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Ein großes Kruzifix steht seit geraumer Zeit vor dem Radlgeschäft von Walter Lechner nahe der Bundesstraße. Laut Gemeinde gab es schon etliche Beschwerden darüber.

Neuer Streit zwischen Geschäftsinhaber und Gemeinde

Kruzifix an Hauptstraße erhitzt die Gemüter

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Bad Wiessee - Mit seinem Trachtenladen und großen Werbefiguren hatte Walter Lechner aus Bad Wiessee 2014 für Furore gesorgt. Jetzt flammt der Streit mit der Gemeinde erneut auf. 

Das Trachtengeschäft an der Hirschbergstraße in Bad Wiessee gibt es nicht mehr. Mit ihm sind auch Holzkuh „Paula“ und die lebensgroßen Puppen verschwunden, mit denen Walter Lechner (49) und seine damalige Lebensgefährtin für ihren Laden Werbung machten. Wie berichtet, waren die prominent platzierten Figuren direkt an der Bundesstraße für die Gemeinde ein ständiges Ärgernis – sie erließ sogar eine neue Werbeanlagen-Satzung, um dem „Wiesseer Disneyland“ ein Ende zu setzen. Mit der Aufgabe des Trachtenladens im Sommer 2015 hätte nun Ruhe einkehren können an der Hirschbergstraße – doch weit gefehlt.

In seinem Gebäude an der Hirschbergstraße betreibt Walter Lechner inzwischen ein Radlgeschäft. 

Lechner hat in seinen Räumlichkeiten mittlerweile ein Radlgeschäft eröffnet. Er rüstet herkömmliche Fahrräder zu E-Bikes um – ein florierendes Geschäft, wie er unserer Zeitung berichtet. Auch die Gemeinde hat gegen den Laden an sich nichts einzuwenden. „Er wurde uns ordnungsgemäß angezeigt“, sagt Rathaus-Geschäftsleiter Michael Herrmann. Und dennoch: Konflikte bleiben auch diesmal nicht aus.

Hauptstreitpunkt ist der Wunsch Lechners, den Gehweg zur Bundesstraße hin abzusenken, damit die Kundschaft direkt zu seinem Laden abbiegen kann. Die Gemeinde lehnt das ab. Sehr zum Unmut des streitbaren Geschäftsmanns. „Das ist eine völlig willkürliche Entscheidung“, sagt der. Schließlich sei der Gehweg einige hundert Meter vor und nach seinem Geschäft ebenfalls abgesenkt. Sogar das Staatliche Bauamt in Rosenheim habe bereits sein Okay gegeben.

In einem Schreiben an Lechner macht Bürgermeister Peter Höß aber deutlich, dass die Gemeinde seit 2007 schon mehrfach Zugeständnisse bei den – teils nicht genehmigten – Bautätigkeiten Lechners gemacht habe und erinnert zudem an die unrühmliche Vorgeschichte mit den Werbeanlagen. Man sei derzeit nicht bereit, die Erlaubnis einer weiteren Zufahrt zur Bundesstraße über den gemeindlichen Gehweg zu erteilen, lässt der Bürgermeister wissen.

Zugleich weist er auf einen neuen Störfaktor hin: ein lebensgroßes Kruzifix nämlich, das seit geraumer Zeit an just der Stelle nahe der B318 steht, wo früher schon Kuh „Paula“ für Aufregung sorgte. Nicht gerade wenige Leute hätten sich im Rathaus über das Holzkreuz beschwert, schreibt Höß und fügt hinzu: „Wir sind diesen Ärger langsam leid.“

Hauptstreitpunkt: Lechner will den Gehweg zur Bundesstraße auf Höhe seines Geschäfts absenken. Die Gemeinde lehnt das ab.

Klein beigeben will Lechner angesichts solcher Schreiber aber nicht. Im Gegenteil. Es gehe hier um die grundsätzliche Frage, ob ein Bürger in Bad Wiessee kreativ tätig sein dürfe oder nicht. „Ich fühle mich in meiner Entfaltungsfreiheit eingeschränkt“, sagt der 49-Jährige, der nicht im Geringsten gewillt ist, das Kruzifix an weniger prominenter Stelle zu platzieren. Das Kreuz habe er als Holzschnitzer eigenhändig geschaffen – ein „besonders schönes Einzelstück“, das er der Öffentlichkeit nicht vorenthalten wolle.

Ist es also nur Kunst? Oder doch eine Provokation, um die Gemeinde zu ärgern? In jedem Fall will der Geschäftsmann demnächst noch eines draufsetzen. Er plant, auf dem Dach seines Radlgeschäfts eine große Holzskulptur in Form eines Fahrrads zu errichten – das „Kunstwerk“, wie es Lechner nennt, sei gerade in Arbeit.

Und der gebürtige Schaftlacher liefert noch mehr Stoff für diese Posse: Am Samstag will der 49-Jährige in seinen Geschäftsräumen auch noch ein „Radlstüberl“ mit Bewirtung eröffnen. Für einen Ausschank, sagt Herrmann, habe Lechner aber keine Konzession. Doch auch für dieses Problem hat Lechner bereits eine Lösung parat: Er werde für Getränke und Weißwürste nichts verlangen – lediglich ein Sparschwein für freiwillige Beiträge aufstellen. Eine Konzession sei somit nicht erforderlich. „Ich ziehe mein Ding durch“, sagt Lechner. „Zum Wohle meiner Kundschaft und Bad Wiessees.“

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