Trotz Hochwasser: Vater fährt mit zwei jungen Töchtern mit Schlauchboot auf Isar - es geht böse aus

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Konzertmeisterin Sventha Danneberg gehört seit 40 Jahren zum Wiesseer Kurorchester. Der Sparkurs der Gemeinde trifft sie hart. 

Umstrukturierung

Paukenschlag erschüttert Kurorchester: Verunsicherung bei den Musikern

  • Christina Jachert-Maier
    vonChristina Jachert-Maier
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Fürs Wiesseer Kurorchester war’s ein Paukenschlag, der überraschend kam: Die Gemeinde will ein neues Konzept  – und viel Geld sparen. Nicht nur Konzertmeisterin Sventha Danneberg ist verunsichert.

Bad Wiessee– Seit Monaten kein Ton vom Wiesseer Kurorchester. Nach der Winterpause kam Corona. Die örtliche Blasmusik spielt in kleinerer Besetzung seit 15. Juni wieder unter freiem Himmel am See. Aber das elfköpfige Salonorchester darf noch nicht auftreten. Es konzertiert wegen der empfindlichen Instrumente nicht ungeschützt im Freien, sondern im gläsernen Pavillon. „Angeblich können wir da die Abstandsregeln nicht einhalten“, ärgert sich Konzertmeisterin Sventha Danneberg. Dabei habe das Ensemble bei einem Ortstermin mit Peter Rie,dem Verantwortlichen bei der Tegernseer Tal Tourismus GmbH (TTT), gezeigt, dass es die 1,5 Meter Mindestabstand hinbekommt. Endlich gibt’s nun einen Termin für den Start: Am 28. Juli findet das erste Konzert statt. Aufatmen können Danneberg und ihre Kollegen nicht. „Unsere Situation ist sehr schwierig“, berichtet die Musikerin. „Wir haben keine Planungssicherheit.“

Gemeinde kündigt Vertrag mit Bernhard Krahl-Urban

Noch im Juni hatte Bürgermeister Robert Kühn (SPD) einen Paukenschlag gesetzt, der das Orchester in Aufruhr versetzte. Wie berichtet, beschloss der neu formierte Gemeinderat, den Vertrag mit Bernhard Krahl-Urban und seiner Agentur „Events am Tegernsee“ zu kündigen. „Das ist ein großer Einschnitt, denn mit Herrn Krahl-Urban hat es immer wunderbar funktioniert“, sagt Konzermeisterin Danneberg. Krahl-Urban vermarktet das Orchester seit zehn Jahren, die Verträge der Musiker liefen seitdem über seine Agentur. Das soll künftig anders werden. Die Gemeinde bucht die Konzerte nicht mehr über Krahl-Urbans Agentur, sondern legt die Organisation in die Hand der TTT. Die Hoffnung ist, 50 000 bis 100 000 Euro im Bereich Kurmusik einzusparen. Dies vor allem durch eine straffere Organisation, versichert Kühn. Es sei nicht beabsichtigt, die Musiker schlechter zu stellen. „Wir wollen das Ganze einfach auf neue Füße stellen“, meint Kühn.

TTT erarbeitet neues Konzept

Die TTT habe bereits damit begonnen, ein Konzept zu erstellen, berichtet deren Geschäftsführer Christian Kausch. Federführend sei Rie, der bereits über viel Erfahrung in diesem Bereich verfüge. Aktuell weilt er im Urlaub. Ein erstes Treffen zur Zukunft der Kurmusik hatte Rie vergangene Woche einberufen. Ziel des ersten Workshops sei es gewesen, den verspäteten Saisonstart im Zeichen der Corona-Vorgaben hinzubekommen, berichtet Bürgermeister Kühn.

Bei Konzertmeisterin Danneberg ist vor allem eines angekommen: Die Zahl der Konzerte soll von vier auf nur zwei wöchentlich reduziert werden. „Für uns ist das dramatisch“, meint Danneberg. Die Musiker werden pro Konzert bezahlt. Die Einkünfte wären mit der Halbierung nicht mal mehr ein nennenswertes Zubrot, fürchtet Danneberg. Es sei fraglich, dass das Ensemble unter diesen Bedingungen überhaupt erhalten bleibe.

Die Konzertmeisterin spielt seit fast 40 Jahren im Wiesseer Orchester. Als die Violinistin die Stelle antrat, schien sie das große Los gezogen zu haben. 1981 war der Ort noch stolz darauf, neben Baden-Baden und Bad Reichenhall eines der größten Kurorchester Deutschlands zu beschäftigen. 1929 gegründet, blickt es auf eine glanzvolle Historie zurück. In guten Zeiten reiste ein Team des Bayerischen Rundfunks sonntags an, um das Konzert zu übertragen. Doch die sind seit langem vorbei.

„Seit fast 40 Jahren auf einem Schleudersitz“

„Ich sitze seit fast 40 Jahren auf einem Schleudersitz“, resümiert Danneberg. Immer nur Saisonverträge, nie Sicherheit. Immer wieder wurde das Orchester verkleinert. Seit 2004 spielt es in der jetzigen „Wiener Besetzung“ von elf Musikern.

Danneberg ist inzwischen Rentnerin, wie andere Kollegen auch. „Aber weil wir immer nur Saisonverträge hatten, sind unsere Renten so extrem niedrig, dass wir darauf angewiesen sind, weiter arbeiten zu können“, sagt sie. Die Konzertausfälle durch Corona habe jedes Orchestermitglied, das in der gesamten Saison spiele, rund 5000 Euro gekostet. Von der Gemeinde habe es bis jetzt für jeden als Ausgleich 100 Euro gegeben, berichtet Danneberg. Sie hoffe, dass da noch was komme: „Der Staat gibt den Gemeinden jetzt ja Geld für ihre Kulturschaffenden.“

Die Violinistin setzt darauf, dass die Gemeinde in der Saison 2021 mehr Konzerte bucht und der Ort seine Orchester-Tradition nicht über Bord wirft. „Wir haben ein breites Repertoire und viele Ideen“, sagt sie. Viele Gäste kämen eigens wegen der Musik nach Bad Wiessee.

Zweiter Workshop geplant

Im Herbst, kündigt Kühn an, werde es einen zweiten Workshop Kurmusik geben, um die Saison 2021 zu planen. „Die Musiker sind verunsichert“, weiß er. Die Gemeinde wolle aber nur an der Organisation sparen, nicht bei den Musikern.

Ein weiterer Vorteil: Durch die Neuerung werden die Termine von Kurorchester und Blaskapelle künftig nicht getrennt, sondern auf einem Plakat verkündet. Hier eine Einheit zu schaffen, war Korbinian Herzinger. Vorsitzender der Wiesseer Blasmusik, ein großes Anliegen: „Vorher was das eine Katastrophe.“

Lesen Sie auch: Wegen Corona: Bad Wiessee will bei Kurmusik sparen

Es gibt wieder Blasmusik am See

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