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Die Fischer (v.l.) Christoph von Preysing und Simpert Ernst setzen junge Seeforellen in den Söllbach ein, beobachtet von Fischereifachberater Bernhard Gum und Bürgermeister Robert Kühn.

Bestand hat sich erholt 

Sichere Kinderstube hilft der Seeforelle am Tegernsee

  • Christina Jachert-Maier
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15 000 winzige Seeforellen haben die Fischer Christoph von Preysing und Simpert Ernst jetzt in den Tegernsee entlassen. Es ist nur ein kleiner Teil eines großen Programms zur Rettung der Seeforelle. 

Bad Wiessee Die kräftigen Arme der Fischer kippen den großen Plastikbottich, mit dem Wasserschwall ergießen sich winzige Seeforellen in den Söllbach. Ein kurzer Moment, den weder der Fischereifachberater Bernhard Gum vom Bezirk Oberbayern noch der Wiesseer Bürgermeister Robert Kühn verpassen wollen. Während die knapp fünf Zentimeter großen Fischlein schnell den Blicken entschwinden, ist die Hoffnung groß, dass zumindest ein kleiner Teil von ihnen als ausgewachsene Seeforellen einmal in den Zufluss zurückkehren und dort laichen. Es geht um mehr, als einfach nur Fische einzusetzen. „Wir möchten den natürlichen Entwicklungszyklus wieder aktivieren“, erklärt Gum. . Dazu müssen die Mini-Forellen auf das Gewässer geprägt werden.

Seeforelle war 1980 im Tegernsee fast ausgestorben

Aus dem Tegernsee war die Seeforelle in den 1980er-Jahren fast verschwunden. Vor der 1965 fertiggestellten Ringkanalisation war die Wasserqualität schlecht, zusätzlich setzten Bachverbauungen den Seeforellen zu. 1998 errichtete der Bezirk Oberbayern das Fischbruthaus in Bad Wiessee. Seitdem werden dort – neben Renken und Seesaiblingen – Seeforellen gezüchtet und in den See gesetzt. Der Bezirk sorgt für das Gebäude, den Betrieb übernimmt die Fischerei.

Insgesamt haben Christoph von Preysing und Simpert Ernst heuer rund 200 000 Seeforellen, 150 000 Seesaiblinge und zwei Millionen Renken in den See gesetzt. „Dieses Jahr war’s schwierig“, berichtet Preysing. Naturgemäß laichen Fische, wenn es kalt wird. Doch in diesem Winter war’s ungewöhnlich warm. Auch die Corona-Krise ging an der Fischerei nicht vorbei. „Das hat alles etwas verzögert“, meint Preysing.

In drei Entwicklungsstadien ausgesetzt

Die kleinen Setzlinge, die es gerade vom Söllbach-Auslauf in den Tegernsee spült, gehören zum letzten Schwung, den die Fischer heuer in die Natur entlassen. Seit Januar sind sie im Bruthaus aufgezogen worden. Zuvor wurde schon Fischbrut in zwei früheren Entwicklungsstadien in den See gebracht: als Augenpunkteier kurz nach der Befruchtung und als Larve mit Dottersack. „Das bedeutet eine optimale Risikostreuung“, erklärt Gum. Heißt: Die Chancen, dass ein Teil der Brut zur ausgewachsenen Seeforelle wird, steigen. Ob kräftige Setzlinge bessere Aussichten haben als ganz junge Stadien, weiß niemand. Fischfachberater Gum wünscht sich deshalb ein Markierungsprojekt. Dessen Realisierung wäre aber schwierig, meint er. Es wird weiter experimentiert.

Gelernt haben die Fischer schon: Es hilft dem Bestand wenig, schon ein- oder zweijährige Forellen in den See zu setzen. Sie sind schlicht zu alt, um sich wieder in den Zyklus der Natur einzufinden. „Das ist nicht nachhaltig“, erklärt Gum.

Dank der Zucht im Bruthaus hat sich der Bestand der Seeforelle im Tegernsee erholt. „Wir sind sehr zufrieden“, meint Preysing. Aus dem Wiesseer Bruthaus gingen im Rahmen des Artenschutzprogramms heuer auch Mini-Seeforellen an den Königsee, den Chiemsee und den Kochelsee.

Aufzucht im Bruthaus unverzichtbar

Ohne die Kinderstube im Bruthaus funktioniert’s aber trotzdem nicht, wie Gum Bürgermeister Kühn erklärt. Der will wissen, ob das Zuchtprogramm denn nicht irgendwann beendet werden könne. „Wir sind immer noch in dem Stadium, dass wir den Bestand aufbauen“, erwidert Gum. Allerdings sei man am Tegernsee schon ein Stück weiter als zum Beispiel am Königssee. Die Fischerei Tegernsee züchtet nicht nur mit Tieren aus der Teichwirtschaft, sondern holt sich auch Wildfische, um ihnen Laich zu entnehmen, wenn es soweit ist. „Damit haben wir genetisches Wildmaterial aus dem Tegernsee“, erklärt Fischer Ernst.

Nur ein Prozent überlebt

Wie viele der kleinen Setzlinge irgendwann den Fang am Tegernsee bereichern, lässt sich kaum schätzen. Preysing geht davon aus, dass es sich um ein Prozent handelt. Schafft es eine junge Seeforelle, denn Fressfeinden und anderen Gefahren zu entkommen, kann sie zehn oder auch 15 Jahre alt und 1,40 Meter groß werden. Ernst ist überzeugt, dass im Tegernsee einige stolze Exemplare mit Rekordmaßen leben, die aber hoch sensibel sind und sich kaum fangen lassen: „Die sind nicht umsonst so alt und so groß geworden, sondern weil sie einfach sehr schlau sind.“

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