gemeinderatssitzung. Gleich mehrere Gründe seien dafür verantwortlich, sagte Höß. Zum einen seien es komplizierte Eigentumsverhältnisse, die der Wiesseer Bauamtsleiter Helmut Köckeis auf Nachfrage erklärt: Das 5000 Quadratmeter große Areal gehört mehreren Besitzern, mit denen die Gemeinde als Eisplatz-Betreiber stets Pachtverträge abgeschlossen hatte. Nun möchten die Erben eines inzwischen abgerissenen Hauses an der Freihausstraße 19 ein Dreifamilienhaus errichten, zudem wurde eine Voranfrage für ein weiteres Doppelhaus wurde im Bauausschuss bereits befürwortet – der Platz muss also weichen. 

Natureisplatz liegt auf Biotop

Wohl für immer eisfrei: Die Wiese des Wiesseer Natureisplatzes.

Im Zuge der Baugenehmigung für das Dreifamilienhaus, die inzwischen vom Landratsamt erteilt wurde, kam heraus, dass der Eisplatz teilweise in einem Biotop liegt. Und da wird’s schwierig - auch für einen Natur-Eisplatz wie den Wiesseer. Auch das Verschieben der drei Hütten wäre problematisch. Sie wurden von der Gemeinde vor knapp zehn Jahren auf deren Kosten errichtet. 

Eiswart Helmut König lagert darin seine Gerätschaften, Schlittschuhe konnten hier ausgeliehen werden, zum Umziehen und Aufwärmen waren die Hütten ideal. Flutlicht, ebenfalls von der Gemeinde installiert, sorgte bis 22 Uhr für Eisbetrieb.

Fläche wurde durch Bach gespeist

All das war natürlich nur möglich bei ausreichender Kälte. Zu Beginn des Winters, erklärt Thomas Holzapfel von der Gemeinde, habe der Eiswart immer damit begonnen, das Wasser des Heißenbachs, der oberhalb und unterhalb des Eisplatzes verrohrt Richtung See fließt, auf die Naturwiese zu leiten. Das Wasser gefror, und ab einer Eisdicke von 20 Zentimetern konnte der Eiswart mit dem Räumen beginnen. Nördlich sorgte ein Wall für eine Abgrenzung und dafür, dass das Wasser auch wirklich „stehen“ blieb. 

Im letzten Winter gab's kaum Eis

Das Eismachen war freilich nicht immer einfach. „Der Untergrund ist sumpfig und weich. Immer wieder musste der Jeep des Eiswarts vom Bauhof-Bagger herausgezogen werden, wenn’s zu warm war“, weiß Holzapfel. Im vergangenen Winter war das Vergnügen besonders kurz: „Nur acht bis zehn Mal gab’s überhaupt Eis“, sagte Höß in der Sitzung.

"Ein Stück Heimatgeschichte geht damit verloren"

Franz Grauvogl, Leiter der Sparte Eisstock beim SC Bad Wiessee, stimmt die Nachricht besonders traurig: „Ein Stück Heimatgeschichte geht damit verloren. Der Platz, auch als Hackamo-Weiher bekannt, war geselliger Treffpunkt für Jung und Alt.“ Ab Mittag tollten Kinder mit Schlittschuhen übers Eis, Gästen bot er eine willkommene Abwechslung. 

"Schwerer Verlust fürs Vereinsleben"

Vor allem für das Vereinsleben sei er wichtig. Neben ihrem Training in den Eishallen Miesbach und Bad Tölz trafen sich hier die 20 Aktiven mit allen, die Spaß am Eisstockschießen haben. Warme Winter habe es immer schon gegeben, sagt Grauvogl. Nur deshalb könne man den Platz doch nicht aufgeben. „Wenn’s ihn nicht mehr gibt, dann wäre das ein schwerer Verlust.“

Antrag der CSU: "schnellstmöglich alternative Standorte"

Das findet auch die CSU-Fraktion. Sie legt zur nächsten öffentlichen Sitzung einen Antrag vor: Die Verwaltung oder das Bauamt solle beauftragt werden „schnellstmöglich alternative Standorte für eine natürliche Eisfläche im Ortsgebiet zu begutachten, notwendige Verhandlungen mit Grundstückseigentümern zu führen sowie Machbarkeit und Kosten zu prüfen“. Sollte die Mehrheit dem Antrag zustimmen, solle die Ausführung noch in diesem Jahr erfolgen. Eislauf, Eisstockschießen und Eishockey seien Wintersportarten, die die Region auszeichnen und das Freizeitangebot abrunden, argumentiert Ortsvorsitzender und stellvertretender Sprecher Florian Sareiter.

gr

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