Sebastian Siebrecht, Großmeister und Organisator
+
Sebastian Siebrecht, Großmeister und Organisator

INTERVIEW

Organisator Siebrecht über das Schach Masters: „Es ging um die Lust auf den Tegernsee“

  • Sebastian Schuch
    vonSebastian Schuch
    schließen

Bis vergangenen Sonntag fand im Hotel Alpensonne in Bad Wiessee erstmals das Tegernsee Masters, das Ersatzturnier für die 24. Offene Internationale Bayerische Meisterschaft (OIBM), statt.

Bad Wiessee – Schach-Großmeister und Turnierdirektor Sebastian Siebrecht erklärt die Planungen der Tegernseer Tal Tourismus GmbH (TTT) in den vergangenen Monaten, wie er das Turnier wahrgenommen hat und wie es weitergeht.

-Herr Siebrecht, wie lief das erste Tegernsee Masters?

Am ersten Abend bekamen wir direkt eine Hiobsbotschaft: Vincent Keymer, der als künftiger Weltmeister gepriesen wird, musste in Quarantäne. Dabei war er extra die Woche zuvor nicht in der Schule, nur am Mittwoch für eine Klausur. Da war dann ein Klassenkamerad, der an dem Virus erkrankte.

-Wie lief es für Keymer bis dahin?

Es sah am ersten Tag sehr vielversprechend aus. Leider musste er am nächsten Tag abreisen und in Quarantäne. Aber er hat dann eine Partie im Livestream kommentiert. Ansonsten war es ein sehr spannender Turnierverlauf mit einem Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Alexander Donchenko und Matthias Blühbaum. Auf der Zielgeraden ist Donchenko davongezogen, hat den größeren Siegeswillen gezeigt und sehr stark gespielt.

-Corona hat sich auch auf die Organisation ausgewirkt. Wie liefen die Monate vor dem Turnier?

Wir hatten mit der TTT ganz normal die 24. OIBM geplant und im April ein Hygienekonzept erarbeitet. Schon früh haben wir die Teilnehmerzahl von 550 auf 380 reduziert. Das war optimal auf Gut Kaltenbrunn, den eigentlichen Austragungsort, aufgeteilt. Auch das Landratsamt hat uns das abgesegnet. Dann hieß es, es sei doch zu groß. Also hatten wir ein A-Turnier und ein B-Turnier in komplett abgetrennten Bereichen geplant. Anfang Oktober hieß es dann von den Tal-Bürgermeistern, die Corona-Zahlen seien zu hoch, das Turnier zu groß. Wir müssten das Turnier leider absagen.

-Aber Sie haben sich eine Alternative überlegt.

Ich habe versucht, dass wir ein so hochkarätiges Feld wie vielleicht nie wieder an den Tegernsee holen können. Das war auch dem geschuldet, dass sonst keine Turniere stattfinden. Also ein kleines Turnier mit den besten Spielern. Dabei hatte ich drei Ziele: Ein Duell um die deutsche Pole Position, das deutsche Wunderkind Vincent Keymer sollte teilnehmen, und ich wollte jungen Spielern die Chance geben, sich als Großmeister zu qualifizieren. Natürlich mussten wir unter den gegebenen Umständen dabei gewisse Abstriche machen. Vor allem Bad Wiessees neuer Bürgermeister Robert Kühn, der den Eröffnungszug getan hat, hat uns sehr unterstützt und früh gesagt, er steht dazu.

-Wie ist das Turnier angekommen?

Die großen Schachseiten haben die Duelle live übertragen. Jeden Tag haben es sich 40 000 Leute angesehen. Ein Ziel war es auch, den Tegernsee zu präsentieren.

-Internet-Schach ist also gerade in diesen Zeiten wichtig.

Es gibt eigentlich nur Online-Turniere zur Zeit. Schach am Brett ist eigentlich nicht möglich, da die Auflagen sehr hoch sind. Deshalb haben wir sehr für das Tegernsee Masters gekämpft.

-Ursprünglich war auch ein Rahmenprogramm angedacht.

Ja, anfangs dachten wir, dass wir für die Gäste Schnell- und Blitzturniere abhalten könnten. Das ging dann mit dem Lockdown nicht mehr, wir mussten sie Freitag vor Beginn canceln, da am Montag alle außer den Profis abreisen mussten. Für die Workshops gab es 50 Anmeldungen, die ich in Zehnergruppen organisiert hatte.

-Ging als reines Profi-Turnier nicht das eigentliche Gefühl der OIBM verloren?

Deswegen hieß das Turnier auch anders. In dem konkreten Fall ging es darum, dass die Spieler trotzdem Lust auf den Tegernsee haben – und nächstes Jahr vielleicht bei der OIBM spielen wollen. Das war jetzt etwas Besonderes –und erst mal eine einmalige Sache.

-Also wird es nächstes Jahr, sofern es Corona zulässt, wieder eine normale OIBM geben?

Wir wollen nächstes Jahr die 24. OIBM nachholen. Der Termin wäre vom 30. Oktober bis 7. November. Man kann überlegen, ob wir etwas Ähnliches zusätzlich ins Programm nehmen. Das Spitzenschach war jetzt eine grandiose Geschichte. Aber ich freue mich umso mehr, nächstes Jahr die OIBM abhalten zu können. Wir hoffen auch auf die Seniorenmeisterschaft vom 10. bis 18. April.

Auch interessant

Kommentare