An der Seepromenade in Bad Wiessee (Symbolfoto) gab es im Sommer 2020 immer wieder Ärger wegen randalierender Jugendlicher.
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An der Seepromenade in Bad Wiessee (Symbolfoto) gab es im Sommer 2020 immer wieder Ärger wegen randalierender Jugendlicher. Jetzt stand ein 19-Jähriger wegen Sachbeschädigung vor Gericht.

Vorfall an der Seepromenade

Scheibe geht zu Bruch: Azubi (19) aus Bad Wiessee vor Gericht

Immer wieder gab es im Sommer 2020 an der Wiesseer Seepromenade Ärger mit feiernden Jugendlichen. Nun stand ein 19-Jähriger wegen Sachbeschädigung vor Gericht. Er hat aber offenbar noch mehr auf dem Kerbholz.

Bad Wiessee Es war ein „Spaß“ mit unangenehmen Folgen für einen 19-jährigen Azubi: Ende Juli vergangenen Jahres soll der Wiesseer spätabends ein Fenster des Kiosks an der Seepromenade mit einer Bierflasche eingeworfen haben. Der Schaden belief sich auf 250 Euro. Wegen der Sachbeschädigung stand der junge Mann nun vor dem Amtsgericht Miesbach.

Angeblich landete ein Mülleimer versehentlich in der Scheibe

Auf die Frage von Richter Klaus-Jürgen Schmid, ob er sich denn selbst zu dem Tatvorwurf äußern wolle, ergriff der Angeklagte die Gelegenheit, seine Version des Hergangs zu schildern. Er habe sich damals mit einigen Freunden abends an der Seepromenade in der Nähe der Pergola aufgehalten. Sie hätten Alkohol getrunken. Bei dem Gegenstand, der schließlich in der Scheibe landete, habe es sich aber nicht um eine Glasflasche, sondern um einen Mülleimer gehandelt. Diesen habe er nicht mit Absicht in die Scheibe geworfen, sondern aus Jux einem seiner Freunde zugeworfen. „Ich dachte, der fängt ihn auf“, erklärte der Wiesseer und versuchte damit, sein Manöver zu rechtfertigen. Doch das Gegenüber habe nicht schnell genug reagiert, weswegen es schließlich die Scherben gab. Allerdings sei nicht ein Fenster am Kiosk, sondern eine Scheibe in der Rückwand der Pergola getroffen worden – das „Geschoss“ sei dann dahinter im Gebüsch gelandet.

Zeuge: „Er hat es bestimmt nicht mit Absicht getan“

Die Geschichte des Angeklagten deckte sich mit der Aussage eines befreundeten Tegernseers, der als Zeuge gehört wurde. Sie hätten zwar keine Milch getrunken, räumte der 20-Jährige ein, seien aber nicht betrunken, sondern nur angeheitert gewesen. „Aus Spaß“ hätten sie dann angefangen, den Mülleimer „herum zu kicken“. Schließlich habe der Angeklagte mit etwa zwei Metern Abstand zum Kiosk geworfen. „Er hat es bestimmt nicht mit Absicht getan“, meinte der Zeuge mit Blick auf den Schaden. Der Richter zeigte sich skeptisch: „Bei dem geringen Abstand geht man eigentlich schon davon aus, dass es Absicht war.“

Polizei hatte 2020 im Tegernseer Tal diverse Probleme mit Jugendlichen

Die Polizei habe 2020 im Tegernseer Tal diverse Probleme mit Jugendlichen gehabt, erklärte ein Polizist im Zeugenstand. In erster Linie sei es um Ruhestörung und Diebstähle aus offen stehenden Pkws gegangen. Ein Zeuge, den er eigentlich wegen eines gestohlenen Rollers vernommen habe, habe in diesem Zusammenhang behauptet, der Angeklagte habe auch absichtlich die Scheibe des Kiosks zertrümmert. Bereits ein Jahr zuvor hätte dieser „wahrscheinlich aus Spaß“ ein Fenster des Pavillons an der Seepromenade eingeschlagen. Auch das stritt der Wiesseer entschieden ab. „Die haben versucht, sich gegenseitig hinzuhängen“, lautete die Einschätzung des Beamten.

Richter warnt jungen Angeklagten vor Falschaussage

Der Richter warnte an dieser Stelle vor einer Falschaussage: „Vielleicht waren Sie ja so betrunken, dass Sie noch mal was geworfen haben.“ Doch der junge Mann blieb bei seiner Version. Zwar sei es keine dramatische Straftat, die ihm vorgeworfen werde, aber es gehe um Vorsatz, betonte der Richter.

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Es ist nicht der einzige Vorwurf gegen den Wiesseer. Gegen ihn wird demnächst auch ein Verfahren wegen Diebstahls in vier tatmehrheitlichen Fällen eröffnet. Das Gericht entschied schließlich, beide Verfahren zu verbinden und mit neuem Termin fortzusetzen.

Stefan Gernböck

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