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Das neue Jodbad ist ohne große Eröffnungsfeier an den Start gegangen. Im Gemeinderat wurde Kritik am Marketing laut.  

Kritik am Marketing 

Startschwierigkeiten im Jodschwefelbad: „Prozesse müssen sich einschwingen“

  • Christina Jachert-Maier
    vonChristina Jachert-Maier
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Den geplanten Feier-Marathon zur Eröffnung hat das Corona-Virus geschluckt. Ohne großen Trommelwirbel ist das Jodschwefelbad an den Start gegangen. Im Gemeinderat gab’s kräftige Kritik am Marketing. 

Bad WiesseeJodschwefelbad-Geschäftsführerin Renate Zinser war beim Rapport nicht ganz bei Stimme. Dabei hatte sie dem Gemeinderat viel mitzuteilen. Gerade erst hat das 7,6 Millionen Euro teure neue Jodschwefelbad eröffnet. Gebaut wurde es in der Hoffnung, das jährliche Defizit von rund 500 000 Euro in ein Plus, mindestens aber in eine schwarze Null zu verwandeln. Doch Zinser ließ keine großen Hoffnungen aufkommen. Im ersten Jahr rechne sie mit einer Auslastung von allenfalls 20 Prozent, danach mit 30 und vielleicht irgendwann mit 50 Prozent, meinte sie heiser.

Was das in Euro bedeutet, zeigte die vorgelegte Kalkulation. Bei einer Auslastung von 100 Prozent würde die gemeindliche Gesellschaft demnach 4,7 Millionen Euro pro Jahr einnehmen. „Aber das ist illusorisch“, erklärte Zinser. Doch schon 30 Prozent Auslastung brächten 1,4 Millionen Euro, 20 Prozent immerhin 938 000 Euro. Mehr also als das, was bisher eingenommen wurde, ließ Zinser wissen.

Nur 20 Prozent Auslastung erwartet 

Die Erwartung von 20 Prozent Auslastung für die nächste Zeit ließ im Gemeinderat manchen zusammenzucken. „Ist das das Ziel, wenn man so etwas baut?“ , fragte Christoph von Preysing (CSU) ungläubig. Auch Birgit Trinkl (Wiesseer Block) fand 20 Prozent „extrem wenig“. Sie wunderte sich auch über die Preisgestaltung. 40 Euro kostet derzeit eine Stunde im warmen Heilwasser. „Wir sind immer davon ausgegangen, dass eine Minute im Bad einen Euro kosten darf“, erinnerte Trinkl. Das wären also 60 Euro pro Anwendung. Die 40 Euro seien nur der Eröffnungspreis, erwiderte Zinser. Ansonsten wäre der Sprung von 28 Euro – also dem Preis im alten Bad – zu groß geworden. Was Trinkl ebenfalls wundert, ist der Umstand, dass im Neubau Räume leerstehen. Eigentlich hätten Ärzte einziehen sollen, erklärte Zinser. „Aber das Interesse war nicht so groß wie erwartet.“ Nun suche man Mieter, die Physiotherapie oder Wellness anbieten wollen. Massagen sind im Bad bereits zu haben. Die Jodbad-Gesellschaft bietet sie selbst an und hat eigens Fachkräfte eingestellt. Aktuell, so Zinser, müssten sich die Prozesse noch einschwingen. „Es hat jeder viel zu lernen“, meinte sie. Auch die Technik habe noch den einen oder anderen Hänger. Doch das Interesse am Bad sei groß. Nach einem Bericht im Fernsehen sei man von Anrufen überschwemmt worden.

Technik hat noch „den ein oder anderen Hänger“

Für Florian Sareiter (CSU) ist in Sachen Marketing noch viel zu tun. „Wenn wir das Gesundheitszentrum auf die Spur bringen wollen, bedarf es eines großen Kraftakts“, meinte er. Das Marketing müsse sich verändern. Auch sein Fraktionskollege Peter Kathan sieht erhebliche Defizite. Besucher hätten Mühe, das Badehaus überhaupt zu finden, so Kathan. Nirgends sei ein Werbeschild zu sehen, geschweige denn Angaben zu den Öffnungszeiten.

Auch Preysing kritisierte die Strategie der mit der Werbung beauftragten Agentur Hirschfänger. So sei auf Bussen immer noch Werbung für den Badepark zu lesen, der bereits seit März geschlossen hat. „Wer kontrolliert denn die?“, wollte Preysing wissen.

Verträge mit Werbeagentur um sechs Monate verlängert

Der Vertrag mit Hirschfänger wurde im Juni 2019 für ein Jahr geschlossen. Zinser zufolge wurde er gerade für sechs Monate neu aufgesetzt – mit verringertem Umfang. Auch die PR-Agentur Flach wurde für ein weiteres halbes Jahr beauftragt. Die Marketing-Ausgaben sollen laut Zinser künftig effizienter gesteuert werden. „Wir wollen das Heilwasser selbst in den Mittelpunkt rücken“, machte sie deutlich. Künftig setzt man auf die Tegernseer Tal Tourismus GmbH. Insgesamt müssten wegen Covid 19 alle Ausgaben auf den Prüfstand.

„Corona hat alle mächtig aus dem Tritt gebracht“, meinte Bernd Kuntze-Fechner (SPD), der Optimismus signalisierte: „Wir alle sind uns der Wichtigkeit des neuen Jodbads bewusst.“

Lesen Sie auch: Probebaden im neuen Jodbad 

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