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Gebäudetausch: Der Schwarzbau (r.) muss weichen, dafür wird an den anderen Stadel angebaut. Hinzu kommen ein Lauf- und ein Schweinestall.

Schwarzbau-Stadel muss weg

Sperrhof: Sechsjähriger Rechtsstreit vorerst beigelegt

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Jetzt kommt er wohl doch noch weg, der ungenehmigte Stadel des Sperrhofbauern Josef Höß in Altwiessee. Das Kuriose: Der Landwirt darf nun zwei Neubauten und einen Anbau vornehmen.

Bad Wiessee– Was lange währt, wird endlich gut – zumindest aus Sicht des Bauwerbers: Sperrhofbauer Josef Höß, der sich wegen eines Schwarzbaus seit 2009 im Clinch mit der Gemeinde Bad Wiessee befindet (siehe Kasten), trat jüngst mit einem neuen Antrag an den Bau- und Umweltausschuss heran. Landratsamt und das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) hatten Höß bereits im Vorfeld ihre Zustimmung signalisiert. Unter anderem, weil das Bauvorhaben der landwirtschaftlichen Privilegierung unterliegt.

Geplant sind dem Antrag zufolge der Neubau eines Laufstalls, eines Schweinestalls sowie der Anbau eines Hackgutstadels an einen bestehenden Stadel auf dem Grundstück in Altwiessee. Wie Helmut Köckeis, Leiter des Wiesseer Bauamts, in der Sitzung berichtete, haben sich Landratsamt und AELF mit Höß darauf verständigt, ihm die drei Bauvorhaben zuzusagen – allerdings unter der Bedingung, dass der nicht genehmigte Stadl beseitigt wird. Und: Weil Höß inzwischen offenbar ein passendes Zukunftskonzept für seinen landwirtschaftlichen Betrieb vorgelegt hat.

Fritz Niedermaier (Wiesseer Block) hatte damit seine Probleme: „Ich frage mich, wofür wir hier sitzen, wenn die das im Hinterzimmer auskarteln.“ Einen Schwarzbau zu beseitigen und dafür woanders bauen, das entspreche nicht seinem Rechtsverständnis. Keinen Grund nicht zuzustimmen sah Kurt Sareiter (CSU), schließlich sei das Konzept für gut befunden worden. „Und der eine Stadel kommt immerhin weg.“ Bürgermeister Peter Höß (Wiesseer Block), ein Cousin des Antragstellers, regte an, sich über die Reihenfolge Gedanken zu machen. „Bevor gebaut wird, muss der Stadel weg.“ Andernfalls bestehe die Möglichkeit, dass der Rechtsstreit um den Schwarzbau nach Fertigstellung erneut losbreche.

Vize-Bürgermeister Robert Huber (SPD) erklärte, dem Antrag zustimmen zu wollen. Hier werde in ein landwirtschaftliches Unternehmen investiert und das, obwohl die Alpenregion immer schwieriger zu bewirtschaften sei. Dem pflichtete auch Markus Trinkl (Wiesseer Block) bei: „Wir müssen die Kuh vom Eis bringen.“ Von einer Zwickmühle sprach Florian Sareiter (CSU). Das werde nicht der letzte Laufstall sein, den das Gremium genehmigen müsse – gleichzeitig handle es sich in Altwiessee um ein sensibles, schönes Gebiet. Dieser Verantwortung müsse sich der Antragsteller bei der Fassadengestaltung bewusst sein.

Ein „ungutes Gefühl“ hatte Klaudia Martini. „Das wird nicht das letzte Vorhaben auf diesem Grundstück sein“, mutmaßte die SPD-Gemeinderätin. „Das kann unendlich weitergehen.“ Letztlich erteilte der Bau- und Umweltausschuss dem Vorhaben mit 6:3 Stimmen sein Einvernehmen. Unter der Voraussetzung eines schlüssigen Konzepts und der Beseitigung des Schwarzbaus vor Baubeginn.

Die Chronologie des Schwarzbau-Stadels

August 2009: Josef Höß baut einen Stadel auf seinem Grundstück. Zwar fühlen sich einige Anwohner gestört, weil dadurch ihr Blick auf den See eingeschränkt ist. Die Gemeinde hat jedoch keine Handhabe, da das Vorhaben der landwirtschaftlichen Privilegierung unterliegt. 

Mai 2011: Höß baut einen zweiten Stadel als Viehunterstand. Weil es den Stadel für unnötig befindet, verhängt das Landratsamt einen Baustopp. Höß baut dennoch weiter und zieht vors Verwaltungsgericht. 

April 2012: Das Gericht weist die Klage ab. Trotzdem darf der Stadel erst einmal stehen bleiben – jetzt soll er als Lagerstätte für Brennholz dienen. 

August 2013: Erneut nimmt das Gericht den Stadel in Augenschein und befindet diesen für den genannten Zweck für nicht erforderlich. Das Landratsamt ordnet die Beseitigung an, Höß klagt erneut. 

Oktober 2014: Es kommt erneut zur Verhandlung. Jetzt sollen im Stadel nicht mehr Holzscheite, sondern Hackschnitzel lagern – für das Gericht nicht nachvollziehbar. Der Stadel muss weg. Höß legt Berufung ein. 

Mai 2016: Höß setzt noch einen drauf. Dem Bauausschuss flattert ein Antrag auf Vergrößerung des Schwarzbau-Stadels auf den Tisch. Das Gremium lehnt ab. 

September 2016: Erneuter Ortstermin des Verwaltungsgerichts. Alles bleibt beim Alten: Der Stadel muss weg. Es fehle an einem ausgereiften Konzept

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