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Naturnah hat die Gemeinde Bad Wiessee die Bepflanzung des Lindenplatzes gestaltet. Doch manchem gefällt eine saisonal vom Gärtner gestaltete Blumenfülle, wie in Rottach-Egern und Tegernsee üblich, deutlich besser.

Naturnahe Bepflanzung am Wiesseer Lindenplatz erntet Kritik

Lieber wieder Tulpen und Narzissen?

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Ökologisch wertvoll und attraktiv sind für manchen zwei paar Stiefel. Die Bepflanzung am Lindenplatz in Bad Wiessee erntete nun Kritik, als der Gemeinderat über den Landschaftspflegeverband diskutierte.

Bad Wiessee– Kostbare Biotope gibt’s in Bad Wiessee sogar innerorts. Schon deshalb war der Beitritt zum Landschaftspflegeverband im Gemeinderat unumstritten. Von ihm erhofft man sich auch Tipps für die eigenen Flächen. Aber muss es selbst am Lindenplatz eine struppige Wiese sein? Mancher zweifelte.

In Bad Wiessee hatte Florian Busl leichtes Spiel. Sein Werben für den Beitritt zum geplanten Landschaftspflegeverband (wir berichteten) stieß auf offene Ohren. Bislang haben sich die Vertreter des Landratsamtes auch nur bei der Gemeinde Otterfing eine Abfuhr geholt. „Aber die haben ja auch brettlebene Flächen und gute Böden“, signalisierte Busl Verständnis. In Bad Wiessee hingegen sehe er in Sachen Landschaftspflege großen Bedarf. Die Gemeinde habe sogar „sakrisch schöne Biotope“ im Ortsbereich, was eine Seltenheit sei. „Das sind echte Juwelen.“

Das Landratsamt, als Untere Naturschutzbehörde zuständig, sei „heilfroh“ um jeden Landwirt, der schwierige Flächen selbst gut pflege, erklärte Busl. Aber zunehmend fehlten Landwirten Zeit und Arbeitskraft, sich um steile und nasse Gebiete zu kümmern. „Die ein oder andere Fläche fällt dann raus.“

Das erlebt auch Georg Erlacher, CSU-Gemeinderat und Landwirt. Er selbst habe „auch so ein paar schöne Flächen“ zu pflegen, was für ihn jedoch dazugehöre. Aber er wisse auch Wiesen, die schon lange nicht mehr gemäht wurden und deshalb verbuschen. Ob es dem Landschaftspflegeverband denn möglich sei, die betreffenden Besitzer zu überzeugen, dass dort wieder etwas gemacht werden muss?

„Das Prinzip ist Freiwilligkeit“, erwiderte Busl. Es gebe keine Pflegeverpflichtung. Der Verband suche die Kooperation mit dem Eigentümer. „Aber wenn er nicht mag, mag er nicht.“

Gegen die Mitgliedschaft im Pflegeverband stimmte nur Beate Meister (parteifrei). Sie fragte sich, warum denn Wiesen nicht verbuschen sollten. Dass Busl argumentierte, es gelte, den Schwund blühender Wiesen mit ihrer Artenvielfalt zu stoppen, überzeugte sie offenbar nicht.

Der großen Mehrheit des Gemeinderats liegen Blumenwiesen, die auch Insekten reichlich Nahrung geben, sehr am Herzen. Zur Sprache kam mit dem Landschaftspflegeverband auch ein schon im Frühjahr 2016 gestellter SPD-Antrag, ein Konzept für die Pflege der Flächen im Gemeindebesitz zu erstellen. Das Gremium hatte ihn befürwortet. Ein Konzept gibt es aber noch immer nicht, weshalb die SPD nachhakte. „Wir haben ja am Lindenplatz mit einer anderen Bepflanzung schon den ersten Stein gesetzt“, meinte Klaudia Martini (SPD).

Ein Punkt, an dem Erlacher einhakte. Auch er habe für die naturnahe Bepflanzung am Lindenplatz gestimmt, erinnerte er. Aber das sei ein Fehler gewesen. „Schön ist was anderes.“ Er plädiere dafür, den Beschluss zu überdenken und die Flächen an der Bundesstraße saisonal zu bepflanzen. Bürgermeister Peter Höß (FWG) bat um Geduld. Die Pflanzen bräuchten Zeit, sich zu entwickeln. „Wir wollen ein Bewusstsein für Blumenwiesen schaffen.“ Das sieht auch Jupp Brenner (FWG) so. Es sei „ganz toll“, mal etwas anderes auszuprobieren. Auch er werde oft auf die Bepflanzung am Lindenplatz angesprochen, berichtete Brenner: „Aber man muss der Natur wohl Zeit geben.“

Kurt Sareiter (CSU) warnte hingegen davor, viel Zeit verstreichen zu lassen. Er höre oft, wie schön im Vergleich doch die Bepflanzung im Rottacher Kurpark sei. Mit Rücksicht auf die Urlaubsgäste möge die Gemeinde doch wieder auf Tulpen, Osterglocken und Ähnliches zurückgreifen.

Ein Beschluss dazu fiel nicht. Aber man kam überein, sich vom Landschaftspflegeverband gleich nach dessen Gründung Rat zu holen – für ein Konzept, das alle gemeindlichen Flächen umfasst.

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