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Junges Team für Hotel mit Geschichte: Maria Strillinger (l.), Michael Zachs, Regina Beil  übernehmen das Hotel Rex.

Generationswechsel

Neues Team übernimmt Hotel Rex: Die Königskinder übernehmen das Zepter

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Vor 100 Jahren genoss König Ferdinand von Bulgarien hier die Sommerfrische. Ihm zu Ehren taufte die Familie Beil ihr Hotel in „Rex“ um. Sie führt es mit Leidenschaft. Jetzt übernimmt die nächste Generation.

Bad Wiessee – Maria Beil verstand es, Atmosphäre zu schaffen. Ihre Gäste speisten mit Silberbesteck an fein gedeckten Tischen, stets aufmerksam umsorgt. Noch heute ist Maria im Speisesaal präsent. In Öl gemalt, wie ihr Mann Michael. Die beiden haben 1901 das Hotel an der Wiesseer Ortsdurchfahrt eröffnet, damals als Pension Beil. Das mit liebevoller Hand gestaltete Ambiente zog illustre Gäste an. Dreimal kam König Ferdinand von Bulgarien zur heilsamen Sommerfrische: von 1920 bis 1923. Er kurte im Jodschwefelbad und wohnte bei den Beils. Die tauften ihr Haus in Erinnerung an den royalen Besuch um und nannten es Rex: lateinisch für König.

Zuletzt hat Maria Beils Enkel Anton das Hotel Rex geführt. Als er ans Aufhören dachte, war auch Verkauf eine Überlegung. Doch die Familie entschied anders. Mit Maria Strillinger (33) und Regina Beil (29) übernehmen zwei Nichten von Anton Beil das Hotel mit seinen 56 Zimmern. Nicht allein: Mit Michael Zachs (36), der ein Hotel im Burgenland betreibt, ist ein erfahrener Gastronom an Bord. Er ist der Familie Beil herzlich verbunden und kennt das Tal seit seiner Kindheit: Seine Eltern führten von 1976 bis 1983 Gut Kaltenbrunn. Auch Strillingers Ehemann Daniel arbeitet künftig im Hotel mit.

Ein Verkauf wäre die einfachere Option gewesen. Zumal Maria Strillinger 2013 schon den elterlichen Steinbrecherhof übernommen hat, ein Gästehaus mit ebenfalls beeindruckender Geschichte. Das von den Urgroßeltern aufgebaute Hotel Rex aufzugeben, kam für sie trotzdem nicht in Frage. „Das wäre Verrat an den Vorfahren“, findet sie. Und ein unwiederbringlicher Verlust, wie ihre Schwester Regina meint: „So einen Besitz kriegt man nie zurück.“

Das junge Quartett kann auf einer soliden Basis aufbauen. Das Hotel, seit jeher nur von April bis Oktober geöffnet, lief stets gut. Das Rex ist Ziel zahlreicher Busreisen, die Kundschaft liebt das royale Flair, die mit bezaubernden Antiquitäten gestalteten Räume. Auch heute noch tafeln die Gäste mit dem Silberbesteck von einst, graviert mit dem Namen Maria Beil.

„Es ist ein Haus mit Seele“, sagt Michael Zachs. Und mit guter Bausubstanz. Der Brandschutz ist auf dem aktuellen Stand, größerer Renovierungsbedarf besteht nicht. Das junge Quartett will den besonderen Charme des Hauses erhalten und pflegen. „Das Haus hat Zukunft, weil es nicht standardisiert ist“, meint Zachs. Es ist auch nicht klassifiziert. Früher einmal trug es drei Sterne, später entschied der Betreiber, sich den immer strengeren Standards nicht zu unterwerfen. Dabei wird es bleiben.

„Aber wir möchten schon frischen Wind hineinbringen“, erklärt Strillinger. Mit dem Restaurant Ferdinand, das gerade im Erdgeschoss entsteht. Früher wurden im Rex nur Hausgäste mit Halbpension bekocht, das ändert sich mit Beginn der neuen Saison. Das Ferdinand, 70 Sitzplätze, werde „eine pfiffige kleine Karte“ mit saisonalen und regionalen Köstlichkeiten bieten, kündigt Zachs an. Dazu gehört ein großer Gastgarten – ebenfalls eine Neuerung. Der von alten Bäumen beschattete Außenbereich wurde bislang nur sporadisch genutzt. Künftig können die Gäste dort Kaffee und Kuchen genießen, wobei das junge Team auf die alten Stärken setzt: Der Kaffee kommt in Silberkännchen.

Aktuell ist das Hotel geschlossen, wie jeden Winter. Am 15. April öffnet es unter der neuen Führung. Auch in der Nachbarschaft dürfte es bald viel Neues geben: Auf dem Jodbad-Gelände ist ein Luxushotel mit Medizinzentrum geplant, auch an der Seepromenade ist eine Luxusherberge vorgesehen. Ein Plus für den ganzen Ort, auch für ihr Hotel, meinen die Betreiber des Rex. Ganz Bad Wiessee profitiere von der Zugkraft der edlen Häuser und der Werbung für sie. Man warte gespannt, auf das, was sich dort tun wird, sagt Strillinger: „Es herrscht Aufbruchstimmung.“

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