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Die Anlage: Im nördlichen Bereich sind die Suitenhäuser des Hotelkomplexes angeordnet, im Süden noch fünf zusätzliche Gebäude. 

Gemeinderat übt Kritik 

Strüngmann Hotel an der Seepromenade: Rottach-Egern missfällt Wiesseer Planung

  • Christina Jachert-Maier
    vonChristina Jachert-Maier
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Ein Luxushotel als Leuchtturmprojekt fürs ganze Tal will Investor Thomas Strüngmann am Wiesseer Ufer schaffen. Den Rottacher Nachbarn gefällt die Planung  ganz und gar nicht.

Rottach-Egern/Bad Wiessee – Etliche Male hat Investor Thomas Strüngmann Entwürfe für sein Hotelprojekt auf dem Lederer- und Spielbank-Gelände an der Wiesseer Seepromenade wieder über Bord geworfen. Die Planung von Manuel Cervantes aus Mexiko und des Landschaftsarchitekturbüros enea aus der Schweiz fand schließlich Gefallen. Wie berichtet, hat der Wiesseer Gemeinderat grünes Licht für den Komplex mit 90 Hotelzimmern nebst Wellnessbereich, öffentlichem Restaurant und diversen zusätzlichen Gebäuden gegeben. Strüngmanns Büro Athos hofft auf einen endgültigen Satzungsbeschluss im Frühjahr. Wegen der weitreichenden Bedeutung des Projekts hat auch die Gemeinde Rottach-Egern bis Ende März Gelegenheit, eine Stellungnahme abzugeben. Darum stellte die Rottacher Bauamtsleiterin Christine Obermüller die Planung dem Gemeinderat vor.

Dort hielt Thomas Tomaschek (Grüne) mit seiner Kritik nicht hinter dem Berg. „Das ist schon ein sehr massives Bauwerk“, meinte er.

Rottacher Kritik an Wiesseer Planung: „Nur für die Galerie“

Auch der Stil missfällt ihm. Die kleinteilige Aufreihung der Bauwerke sei vielleicht in einem Schweizer Bergdorf üblich: „Wir haben so etwas nicht.“ 75 Prozent des Geländes würden bebaut und versiegelt. „Ich bin nicht glücklich mit der Sache.“ Er wisse, dass die Kritik „nur für die Galerie“ sei, merkte Tomaschek an. Äußern wolle er sie trotzdem. Die Planung gehe im Tegernseer Tal alle an.

Josef Lang (CSU) sah das nicht so. Anders als etwa die Pläne für die Orthopädische Klinik in Tegernsee betreffe der Wiesseer Bau Rottach weder von der Ansicht noch vom Verkehr her. Eine Stellungnahme brauche die Gemeinde also nicht abgeben.

Bürgermeister Köck will Nachbarn keine Vorschriften machen

Den Nachbarn Vorschriften machen wollte auch Bürgermeister Christian Köck (CSU) aus Prinzip nicht. „Das wäre nicht redlich.“ Aus seinem Missfallen über die Planung machte aber auch er keinen Hehl. „Da ist schon geschaut worden, dass möglichst viel möglich gemacht wird.“ Vor allem vom See aus betrachtet, sei das Ganze schon sehr massiv. Er hätte sich eine aufgelockertere Lösung gewünscht, meinte Köck: „Das wäre verträglicher.“ Eine Stellungnahme der Gemeinde Rottach-Egern bedeute aber im Verfahren nicht viel, merkte er an.

Kritik, aber keine offizielle Stellungnahme

Wie Köck stimmte schließlich die Mehrheit des Gremiums dafür, keine offizielle Stellungnahme abzugeben.

In der Einschätzung schien man sich am Rottacher Ratstisch aber einig. Lobende Worte gab’s keine, dafür viel Kritik. Klaus Fresenius (FWG) sprach von einer Enttäuschung. Es sei sehr schade, dass die vorhandenen Grünflächen noch verkleinert würden. Am Seeufer spazieren gehen zu können, sei doch ein essenzieller Teil des Tals. Ob nun ein großer Block oder eine Verdichtung kleinerer Häuser besser wäre, darüber könne man unterschiedlicher Meinung sein.

Gabriele Schultes-Jaskolla (FWG) sah neben der Massivität des Komplexes noch ein weiteres Problem: Es werde zwar auf Stelzen, aber doch ins HQ 100 hineingebaut, also in den Bereich, den statistisch alle 100 Jahre ein Hochwasser überflutet. Ihr Fazit: „Ich bin froh, dass ich nicht in Bad Wiessee darüber entscheiden muss.“

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