Am Stammtisch sitzen die Saunafreunde weiter beisammen: (v.l.) Fritz Niedermaier, Theo Gonitianer, Paul Mairbacher, Alfred Emmerer, Erwin Tontsch, Franz Erlacher und Josef Schanderl. Foto: Andreas Leder
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Am Stammtisch sitzen die Saunafreunde weiter beisammen: (v.l.) Fritz Niedermaier, Theo Gonitianer, Paul Mairbacher, Alfred Emmerer, Erwin Tontsch, Franz Erlacher und Josef Schanderl.

Nach Badepark-Entscheid

Sauna-Freunde sitzen auf dem Trockenen

  • Gerti Reichl
    vonGerti Reichl
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Der Wiesseer Bürgerentscheid hat den Weg zum Neubau des Badeparks geebnet. Was viele freut, schmerzt eine Gruppe von Saunafreunden. Der Älteste ist 94.

Bad Wiessee – Erwin Tontsch ist 78, und seit über 40 Jahren gehört das Schwitzen in der Sauna zu seinen regelmäßigen Ritualen. Seit die Sauna im 1970 eingeweihten Badepark eröffnet wurde, plant er möglichst jede Woche einen Besuch dort ein. Schnell schloss er dabei auch Freundschaft mit Gleichgesinnten, und so trifft man sich immer donnerstags nicht nur zum Saunagang, sondern anschließend im Gasthof Zur Post auch auf ein Bierchen, um verlorene Flüssigkeit wieder aufzufüllen.

Mit der Schließung des Badeparks im Zuge der Coronakrise und der Entscheidung des Gemeinderats, das verlustreiche Bad nicht wieder zu öffnen, sitzt die etwa zwölfköpfige Gruppe um Erwin Tontsch buchstäblich auf dem Trockenen. Dann kam jetzt auch noch der Bürgerentscheid. Die Wiesseer sollten selbst entscheiden, ob der Badepark abgerissen und neu geplant werden soll. Knapp 88 Prozent der Bürger, die zur Abstimmung gingen (1610 Stimmen), waren für den Abriss, nur 12,3 Prozent (198 Wahlberechtigte) stimmten dagegen.

Sauna-Freunde sind vom Entscheid enttäuscht

Als eingefleischter Saunabesucher ist auch Erwin Tontsch zur Wahl gegangen. Er macht kein Geheimnis daraus, dass er enttäuscht ist. Freilich müsse er die Demokratie respektieren, aber als regelmäßiger Besucher müsse er den Ausgang schon kommentieren.

„Die Entscheidung, den Badepark abzureißen, ist typisch für unsere Wegwerf-Generation“, findet Tontsch. „Man reißt doch sein Haus auch nicht gleich ab, nur, weil Probleme bei der Heizung oder andere technische Mängel entstehen.“ Ein großes Problem sieht Tontsch künftig in den Parkplätzen für die Badegäste. „Was nützt ein schönes Bad, wenn man keinen Parkplatz findet“, sagt der Wiesseer und erinnert sich daran, dass früher die Gäste auch auf dem Jodbadgelände parken konnten. „Das haben unsere Gemeinderäte verschlafen.“ Kurzum: Es sei „ein Witz“, das Bad nach so kurzer Zeit abzureißen. Zudem ist er der Überzeugung, dass das Abreißen allein mehr kosten werde, als die Reparaturen. Er sieht es schon jetzt kommen, dass nach einem Neubau die Eintrittspreise in die Höhe klettern. „Bisher konnte man sich den Eintritt noch leisten“, sagt Tontsch.

Man trifft sich weiter am Stammtisch

Gesprächsstoff gibt es also viel, wenn sich die Sauna-Gruppe wieder zum Stammtisch trifft. An dem wird nämlich festgehalten – Badepark-Schließung hin oder her. „Und dann ist da noch die Angst, dass der ein oder andere aus unserer Gruppe eine Neueröffnung nicht mehr erleben könnte“, befürchtet Tontsch. „Der Alfred, unser Ältester, ist immerhin schon 94.“

Weil er und seine Freunde nicht auf regelmäßige Saunabesuche verzichten wollen, haben sie bereits eine Fahrgemeinschaft gegründet, um am anderen Seeufer der Seesauna in Tegernsee einen Besuch abzustatten. „Doch da“, sagt Erwin Tontsch enttäuscht, „bin ich ganz hinten in einer langen Schlange am Eingang gestanden und dann ohne Saunagang wieder heimgefahren.“

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