Bei Rot über die Ampel: Die Fußgängerin mit Kinderwagen hat sich an die Empfehlung der Gemeinde gehalten.
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Bei Rot über die Ampel: Die Fußgängerin mit Kinderwagen hat sich an die Empfehlung der Gemeinde gehalten.

Gemeinde: Sonst drückt da jeder

Schild entsetzt Anwohner: Fußgängerampel am Tegernsee darf „nur bei Bedarf“ genutzt werden

  • Christina Jachert-Maier
    vonChristina Jachert-Maier
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„Nur bei Bedarf“ sollen Fußgänger am Lindenplatz in Bad Wiessee die für sie vorgesehene Ampel zum Überqueren der Straße nutzen. „Widersinnig und gefährlich“, kritisiert ein Bürger.

Bad Wiessee – Wer am Wiesseer Lindenplatz über die viel befahrene Ortsdurchfahrt will, kann an der Fußgängerampel den Knopf drücken. Oder es auch lassen und ohne Rotlicht für den Verkehr über die Straße huschen. Darauf weist die Gemeinde Bad Wiessee eigens in einem an den Ampelmasten montierten Schild hin.

Kurioses Schild am Tegernsee entsetzt Anwohner: „Schildbürgerstreich noch höflich“

Für den Wiesseer Bruno Schmitz ist die Aufforderung, das Lichtsignal am vor ein paar Jahren neu gestalteten Lindenplatz nur bei Bedarf zu nutzen, „mit dem Begriff Schildbürgerstreich noch höflich umschrieben“. Es sei schon eine „sehr krumme Idee“, für teures Geld eine Ampel aufzustellen und dann noch dazu aufzufordern, sie nicht zu nutzen. Das sei doch widersinnig und gefährlich, meint Schmitz, der vor rund zehn Jahren vom Rheinland an den Tegernsee gezogen ist.

Fußgängerampel in Bad Wiessee darf nur „bei Bedarf“ genutzt werden

Die Ampel hält Schmitz an dieser Stelle für dringend erforderlich. Schließlich seien die Autos dort oft schneller als mit den erlaubten 50 Kilometern pro Stunde unterwegs, teils sei die Strecke auch unübersichtlich. Zudem querten dort Busfahrgäste bevorzugt die Straße.

Vor allem ältere, oft gehbehinderte Menschen könnten die Straße nur sehr langsam queren, meint Schmitz. Moniert hat er dies auch in einem Schreiben an die Gemeinde Bad Wiessee. Und inzwischen auch eine Antwort erhalten. Demnach hat die Gemeinde das Schild montieren lassen, weil viele Fußgänger davon ausgehen, dass eine Ampel, wenn sie denn vorhanden ist, auch zwingend genutzt werden muss.

Gemeinde: Viele Fußgänger gehen davon aus, dass Ampel genutzt werden muss

Mit der Folge, dass es sich an der Ampel immer wieder staut. „Um den Verkehrsfluss während der Stoßzeiten nicht über die Maßen zu behindern, weisen wir darauf hin, dass man auch mit Zuhilfenahme der Querungshilfe und ohne Betätigung der Ampel die Straße überqueren kann“, macht Klaus Schuschke als Leiter des Ordnungsamts in seinem Schreiben deutlich.

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Schmitz überzeugt diese Argumentation nicht. Dagegen verweist Geschäftsleiter Hilmar Danzinger auf die – von der Gemeinde nicht beeinflussbare – Länge der Rotphase. Sie sei schon auf sehr langsame Geher ausgerichtet und könne von diesen auch jederzeit ausgelöst werden. „Aber wenn ich gut zu Fuß bin, komme ich in fünf Sekunden über die Straße“, meint Danzinger. Und dies, ohne den Verkehr zum Erliegen zu bringen. Den ausdrücklichen Hinweis, dass es sich um eine reine Bedarfsampel für Fußgänger handle, habe seines Wissens schon der frühere Wiesseer Bürgermeister Peter Höß anbringen lassen.  

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