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Korbinian Kohler vor dem Wiesseer Hof.

Kohlers kalkulierter Coup

Reaktionen auf das Bussi Baby-Hotel am Tegernsee: „Dachte, das ist ein Scherz“

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Der Knall-Effekt war kalkuliert. Und hat gezündet. Dass Korbinian Kohler den Wiesseer Hof, als Kirchenwirt bekannt, zum Hotel Bussi Baby macht, ist Gesprächsstoff. Die Reaktionen:

Bad Wiessee– „Ich habe erst gedacht, das ist ein Aprilscherz“, sagt Uschi Fischbacher, Vorsitzende des Wiesseer Trachtenvereins. Die Nachricht, dass Korbinian Kohler den Wiesseer Hof nach dem Umbau Hotel Bussi Baby nennen will (wir berichteten), konnte doch eigentlich nur ein Witz sein.

Das sagt die Trachtler-Chefin

Aber Kohler meint’s ernst. Und Fischbacher denkt mit Wehmut an die Jubiläumsfeier der Trachtler am 25. November zurück. Der Verein feierte sein 90-jähriges Bestehen im Wiesseer Hof, dem Kirchenwirt. „Kuschelig“ sei der Saal gewesen, die Wirtsleute Würtz bemüht, alles schön zu machen. „Da waren die Vereine gut aufgehoben“, sagt Fischbacher. Das Trachtlerjubiläum war die letzte Veranstaltung im Wiesseer Hof. Unmittelbar darauf verabschiedete sich das Ehepaar Würtz als Pächter. Eine böse Überraschung für die Trachtler. „Es war nicht abzusehen, dass da Schicht im Schacht ist“, meint Fischbacher.

Lesen Sie auch: Kirchenwirt heißt jetzt Bussi Baby - wie der Hotelier selbst den neuen Namen erklärt.

Die Eigentümer, Familie Steiger, verkauften an Kohler. Der saniert das Gebäude und eröffnet es im Mai als Hotel für Leute, die hart arbeiten und hart feiern. Dass die Trachtler ein Jubiläum im Bussi Baby begehen, kann sich Fischbacher nicht vorstellen. Der Name signalisiere doch, wer sich angesprochen fühlen darf: „Die Bussi-Bussi-Gesellschaft, die gerne zum Waldfest geht.“ Einheimische seien eher nicht willkommen.

Dass dem Ort eine Traditions-Gaststätte verloren geht, sei schade, findet Fischbacher. Für den Trachtenverein sei der Verlust verschmerzbar. „Es spielt sich schon lange fast alles in der Trachtenhütte ab.“ Für große Feste gebe es andere Gaststätten wie das Hotel Zur Post oder die Königslinde.

Das sagt der Pfarrer

Wehmütig zeigt sich auch Pfarrer Wieland Steinmetz. „Wir waren sehr froh mit der Familie Würtz.“ Unter deren Führung sei der Kirchenwirt wieder zum Ort geworden, an dem sich Vereine trafen und Trauerfeiern stattfanden. Dass nach einer Beerdigung ins Bussi Baby eingeladen wird, kann sich Steinmetz nicht vorstellen. Er ist ein wenig enttäuscht. Dank des Pächter-Ehepaars Würtz habe sich der Kirchenwirt als solcher neu etabliert: „Und jetzt ist es halt wieder nichts.“

Andreas und Andrea Würtz kündigten ihren Vertrag mit den Steigers nach nur einem Jahr: Der Investitionsstau war zu groß. Die Wirtsleute haben jetzt das Yacht-Club-Restaurant übernommen. Zuvor, unter der Regie der Steigers, hatte der Wiesseer Hof seine Funktion als Vereinslokal verloren. Somit reißt der Kurswechsel unter Kohler keine großen Wunden auf.

Das sagen die Touristiker

Bernhard Kaiser, Vorsitzender des Kur- und Verkehrsvereins, sieht die Namensgebung deshalb als geschickten Schachzug. Sicher sei der Name Bussi Baby gewöhnungsbedürftig. Aber er beschere maximale Aufmerksamkeit. „Herr Kohler hat Philosophie studiert und weiß, was er tut.“ Der Unternehmer wolle etwas Neues machen, das sei auch richtig: „Alles andere ist ja schon ausgereizt.“ Kohler spreche ein junges, sportliches Publikum an: „Und die jungen Leute wollen ja an den Tegernsee.“

Ein Punkt, den Tourismus-Chef Christian Kausch bestätigt. Die Nische, die Kohler besetzen wolle, bestehe tatsächlich. „Der Bereich wurde bisher vernachlässigt.“ Er sehe gute Querverbindungen zu Events von Fischer Christoph von Preysing und zum Sailing Center. Die Idee, über den Namen Aufmerksamkeit zu bekommen, habe „super funktioniert“. Überall werde darüber gesprochen, im Internet finden sich unzählige Kommentare. Ob Bussi Baby bei der Kundschaft ankomme, müsse die Praxis zeigen. „Letztlich ist das ein Test.“ Wenn der Name Gäste eher abschrecke, werde Kohler sicher flexibel reagieren.

Fürs junge Publikum schaffe Kohler das richtige Angebot, findet Bürgermeister Peter Höß. Diese Zielgruppe habe die Gemeinde schon bei den Plänen fürs Sporthotel an der Hirschbergstraße angepeilt. Die liegen jedoch auf Eis. Den Namen Bussi Baby, glaubt Höß, werden die Wiesseer Bürger ohnehin nicht verinnerlichen: „Das bleibt der Wiesseer Hof.“

Ungewöhnliche Szene: Die schönsten Bilder vom stillen und starren Tegernsee

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