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Chalet im Wiesseer Bergwald: Umbau wird wohl ein Nachspiel haben

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Von: Gabi Werner

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Hübsches Domizil mit Seeblick: Oberhalb des Breitenbachtals in Bad Wiessee wurde eine Jagdhütte umgebaut. Das Landratsamt prüft gerade, ob die Maßnahme rechtens war.
Hübsches Domizil mit Seeblick: Oberhalb des Breitenbachtals in Bad Wiessee wurde eine Jagdhütte umgebaut. Das Landratsamt hat vor Ort festgestellt, dass einige Veränderungen einer Genehmigung bedurft hätten. © Thomas Plettenberg

Terrasse mit Seeblick, breite Fensterfront, adrette Fassade: Im Wiesseer Bergwald – mitten im Außenbereich – ist ein Bauwerk entstanden, das einem schmucken Feriendomizil gleicht. Die Bauaufsicht war bereits vor Ort.

Update vom 21. März:

Der Umbau der Hütte oberhalb des Breitenbachtals in Bad Wiessee könnte ein Nachspiel für den Eigentümer haben. Wie das Landratsamt Miesbach auf Nachfrage der Tegernseer Zeitung mitteilte, habe sich bei einer Baukontrolle herausgestellt, „dass Veränderungen am Gebäude durchgeführt wurden, die einer baurechtlichen Genehmigung bedurft hätten“. Eine solche hat es allerdings nicht gegeben, dem Bauamt der Gemeinde lag zu keinem Zeitpunkt ein Antrag zu dem aufwendigen Umbau vor. Hat man es hier also mit einem Schwarzbau zu tun?

Die Hütte verfügt nicht nur über eine Terrasse mit Sitzmöbeln und Badezuber, ein Panoramafenster und eine Photovoltaikanlage, sondern soll auch im Inneren komfortabel ausgestattet sein. Das Landratsamt – als Bauaufsichtsbehörde für die Überprüfung solcher Fälle zuständig – werde nun in einem nächsten Schritt versuchen, Informationen zum ursprünglichen Genehmigungszustand der Hütte einzuholen, wie Sprecherin Sophie Stadler mitteilt. Kein einfaches Unterfangen. Im Bauamt der Kreisbehörde würden nur Akten bis zum Jahr 1994 vorliegen – „und seither gab es dazu keinen Bauantrag“. Daher bemühe sich das Landratsamt nun darum, Informationen bei anderen Stellen wie der Gemeinde oder dem Staatsarchiv einzuholen.

Ursprünglicher Artikel vom 17. März:

Bad Wiessee – Mit einer simplen Jagdhütte hat dieses Gebäude nicht mehr viel zu tun. Das wird schon auf den ersten Blick deutlich. Auch der Wiesseer Landwirt und CSU-Gemeinderat Alois Fichtner war irritiert, als er kürzlich dort oben nahe der Holzer Alm auf die umgebaute Hütte stieß. „Da wurde ein kleines Chalet hingebaut“, berichtete er am Donnerstagabend (10. März) im Gemeinderat. Die Zufahrt von der Breitenbachtalstraße her wurde im Winter offenbar bis vor die Haustür geräumt, damit das Häuschen bequem mit dem Auto zu erreichen ist. Was Fichtner besonders stört: „Da oben werden Festl gefeiert.“ Die Gemeinde möge doch bitte nachschauen, ob da alles mit rechten Dingen zugehe.

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Im Wiesseer Rathaus lag nie ein Antrag zum Umbau der Hütte vor

Vermutlich tut es das nicht. „Wir sind schockiert, dass sich da jemand ein Refugium gebaut hat“, erklärte Bürgermeister Robert Kühn (SPD) im Gemeinderat. Das sei nicht im Sinne der Gemeinde. Im Rathaus, so bestätigt Bauamtsleiter Anton Bammer auf Nachfrage, sei zu keinem Zeitpunkt ein Antrag zum Umbau der Jagdhütte vorgelegen. „Der Eigentümer hatte lediglich einmal nachgefragt wegen einer Dach-Erneuerung“, erinnert sich Bammer. Um wen es sich bei dem Besitzer handelt, wurde nicht erwähnt. Hinter vorgehaltener Hand ist von einem Unternehmer aus München die Rede. Bestätigt ist das nicht.

Bürgermeister Kühn: Ausbau der Hütte geht über das übliche Maß hinaus

Fest steht: Der Hütten-Eigentümer weiß Erholung und Komfort in seinem Bergdomizil zu schätzen. Die Terrasse bietet über eine Schneise mitten im Wald einen freien Blick auf den Tegernsee. Auch ein offenbar beheizbarer Holzzuber, in dem sich für gewöhnlich ein heißes Bad genießen lässt, steht für Besucher bereit. „Man darf es sich ja schön und ordentlich machen“, meint Bürgermeister Kühn im Gespräch mit unserer Zeitung. Aber dieser Ausbau gehe über das übliche Maß deutlich hinaus.

„Unüblich viele Verkehrsbewegungen“ zur Hütte im Bergwald

Auch das Ordnungsamt der Gemeinde bekam es bereits mit Beschwerden im Zusammenhang mit der Luxus-Hütte zu tun. „Dort haben zuletzt unüblich viele Verkehrsbewegungen stattgefunden“, berichtet Kühn. Der Eigentümer hat laut Maximilian Macco vom Ordnungsamt zwar eine Sondergenehmigung für die Befahrung der Forststraße, allerdings seien die Kfz-Fahrten „auf das geringstmögliche Ausmaß“ zu beschränken.

Lesen Sie hier: Ärger über Schwarzbau in Rottach-Egern: Holzhütte im Außenbereich soll wieder weg

Es liegt nun am Landratsamt Miesbach als Bauaufsichtsbehörde, zu überprüfen, ob der Umbau der Jagdhütte ordnungsgemäß vonstatten ging. Ein Ortstermin habe dieser Tage bereits stattgefunden, berichtete Kühn im Gemeinderat.

Landratsamt Miesbach prüft, ob der Umbau rechtens war

Landratsamts-Sprecherin Sophie Stadler bestätigt auf Nachfrage, dass die Bauaufsicht aktuell prüfe, „ob an der Jagdhütte bauliche Veränderungen durchgeführt wurden, die einer baurechtlichen Genehmigung bedurft hätten“. Da es sich um ein Gebäude im Außenbereich handle, würden zum Schutz der Natur bekanntermaßen strenge Regeln gelten. „Die unserer Behörde vorgelegten Bilder lassen vermuten, dass tief greifende Veränderungen am Gebäude stattfanden“, sagt Stadler. Noch sei der Sachverhalt aber nicht abschließend geklärt. Kühn jedenfalls betonte gegenüber unserer Zeitung: „Ich hoffe, dass das Landratsamt hier hart durchgreift.“

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