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Bei der Oma in Wiessee: Alexandra Fuchs (r.) mit ihrer Großmutter Anni Gutjahr (l.) und Uroma Toska Ackermann.

Leserin entdeckt Spuren der Vergangenheit

Wie das Faller Pfarrhaus nach Bad Wiessee kam

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Bad Wiessee - Seit beim Sylvensteinspeicher der Stöpsel gezogen wurde, sind die Überreste des versunkenen Dorfes Fall die Attraktion. Zu Tage kommt altes Gemäuer - und die spannende Geschichte eines Hauses.

Pfarrer und Kardinal vor dem Faller Pfarrhaus. Dieses Bild hat Alexandra Fuchs auf den Plan gerufen. 

Als Alexandra Fuchs (41) aus Miesbach im Dezember unsere Zeitung durchblättert, traut sie ihren Augen kaum. Auf der Panoramaseite Bayern & seine Menschen ist ein Foto des Hauses abgebildet, in dem sie ihre halbe Kindheit verbracht hat. Allerdings: Als das Bild entstand, war das Haus noch ganz wo anders. In Fall. In dem Fall, das damals noch ein Dorf war und heute vom Wasser des Sylvensteinspeicher bedeckt ist. Normalerweise. Doch eins nach dem anderen.

Im Dezember haben wir über Fall berichtet, das Dorf, das in den 1950er Jahren einem gigantischen Speichersee weichen musste: dem Sylvensteinspeicher. 1959 ist der letzte Faller unter Murren in das neu gegründete Dorf ganz in der Nähe ausgezogen - dann kam das Wasser. Heute ist vom ursprünglichen Fall nichts mehr zu sehen - im Normalfall. Noch bis Ende Februar wird der Ablauf des Speichers saniert. Dafür musste das Wasser abgelassen werden. Und siehe da: Alt-Fall kam wieder zum Vorschein, zumindest das, was davon übrig ist. Der Anblick ist eine Attraktion. Täglich strömen die Menschen an den Sylvensteinspeicher, um sich das versunkene Dorf anzuschauen.

Historische Bilder der Sprengung von Fall

Sylvensteinsee: Historische Bilder der Sprengung von Fall

Dieses Bild ist in den Akten des Bauamts Bad Wiessee aufgetaucht. Es zeigt das Pfarrhaus, als es noch in Fall stand.

Eine der besterhaltenen Grundmauern, die das Wasser all die Jahre bedeckt hat, ist das des Pfarrhauses von Fall. Im Artikel vom Dezember waren sie auf einem Bild deutlich zu sehen. Es war aber ein anderes Foto, das die Aufmerksamkeit von Alexandra Fuchs auf sich zog: die alte Aufnahme des schindelverschlagenen Pfarrhauses, mit Kardinal und Pfarrer, die in der Tür stehen. "Das kenne ich doch, das Haus", schießt es Fuchs durch den Kopf. Sie kramt in ihren alten Fotos. Und findet ein Bild, auf dem sie mit ihrer Uroma und Oma vor deren Wohnung in der Gschwänd in Bad Wiessee steht. "Das war das gleiche Haus", sagt Fuchs. Ein Faller, der noch im alten Dorf gewohnt hat, bestätigt ihre Vermutung. Ganz offenbar wurde das Pfarrhaus von Fall abgebaut und am Söllbach in Bad Wiessee wiederaufgebaut. "Und keiner hat's gewusst."

Hermine Kaiser, Archivarin der Gemeinde Bad Wiessee, hört davon auch zum ersten Mal. "Hochinteressant" findet sie das, verspricht in den Archiven zu recherchieren. Tage später die ernüchternde Antwort: In Bad Wiessee finden sich keine Spuren zu dem Faller Pfarrhaus. Nur eines weiß sie: Am Söllbach standen einige Häuser, die nach dem Ersten und Zweiten Weltkrieg als Notunterkünfte dienten. Aber warum ist ausgerechnet das Faller Pfarrhaus dorthin geraten? Bekannt ist: Einige Gebäude von Alt-Fall wurden bei der Umsiedelung abgerissen, andere in Neu-Fall wiederaufgebaut. Und manche sind wohl in anderen Gemeinden gelandet.

Einzigartige Fotos vom abgelassenen Sylvensteinspeicher

Einzigartiges Ereignis: Wasser weg im Sylvensteinsee

Alexandra Fuchs würden die Hintergründe sehr interessieren. Schließlich hat sie in dem Faller Haus am Tegernsee viele schöne Stunden verbracht. "Ich war viel bei meiner Oma, weil meine Mutter krank war." Vier Parteien wohnten in den Gebäude, die Großeltern hatten Küche, Wohnzimmer, Veranda, Schlafzimmer, Bad und ein Zimmer, in dem Fuchs Onkel lebte. "Es war ein altes Haus, aber recht groß." Unterkellert, wie in Fall, war es in Wiessee allerdings nie. Die Wohnungen gehörten der Kommune, Gemeindearbeiter wie Fuchs Opa konnten dort einziehen. "Und auch ein englischer Musiker, der bei den Kurkonzerten gespielt hat, war ein Mieter." Fuchs hat die Zeit in der Gschwänd sehr genossen. "Auch wenn im Haus die Mäuse herumgetanzt sind."

Dieses Bild ist in den Akten des Bauamts Bad Wiessee aufgetaucht. Es zeigt das Pfarrhaus, als es noch in Fall stand.

Etwas Licht ins Dunkel bringt Hedi Heider vom Bauamt Bad Wiessee. Zunächst sagt ihr das Faller Pfarrhaus auch nichts. Doch nach einem kurzen Blick in ihre Unterlagen findet sie die richtige Akte: "1958 Wiederaufbau eines Holzhauses (in Fall angebrochen)", liest sie vor. Vom Pfarrhaus ist nirgends die Rede. "Aber hier sind wunderschöne Schwarz-Weiß-Aufnahmen." Das Grundstück gehörte schon damals der Gemeinde. "Den Bauantrag hat ein Leonhard Mesmer, Gastwirt am Bierhäusl in Bad Heilbrunn gestellt." Wie der allerdings zum Faller Pfarrhaus kam, bleibt ein Geheimnis.

1985 wurde das Haus, in dem Fuchs als Kind so oft war, abgerissen. Heute stehen an seiner Stelle wieder Gemeindewohnungen, gebaut von der Baugenossenschaft Lenggries. Zurückkehren an den Ort ihrer Kindheit kann Fuchs also nicht mehr. Obwohl, irgendwie doch: mit einem Besuch der alten Mauern von Fall im Sylvensteinspeicher - bevor das Wasser wiederkommt.

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