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Aus Profi-Musikern besteht das Salonorchester der Gemeinde Bad Wiessee. Sie geben rund 180 Konzerte im Jahr und hoffen nun, dass sie künftig in den Kirchen des Kurorts spielen dürfen.

Bisher spielten sie im Lesesaal 

Wegen Jodbad-Abriss: Salonorchester hofft auf Kirchen-Asyl

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Bad Wiessee - Wenn im Herbst das Jodschwefelbad abgerissen wird, dann verliert die Wiesseer Kurmusik ein Stück Heimat. Vor allem das elfköpfige Salonorchester wird den Lesesaal schmerzlich vermissen.

Den Rückbau des Jodschwefelbads in Bad Wiessee hat der Investor für das neue Hotel, die Sports Medicine Excellence Group (SME), erst kürzlich – und für alle überraschend – von Januar auf Oktober 2017 verschoben. Spätestens dann wird auch der Lesesaal Geschichte sein. Er dient bisher für einen Teil der Kurkonzerte und für die Proben des Salonorchesters.

Bürgermeister Peter Höß (Wiesseer Block) hatte im Gemeinderat schon einmal eine Lösung des Problems präsentiert. Sowohl die Blaskapelle als auch das Salonorchester könnten künftig bei schlechtem Wetter in die Kirchen des Kurortes ausweichen – beide Pfarrer hätten „Wohlwollen signalisiert“, meinte er damals. Bei trockener Witterung finden die Darbietungen ohnehin unter freiem Himmel an der Seepromenade statt.

„Lustige Märsche haben in Kirchen nichts verloren“

Doch die so gepriesenen Ausweichmöglichkeiten kamen nicht überall gut an. Lustige Blasmusik-Märsche hätten in der Kirche nichts verloren, hieß es unter anderem. Für die Blaskapelle hat sich mittlerweile eine andere Lösung gefunden.

„Es ist alles geklärt“, bestätigt Korbinian Herzinger, Vorsitzender der Musikvereinigung Bad Wiessee. Will heißen: Die 24 Musikanten geben in Zukunft ihre wöchentlichen Kurkonzerte bei Regen im gemeindeeigenen Gasthof Zur Post. Um Terminkollisionen zu vermeiden, war allerdings eine kleine Änderung nötig: Ab sofort spielt die Kapelle nicht mehr donnerstags, sondern am Montag. Bürgermeister Höß bezeichnet diese Lösung auf Nachfrage als „nahezu ideal“. Überhaupt, so macht Herzinger deutlich, sei ein Ausweichen in die Post maximal fünf Mal im Jahr zu erwarten.

Salonorchester in schwieriger Lage

Weitaus schwieriger stellt sich die Situation fürs Salonorchester dar. Rund 180 Konzerte spielen die Profi-Musiker pro Jahr – mit großer Resonanz: 100 bis 300 Besucher kämen zu den regelmäßigen Darbietungen am See, zwischen 80 und 150 seien es im Lesesaal, wie Bernhard Krahl-Urban berichtet.

Der 75-Jährige hat vor sechs Jahren einen Vertrag mit der Gemeinde unterzeichnet und das gesamte Management der Kurmusik in Bad Wiessee übernommen. Gemeinsam mit dem Bürgermeister will sich Krahl-Urban in nächster Zeit darum bemühen, das Thema Spielorte in trockene Tücher zu bekommen. Die Post sei dabei fürs Salonorchester keine dauerhafte Option („die Kurkonzerte tragen für den Pächter nicht zu den Einnahmen bei“), vielmehr setzt der Manager auf die Kirchen-Lösung.

Angst vor einer Entweihung der Kirche

Zwar hätten sowohl der katholische als auch der evangelische Pfarrer ihre Zustimmung in Aussicht gestellt, allerdings stünden die Entscheidungen der jeweiligen Kirchengremien noch aus. „Der Bürgermeister muss eine offizielle Anfrage stellen“, macht Krahl-Urban deutlich. Und er weiß: Vor allem im katholischen Pfarrgemeinderat ist die Idee, die Musiker in Maria-Himmelfahrt spielen zu lassen, nicht unumstritten. Sogar von einer Entweihung der Kirche soll die Rede gewesen sein.

Bedenken, die der Manager gerne zerstreuen möchte. „In der katholischen Kirche würden wir natürlich konservativer auftreten“, sagt er. Ohnehin beinhalte das Programm des Orchesters „nichts Provozierendes“, sei also in Kirchen bedenkenlos spielbar. Für die Proben, so hofft Krahl-Urban, könne man in Zukunft den evangelischen Gemeindesaal nutzen.

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