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Die Hotel-Anlage aus der Vogelperspektive. In Richtung Norden reihen sich die geplanten Chalets auf.

17 Suiten-Häuser und ein Biergarten direkt am See

Durchbruch fürs Strüngmann-Hotel: So lief die Sondersitzung in Bad Wiessee

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Es ist vollbracht: Die Planung für das Hotel der Familie Strüngmann an der Wiesseer Seepromenade steht. Und der Gemeinderat ist überzeugt: Das wird das Leithotel, das der Ort so dringend braucht.

Bad Wiessee – „Hier entsteht etwas, das sich großartig in unsere sensible Landschaft einfügen wird – ein Hotel mit Strahlkraft weit übers Tal hinaus“, jubilierte Bürgermeister Peter Höß (Wiesseer Block) gleich zum Auftakt der Sondersitzung am Donnerstagabend. Das nun geplante Hotel der Familie von Hexal-Mitbegründer Thomas Strüngmann ist das Ergebnis eines jahrelangen Findungsprozesses. Allein zwei Architekten-Wettbewerbe mit namhaften Büros hatte die Firma Athos ab 2017 gestartet, zahlreiche misslungene Entwürfe landeten im Papierkorb. Im Nachhinein nehmen es die Verantwortlichen mit Humor. Als „Zugunglück“ und „Klosteranlage“ betitelte Athos-Architekt Urs Fridrich manche Vorschläge, die er in der Sitzung noch einmal präsentierte.

Architekten aus dem fernen Mexiko liefern den entscheidenden Entwurf

Der große Wurf gelang ausgerechnet im fernen Mexiko. Das Architekturbüro Manuel Cervantes (CC Arqutectos) lieferte eine Planung, die laut Athos-Geschäftsführer Thomas Maier nun „alle Wünsche, die uns der Gemeinderat auferlegt hat“, sowie die Belange der Nachbarschaft und des Naturschutzes erfülle: Geplant ist – anders als in der Vergangenheit – kein großer Klotz, sondern eine Anlage mit gerade einmal 90 Zimmern und niedrigen, zwei- bis dreigeschossigen Baukörpern, die sich in Richtung Norden entlang des Sees aufreihen. Von 16 bis 17 Suiten-Häusern in alpenländischem Stil („Stadel-Architektur modern übersetzt“) war die Rede. Außerdem von einem öffentlichen Restaurant mit Biergarten direkt am See, einem eigenen Gebäude für die Gäste-Ankünfte, einem Wellnessbereich, einer Tiefgarage in abgespeckter Form und einem zentralen Platz für die Hotel-Anlage. „Die Planung sichert eine hohe Durchlässigkeit und macht den Kurpark sichtbar“, sagte Maier über das künftige 5 Sterne plus-Hotel. Die gesamte Bebauung bleibe weitgehend hinter der Hochwasserlinie.

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Neben dem reinen Hotel-Komplex entstehen fünf weitere Gebäude, von denen allerdings nur noch drei für die Unterbringung von Mietwohnungen genutzt werden sollen. Die anderen beiden Gebäude seien dem Hotel zugeordnet, hieß es. Hier würden voraussichtlich 17 weitere, noch nicht näher definierte Unterkunfts-„Einheiten“ entstehen. Wegen des schwierigen Untergrunds mit Seeton sei für jedes Gebäude eine Pfahlgründung vorgesehen, teilte Fridrich mit.

Unter den Zuhörern im Gemeinderat war auch Investor Thomas Strüngmann selbst

Auf diesem Grundstück in Traumlage werden die Hotel-Pläne verwirklicht.

Den Zuhörern im übervollen Sitzungssaal des Rathauses – darunter auch Investor Thomas Strüngmann und Nachbarn des künftigen Hotels – schien zu gefallen, was sie sahen und hörten. Hin und wieder gab’s sogar Zwischenapplaus. Auch die Gemeinderäte waren – abgesehen von Ingrid Versen (CSU) – allesamt angetan von der Planung. Angesichts des Bettenschwunds im Tal hätte sich Versen ein viel größeres Hotel an dieser Stelle gewünscht – und keines, „das auf 90 Zimmer abgesoffen ist“. Versen war am Ende die Einzige im Gremium, die gegen das Planungskonzept und die Einleitung des Bebauungsplan-Verfahrens stimmte.

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Auch einen groben Zeitplan für das Strüngmannsche Leuchtturmprojekt auf dem einstigen Lederer-Areal und den benachbarten Grundstücken gibt es bereits. Der Abriss der noch verbliebenen Gebäude soll bis zum ersten Quartal des nächsten Jahres erfolgt sein, 2020 soll dann auch der Bau beginnen. Bereits 2022/2023 könnte das Hotel laut Maier in Betrieb gehen. Wer die Luxusherberge der Familie Strüngmann als Pächter betreiben wird, steht noch nicht fest. „Wir können uns hier Zeit lassen und in Ruhe verhandeln“, erklärte Maier. Im Rennen seien sowohl international tätige Hotelbetreiber mit Sitz in München als auch Familienunternehmen.

Stimmen aus den Reihen des Wiesseer Gemeinderats

„So ein Leithotel brauchen wir dringend. Mit der eher kleinteiligen Planung bin ich insgesamt sehr zufrieden, das ist das Gegenstück zur Überfahrt in Rottach-Egern. Ich glaube, das wird etwas Gutes, und ich freue mich, wenn es so positiv weitergeht.“ Kurt Sareiter, CSU-Fraktionssprecher

„Die Akzeptanz in der Bevölkerung ist bei so einem Projekt unheimlich wichtig. Dank der schrittweisen Annäherung bei der Planung können wir die Bevölkerung mitnehmen – dann ist auch der Erfolg des Hotels von Anfang an garantiert.“ Zweiter Bürgermeister Robert Huber (SPD)

„Ich danke Athos ausdrücklich für die extreme Professionalität. Das gibt einem ein besseres Gefühl als bei anderen Projekten im Ort. Ich hoffe, dass es so weitergeht.“ Rolf Neresheimer (ranBW)

„Die Landschaft ist unser wichtigstes Kapital – da ist es mir lieber, es wird nicht so groß gebaut.“ Bürgermeister Peter Höß (Wiesseer Block) in Reaktion auf die Ablehnung von Ingrid Versen.

„Wir sollten nicht Betten produzieren nur um der Betten-Zahl willen.“ Birgit Trinkl (Wiesseer Block) „Ich freue mich, dass hier jetzt etwas in Bewegung kommt und ich den Rest meines Lebens dort in den Biergarten gehen kann. Ich denke, wir sind auf einem guten Weg.“ Georg Erlacher (CSU)

„Wir wollen einen Tourismus, der sich in unsere Natur und in unseren Maßstab einfügt. Massen- und Tagestourismus kann nicht unser Ziel sein. Wir brauchen qualitätsvolles Bauen. Mit dieser Planung können wir die Proportionen im Ort halten. Das wird eine sinnvolle Anordnung – das wird unser ,Hotel im Kurpark‘ sein.“ Klaudia Martini (SPD)

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