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An manchen Samstagen spielen bis zu 500 Kinder in der Spielarena in Bad Wiessee.

Sie muss für ein Gesundheitshotel weichen

Spielarena-Abriss: Einheimische und Urlauber sind empört

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Bad Wiessee - Die Spielarena in Bad Wiessee muss weg - das ist jetzt Fakt. Der Investor für das neue Gesundheitshotel im Kurviertel besteht auf einen Abriss. Der Aufschrei unter Einheimischen und Gästen ist groß.

Eine Leserin schreibt es auf Facebook in deutlichen Worten: "Hauptsache in Bad Wiessee wird alles für die ältere Generation und irgendwelche Schickimicki-Leute getan. Wo die Familien bleiben ist ja völlig egal. Ich könnte kotzen!" So oder so ähnlich denken viele unserer Leser, die sich hier, in der Tegernseer Zeitung und auf unserer Facebook-Seite zu dem Thema äußern. Der Tenor: Warum lässt man zu, dass eine gut laufende Institution wie die Spielarena - das einzige wirkliche Schlechtwetter-Angebot für Familien am Tegernsee - einfach so dicht gemacht wird?

Wie berichtet, soll die Spielarena - ein Indoor-Spielpark, der besonders bei schlechtem Wetter so gern von Einheimischen und Urlaubern mit Kindern angenommen wird, dass er regelmäßig völlig überfüllt ist - 2021 abgerissen werden. Dass sie nicht ewig bestehen kann, war für den Betreiber Josef Niedermayer von Anfang an klar, sagt Bürgermeister Peter Höß. "Der Vertrag läuft bis maximal 2021, danach ist eine andere Nutzung vorgesehen. Diese Frist hat Herr Niedermayer akzeptiert." Nun habe man sich mit dem Hotel-Investor verständigt, dass das Gebäude nach Vertragsende abgerissen wird. Einmal, um den Blick von einigen Zimmern des Gesundheitshotels nicht durch den in die Jahre gekommenen Spielarena-Bau zu verschandeln, wie es in der Gemeinderatssitzung hieß. Und um für die Einrichtungen im Kurpark (Hotel, Badepark, medizinisches Zentrum und Jodbad) unter Umständen genug Parkplätze zur Verfügung stellen zu können. Höß: "Vielleicht wird aus der Spielarena ein Parkdeck."

Dass für die Spielarena dann einfach Schluss sein soll, können viele Leser nicht verstehen. Ein Urlauber aus Wiesbaden schreibt in einem Leserbrief, dass er ohne dieses Angebot seinen Winterurlaub am Tegernsee abgebrochen hätte - weil er und seine Familie eigentlich Skifahren wollten und das Wetter nicht mitgespielt hat. "Ohne eine Anlage wie ihre (Niedermayers, Anm. d.d Red.) wäre das Tegernseer Tal für Familien nicht so lohnenswert." Eine andere Leserin fragt: "Liebe Gemeinde - was bieten Sie den Kindern/Jugendlichen, wenn die Spielarena weg muss?"

Ihm sei klar, dass die Spielarena eine "gute, wichtige Einrichtung" sei, so Höß. Und er werde den Betreiber freilich auch bei der Suche nach einem neuen Standort unterstützen. "In Bad Wiessee habe ich aber spontan keinen auf dem Schirm." Er sehe eine neue Spielarena ohnehin eher "am Rande des Tals", vielleicht auch irgendwo anders im Landkreis oder sogar in einem der Nachbarlandkreise. Und auch die Tegernseer Tal Tourismus GmbH (TTT) bedauert laut Sprecherin Claudia Schuh zwar den Wegfall der Spielarena und sagt Niedermayer Unterstützung für die Standortsuche zu. Doch gleichzeitig freue man sich über "die Entwicklungen um das Jodschwefelbad-Areal auch aus touristischer Sicht". Schuh verweist darüber hinaus auf die "Hurra-es-regnet-Liste" der TTT - mit "anderen Schlechtwetterangeboten für Familien". Allerdings: Die darin empfohlenen Aktivitäten wie Kirchenbesichtigungen, Shopping in Rottach-Egern und Führungen in diversen Schnapsbrennereien dürften kaum eine Alternative für Familien darstellen.

Dagegen, dass der Abriss klar war, wehrt sich Betreiber Niedermayer jedenfalls vehement. "Ja, mein Vertrag endet 2021. Aber es gibt ja auch Vertragsverlängerungen." Der Gemeinderatsbeschluss zum Abriss sei eine "absolute Unverschämtheit". Und mit neun zu sieben Stimmen auch nicht eindeutig. Er werde den Standort in Bad Wiessee jedenfalls nicht einfach so aufgeben. Derzeit erarbeite er einen "strategischen Plan", wie er gegen den Beschluss vorgehen könne. Zusätzlich habe er eine Option in Gmund in petto. Die bestätigt auch Bürgermeister Georg von Preysing: "Es gibt eine Planung am Oedberg, die aber zur Zeit ruht." Da "wir eine Spielarena am Tegernsee brauchen", sei er aber für neue Gespräche offen. "Das ist dann aber eine Aufgabe für alle Tal-Gemeinden."

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