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Die rund 80 Sänger und Musiker des Palestrina Motettenchors und der Kantorei Tegernsee boten den Zuhörern in der Kirche St. Anton mit dem „Deutschen Requiem“ ein unvergessliches Erlebnis. 

Festkonzert im Rahmen der Tegernseer Woche

Palestrina Motettenchor beschert seinen Zuhörern tief bewegende Augenblicke

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Diese Darbietung war in jeder Hinsicht umwerfend: Das große Festkonzert des Palestrina Motettenchors im Rahmen der Tegernseer Woche geriet zu einem unvergesslichen Ereignis.

Bad Wiessee – Nicht zum ersten Mal hat Sebastian Schober, Tegernseer Kantor und Chorleiter des renommierten Palestrina Motettenchors, sein feines Gespür für den aktuellen Zeitgeist und seinen Mut unter Beweis gestellt: Schon mehrfach hat er das Tegernseer Tal mit großartigen Konzerterlebnissen unterschiedlichster Couleur beschenkt – vielfach auch im Rahmen der Tegernseer Woche.

Am Freitag, zum Tag der Deutschen Einheit, präsentierte Schober in der katholischen Kirche St. Anton in Bad Wiessee ein Requiem, das im Grunde kein Requiem im katholischen Sinne, sondern vielmehr ein Oratorium sein könnte – wenn es nicht auf dramatische Wendungen und Schnörkel verzichten würde.

Lesen Sie hier: Furioses Finale für Konzertreihe in der Kirche

Brahms „Ein deutsches Requiem“ kommt in sieben Sätzen unumwunden und direkt daher. Schon beim ersten Satz „Selig, die da Leid tragen“ öffnete der Chor nach den ersten tiefen und getragenen Takten des Orchesters den Klangkörper wie bei einem Sonnenaufgang strahlend nach oben und füllte den Kirchenraum unumstößlich und zweifellos mit dem Versprechen der Seligkeit. Wie in Wellen ergriff der Chor Besitz von den rund 400 Gästen und schloss den Satz derart erhebend, dass es schwer fiel, danach nicht direkt zu applaudieren. So sollte es nach jedem der sieben Sätze sein: Ein jeder rang den Zuhörern ein hohes Maß an Selbstdisziplin ab, damit die innere Spannung und Erwartung nicht durch Jubel vorzeitig gelöst wurde.

Im zweiten Satz „Denn alles Fleisch, es ist wie Gras“ konfrontierte der Chor die Zuhörer mit einer massiven Schallmauer, welche die Instrumente warm und leicht durchwirkten, bis sich die Musik in lichten Klängen auflöste. Unberührt blieb davon niemand.

Hier finden Sie den Bericht über das Krönungskonzert des Chores im Jahr 2016

In den weiteren Sätzen mit den Soli von Bariton Thomas Hamberger und Sopranistin Priska Eser umarmte der Klangkörper die Gäste tröstend, zog sie gleichsam in einen Strudel, wiegte sie sanft und trug sie kraftvoll wie ein Strom des Lebens zielgerichtet zum jubilierend-festlichen Ende des sechsten Satzes „Denn wir haben hie keine Statt“.

Selten auch, dass man Sebastian Schober derart emotional, ergriffen und stark involviert hat dirigieren sehen: Er zeichnete mit dem Dirigentenstab Bögen, Wellen und Wirbel, lockte, dämpfte und deutete mit der freien Hand, konnte jede Silbe der Verse mitsprechen, was von seinen Lippen abzulesen war, verkeilte sich regelrecht mit den Beinen auf dem Podest, um die die rund 80 Musiker und Sänger zu bewegen.

Es war eindeutig, dass das „Deutsche Requiem“, das man wegen seiner formalen und konfessionellen Ambivalenz so selten zu hören bekommt, eine ganz besondere Bedeutung für ihn haben muss, die er seinem Chor und Orchester offenkundig bravourös vermitteln konnte.

Statt eines tieftraurigen, untröstlichen Abgesangs spendet das Requiem Trost. Mehr noch: Es vermittelte das dem christlichen Glauben zugrunde liegende Urvertrauen in die Unsterblichkeit der Seele. Insbesondere im letzten Satz, der die Kirchenbesucher sanft, zart und fließend in schier sphärische Höhen trug. Das Wiesseer Publikum war so ergriffen und entrückt, dass es lange Augenblicke dauerte, bis es sich getraute, frenetisch zu applaudieren und endlich jene Spannung zu lösen. Das Konzert war ein neuerlicher Wegmarker des Chores, der – so viel sei schon heute verraten – nächstes Jahr einen großen Auftritt im Stephansdom in Wien haben wird.

ak

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