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Neues Hallenbad in Bad Wiessee rückt in weitere Ferne

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Von: Gabi Werner

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Bürgermeister Robert Kühn geht bei seiner ersten Bürgerversammlung neue Wege
Bürgermeister Robert Kühn (SPD) stellte sich bei der Bürgerversammlung bewusst in die Mitte der Besucher und beantwortete Fragen. © Stefan Schweihofer

Die Wiesseer Bürgerversammlung geriet zu einer Fragestunde der Bürger. Die wohl wichtigste - wenn auch bittere - Botschaft des Abends: Das neue Hallenbad kann so wie geplant derzeit nicht realisiert werden.

Bad Wiessee – Die knallrote Bank mit dem Schild „Robert ratscht“, die normalerweise an der Seepromenade steht und auf der Bürgermeister Kühn regelmäßig Platz nimmt, um mit den Wiesseern ins Gespräch zu kommen, diente am Mittwochabend (29. Juni) als Blickfang im Postsaal. Und sie sollte wohl symbolisch dafür stehen, dass Kühn an diesem Abend keinen Monolog halten wollte, sondern in erster Linie die Bürger das Wort haben sollten – ein Austausch „auf Augenhöhe“, wie der Bürgermeister betonte. Vielleicht rund 150 Besucher, darunter viele Mitarbeiter des Rathauses und des Jodbads, nahmen die Gelegenheit wahr. Platz gehabt hätten einige mehr.

Robert Kühn ist überzeugt: Bad Wiessee ist fit für die Zukunft

Gewohnt quirlig forderte Kühn zum Mitmachen auf. Wer glaube, dass Bad Wiessee fit sei für die Zukunft, solle doch bitte die Hand heben. Noch etwas zögerlich reckten die ersten Besucher ihre Arme. Der Bürgermeister selbst gab sich selbstbewusst: Das Interesse von Investoren, die Schaffung von bezahlbarem Wohnraum, die gute Ortsgemeinschaft: Kühn sieht Bad Wiessee gewappnet.

Der alte Badepark in Bad Wiessee soll noch 2022 abgerissen werden
Seine Tage sind gezählt: Der alte Badepark soll demnächst abgerissen werden. © Thomas Plettenberg

Sodann kam die Fragestunde in Gang – und das von vielen erwartete Thema auf den Tisch: „Was ist mit unserem Hallenbad?“, wollte Herbert Martin, seit 25 Jahren Bürger Bad Wiessees, nebst anderer Fragen wissen. „Jetzt wird’s spannend“, meinte Kühn und nahm noch einen Schluck aus seinem Glas, ehe er zur Antwort ansetzte.

Baukosten und Energiekrise machen Umsetzung von neuem Hallenbad derzeit unmöglich

Die Gemeinde sei hier nicht stillgestanden, sondern habe viele Gespräche mit Betreibern und Bäderexperten geführt, beteuerte Kühn. Mit ernüchterndem Ergebnis. „Das Bad kann momentan nicht so realisiert werden, wie wir es geplant hatten“, räumte der Rathaus-Chef ein. Die Baukosten – die Rede war stets von 30 Millionen Euro – würden mittlerweile beim Doppelten liegen. „Und da wissen wir nicht, ob es reicht“, sagte Kühn. Was aber noch viel schlimmer sei: Angesichts der Energiekrise könne derzeit niemand verlässlich sagen, wie so ein Bad in Zukunft überhaupt beheizt werden könne.

Bürgermeister setzt auf die Unterstützung der anderen Tal-Kommunen

Endgültig gestorben sein soll das Projekt, für das sich die Wiesseer im September 2020 per Bürgerentscheid ausgesprochen hatten, aber offenbar nicht. „Wir brauchen wieder kommunales Schwimmen im Tegernseer Tal“, bekannte Kühn. „Dazu brauchen wir aber auch ein Wie und Wo und die kommunalen Partner rund um den Tegernsee“, machte er in Anspielung auf die anderen Gemeinden deutlich. „Wir alle wollen es in den nächsten Jahren ermöglichen, dass unsere Kinder wieder schwimmen können.“ Applaus im Postsaal. Der Abriss des alten Badeparks soll übrigens im dritten Quartal dieses Jahres beginnen.

Große Sorge wegen Schließung der Post: Wo sollen die Wiesseer Gäste hin?

Den einen großen Aufreger, mit dem man angesichts der vielen bevorstehenden Baustellen im Ort vielleicht hätte rechnen können, gab es an diesem Abend nicht. Wohl aber eine Nachfrage zu einem anderen Großprojekt, das die Gemeinde bislang hauptsächlich im geheimen Kämmerlein vorangetrieben hat. Fritz Niedermaier, früherer Gemeinderat, wollte wissen, wie genau die Sanierungspläne für den gemeindeeigenen Gasthof Zur Post aussehen und wie lange der Ort auf Wirtschaft und Veranstaltungssaal wird verzichten müssen. „Wenn da länger zu ist, wo sollen unsere Gäste dann zum Essen hingehen?“, formulierte Niedermaier seine große Sorge.

Gasthof bleibt bis Frühjahr 2024 komplett geschlossen

Kühn konnte hier keine Entwarnung geben. Im Gegenteil. Um die Post für die Zukunft und einen neuen Pächter fit zu machen, komme die Gemeinde um eine Generalsanierung nicht umhin. Voraussichtlich ab November 2022, wenn der derzeitige Wirt Kurt Geiß endgültig aufhört, bis zum Frühjahr 2024 werde die Post komplett geschlossen sein. „Das verlangt unserem Ort einiges ab – da hast Du recht“, wandte er sich an Niedermaier. Aber: „Lieber mach mas gscheit, ansonsten mach mas gar nicht.“ Sobald es handfeste Informationen zur Sanierung gebe, werde man damit auch an die Öffentlichkeit gehen, versprach Kühn.

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