Um ein Pfarrheim zu schaffen, soll die Kirche Sankt Anton einen Anbau erhalten.
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Um ein Pfarrheim zu schaffen, soll die Kirche Sankt Anton einen Anbau erhalten.

Pläne kommen nur langsam voran

Steiniger Weg zum neuen Pfarrheim

  • Christina Jachert-Maier
    vonChristina Jachert-Maier
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Den Traum, ein neues Pfarrheim auf der grünen Wiese zu bauen, mussten die Wiesseer Katholiken aufgeben. Stattdessen wird das Seitenschiff der Kirche St. Anton umgebaut.

Bad Wiessee – „Es ist ein unwahrscheinlich steiniger Weg“, seufzt Kirchenpfleger Herbert Stadler. „So schwierig hätte ich mir das wirklich nicht vorgestellt.“ Aktuell tüfteln die Planer des seit langem gewünschten Wiesseer Pfarrheims am Umbau der Kirche St. Anton. Wie berichtet, soll das rechte Seitenschiff des Gotteshauses optisch abgetrennt und so ausgebaut werden, dass ein Saal für knapp 100 Menschen, eine kleine Küche und Gruppenräume entstehen.

Wie groß das in die Kirche integrierte Pfarrheim werden kann, hängt auch davon ab, wie weit der Anbau vom Gebäude wegrücken darf. Mit der Gemeinde verhandle man derzeit über Abstandsflächen, berichtet Stadler. Im Frühjahr soll der Plan stehen, der dann dem Vergabeausschuss des Erzbischöflichen Ordinariats vorgelegt wird.

Zwei Anläufe für die Pfarrheim-Planung sind schon gescheitert

„Wir sind halt immer von den Gremien abhängig“, weiß Stadler. Schon zwei Anläufe für die Pfarrheim-Planung sind krachend gescheitert. Die Idee, das Pfarrheim auf den Hügel neben der Kirche Maria Himmelfahrt zu stellen, scheiterte im Jahr 2015 am Denkmalschutz.

Im Jahr 2016 sah es so aus, als hätte die Pfarrgemeinde das große Los gezogen. Die der Kirche sehr verbundene Familie Beil verkaufte ihr ein 3000 Quadratmeter großes Grundstück an der Dr-Scheid-Straße unter der Vorgabe, dass darauf ein Pfarrheim entsteht.

Doch als die Pfarrei ihre Pläne für einen Neubau auf der Fläche einreichte, winkte das Erzbischöfliche Ordinariat ab. Das Pfarrheim sei für die Gemeinde zu groß und mit drei Millionen Euro viel zu teuer. Die Kosten, so die Vorgabe, dürften 1,7 Millionen Euro nicht übersteigen.

Planung sichert den Erhalt von Sankt Anton

Gleichzeitig machte das Ordinariat einen neuen Vorschlag: Statt einen Neubau auf die grüne Wiese zu stellen, könne das Seitenschiff der Kirche St. Anton zum Pfarrheim umgebaut werden. Damit sei gleichzeitig der bis dahin fragliche Erhalt des Gotteshauses auf Dauer gesichert. „Zwei Kirchen sind für 2200 Katholiken halt eigentlich zu viel“, weiß auch Pfarrer Wieland Steinmetz.

Die Entscheidung für den Umbau von St. Anton ist vor über einem Jahr gefallen. Inzwischen hat ein Architektenwettbewerb stattgefunden, ein Münchner Büro machte das Rennen. Das Projekt ist nun so weit gediehen, dass Steinmetz es im Weihnachtspfarrbrief der Gemeinde vorstellen will. Einen Zeitpunkt für die Eröffnung wolle er nach den bisherigen Erfahrungen aber lieber nicht nennen, meint Steinmetz. Wenn die Gemeinde ihr Pfarrheim beziehen kann, ist völlig offen.

Die Sanierung der defekten Orgel muss warten.

Klar ist nur, dass die geplante Sanierung der Orgel in St. Anton warten muss, bis der Umbau erledigt ist. „Wir wollen ja nicht die neue Orgel mit Baustaub einpudern“, meint Steinmetz. Das alte Instrument sei defekt und könne nur von Musikern gespielt werden, die mit den besonderen Tücken vertraut sind. „Wenn mal eine Aushilfe spielt, klingt es grotesk“, berichtet Steinmetz.

Pfarrgemeinde hat nur wenig Räumlichkeiten

Aktuell stehen der Pfarrgemeinde nur sehr eingeschränkt Räumlichkeiten zur Verfügung. Aus dem Josefheim, das die Gemeinde lange gepachtet hatte, ist sie im Herbst 2019 ausgezogen. In St. Anton steht inzwischen ein über der Sakristei gelegener Konferenzraum zur Verfügung. Dort haben rund 20 Besucher Platz. Angesichts der Pandemie sind die knappen Ressourcen derzeit kein Thema. Die Planung soll trotzdem endlich vorangehen. „Aber das dauert alles sehr lange“, meint Stadler.

Unterdessen ist unklar, was mit dem Grundstück an der Dr.Scheid-Straße geschieht. Es gehört jetzt der Pfarrgemeinde, die dafür keine Verwendung mehr hat. „Wir hatten es als Standort für den Kindergarten vorgeschlagen“, berichtet Stadler. Doch die Gemeinde winkte ab und plant ein Zentrum mit Kita-Zentrum auf dem Schulgelände. Wohnungen dürfen auf der Fläche übrigens nicht entstehen – das ist schon im Kaufvertrag festgehalten.

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