Unter dem derzeitigen Parkplatz am Defreggerweg will die Alpenpark-Klinik eine große Tiefgarage verwirklichen. Im Bauausschuss gab’s Bedenken wegen der Schnelligkeit des Verfahrens.
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Unter dem derzeitigen Parkplatz am Defreggerweg will die Alpenpark-Klinik eine große Tiefgarage verwirklichen. Im Bauausschuss gab’s Bedenken wegen der Schnelligkeit des Verfahrens.

Entscheidung im Bauausschuss Bad Wiessee

Neue Tiefgarage der Alpenpark-Klinik: Zustimmung unter Bauchschmerzen

  • Gabi Werner
    vonGabi Werner
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Die Alpenpark-Klinik am Tegernsee plant eine Tiefgarage von üppigen Ausmaßen. Dass die Gemeinde Bad Wiessee das Projekt im Schnellverfahren auf den Weg bringen soll, verursachte Bauchschmerzen.

Bad Wiessee – Einmal mehr schilderte der Wiesseer Bauamtsleiter Anton Bammer in der Sitzung des Bauausschusses die „Grenzsituation“: Während die eigentliche Klinik-Erweiterung auf Kreuther Gemeindegebiet stattfindet, liegen die Parkplätze jenseits des Defreggerwegs seit jeher auf Wiesseer Flur. Unter dem Gelände soll nun eine zweigeschossige Tiefgarage mit 120 Stellplätzen entstehen.

Bauamtsleiter: Tiefgarage bedeutet Entlastung für Gemeinde und Nachbarn

Bammer machte keinen Hehl daraus, dass es sich um eine „sehr umfangreiche“ Maßnahme handelt, nahezu das gesamte Grundstück wird ausgenutzt. Oberirdisch sollen rund 40 weitere Parkplätze sowie ein Unterstand für Fahrräder und bauliche Abgrenzungen geschaffen werden. „Der Parkplatz ist derzeit stark frequentiert“, machte Bammer deutlich. Mit der Tiefgarage und der Einfahrt, die gleich zu Beginn des Grundstücks geplant ist, werde der Klinik-Verkehr frühzeitig abgeleitet – eine Entlastung für Gemeinde und Nachbarn, so Bammer.

Schnelligkeit des Verfahrens bereitet Bauausschuss-Mitgliedern Sorge

Grundsätzlich ist man sowohl in Kreuth als auch in Bad Wiessee dem Modernisierungs-Projekt der Kirinus Alpenpark-Klinik wohlgesonnen. Der Wiesseer Gemeinderat hatte bereits vergangene Woche einmütig die Aufstellung eines Bebauungsplans für das Tiefgaragen-Grundstück abgesegnet. Dass nun – eine Woche später – der Bauausschuss bereits über den konkreten Bauantrag abstimmen sollte, bereitete einigen Mitgliedern aber gehörig Bauchschmerzen. Auch wenn Bauamtsleiter Bammer das Einvernehmen des Ausschusses an zwei Bedingungen koppelte: Zum einen müsse nach Prüfung des Landratsamtes die Genehmigungs-Fähigkeit des Projekts gegeben sein, zum anderen müsse die Planreife des Bebauungsplans vorliegen. Um Bedenken zu zerstreuen, hatte zudem die Klinik bereits einige Fachgutachten, etwa zu den Themen Boden, Schall und Verkehr, beigebracht.

Grünen-Gemeinderat spricht von einem „gigantischen Volumen“

Johannes von Miller (Grüne) überzeugte das alles nicht. „Ich fühle mich nicht wohl bei dieser schnellen Entscheidung“, sagte er. Vor allem das „gigantische Volumen“ der Tiefgarage bereite ihm Sorgen: Wo solle bei einer Grundstücks-Versiegelung von gut 90 Prozent das Oberflächenwasser hin? Vor einer Entscheidung wolle er wissen, was Wasserwirtschaftsamt und Naturschutzbehörde zu dem Thema sagen. Auch Bernd Kuntze-Fechner (SPD) fand, dass noch zu viele Dinge ungeklärt seien. „Ich hätte es begrüßt, wenn wir heute noch nicht hätten abstimmen müssen.“ Ähnlich äußerte sich SPD-Kollege Benedikt Dörder.

Am Ende gibt‘s breite Zustimmung für die neue Tiefgarage

Anders sah die Sache dagegen CSU-Sprecher Florian Sareiter. Er habe kein Problem damit, das Bebauungsplan- und Antragsverfahren parallel laufen zu lassen. Die gehörten Experten hätten bereits erklärt, dass die Tiefgarage machbar sei. Und letztlich obliege die Entscheidung ja ohnehin dem Landratsamt. Sareiter: „Ich glaube, dieses Projekt ist wunderbar vorbereitet.“

Am Ende ließen sich die meisten Zweifler überzeugen – auch aufgrund der Bedingungen, die der Bauamtsleiter im Beschluss-Vorschlag formuliert hatte. Mit 8:1 – einzig von Miller blieb bei seinem Nein – erteilte der Ausschuss dem Bauantrag das Einvernehmen.

Derzeit ist laut Klinik keine Überbauung der Tiefgarage geplant

Zuvor war Sareiter noch auf in der Öffentlichkeit geäußerte Mutmaßungen eingegangen, dass die Klinik das Grundstück nach Entstehung der Tiefgarage auch oberirdisch bebauen werde. Die Klinik habe erklärt, dass es dafür aktuell keine Planung gebe, berichtete Sareiter. Allerdings sei die Statik der Tiefgarage so angelegt, dass sie theoretisch überbaubar wäre, teilte der CSU-Gemeinderat mit. Bürgermeister Robert Kühn (SPD) bestätigte dies auf Nachfrage, betonte aber auch, dass Gemeinde und Behörden bei einer möglichen Bebauung des mit einem Bebauungsplan belegten Grundstücks ein gewichtiges Wort mitzureden hätten.

Lesen Sie hier: Ein Erbe, das verpflichtet: Klinik erweitert

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