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Der Unglücksort am Tag zwei nach der Katastrophe: Die Abrissarbeiten gehen - nach einer explosiven Unterbrechung - zügig voran.

Was den Großalarm am Morgen auslöste

Tag zwei nach der Explosion: Das ist die Lage am Mittwoch

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Der ganze Ort und seine Rettungskräfte stehen noch immer unter Schock, nachdem eine Explosion am Montagnachmittag Teile des Rettungszentrums zerstört hat. Die Lage in Bad Wiessee am Tag zwei.

Bad Wiessee - Am Mittwochvormittag, kurz nachdem eine Abbruchfirma mit dem Zerstückeln der zu Schrott verkohlten Rettungsfahrzeuge begonnen hatte, wurde erneut Alarm ausgelöst – wegen neuer Explosionsgefahr. Man hatte Sauerstoffflaschen entdeckt, die sich als Standardbeladung noch in drei Rettungsfahrzeugen von BRK und Wasserwacht befanden, gefüllt mit 10.000 Litern Sauerstoff. Sofort wurde das Areal abgesperrt, 60 Feuerwehrmänner aus Bad Wiessee, Rottach-Egern und Kreuth rückten an. 

Bei einem Telefonat mit dem Hersteller kam es dann aber zu einem Übermittlungsfehler: „Der Hersteller hat verstanden, dass die Flaschen noch 200 Grad hätten, dabei war von einem Druck von 200 Bar die Rede“, erklärt Kreisbrandrat Anton Riblinger. Er weiß, dass Gasflaschen bei Hitzeentwicklung ohnehin Druck ablassen. Dies musste auch hier der Fall sein. Spezialisten des Kampfstoffmittel-Räumdienstes des Bayerischen Landeskriminalamtes wurden dennoch in Gang gesetzt. 

Kurz darauf löste sich das Missverständnis auf, die Aktion wurde zwar abgeblasen, der Räumdienst rückte dennoch in Bad Wiessee an. Die Flaschen wurden in Folge zu einer nahegelegenen Kiesgrube gebracht und dort unter Aufsicht entleert, wie die Polizei später mitteilt. Die Abbruchfirma setzte ihre Arbeiten sorgfältig fort: Schaufel für Schaufel wurden die verschmorten Wracks zerlegt. Auch Kripo-Beamte nahmen die Beweissicherung wieder auf, denn noch immer steht nicht eindeutig fest, wie es zu der Detonation genau gekommen ist. 

Schweißarbeiten sollen sie ausgelöst haben. Klar ist inzwischen, dass es den beiden Verletzten, zwei Wiesseer im Alter von 34 und 42 Jahren, besser geht. „Auch der Schwerverletzte, der wegen Verbrennungen an den Händen in ein künstliches Koma versetzt werden musste, damit er operiert werden konnte, ist wieder aus dem Koma geholt worden“, weiß Robert Kießling, BRK-Kreisgeschäftsführer, der sich auch am Mittwoch vor Ort aufhielt. „Wir hoffen , dass die Beiden bald ganz genesen.“

Bereits am Dienstagabend nutzte Bürgermeister Peter Höß (Wiesseer Block) die Gemeinderatssitzung, um allen Helfern Danke zu sagen und den Verletzten gute Genesung zu wünschen. Dann hatte Vize Robert Huber (SPD), der den Bau des Rettungszentrums 2013 maßgeblich organisiert hatte, das Wort. „Es hing eine dunkle Wolke über Bad Wiessee“, sagte Huber, dem später immer wieder die Stimme versagte. Kommende Woche werde er koordinieren, dass sich alle Betroffenen mit den zuständigen Versicherungsvertretern an einen Tisch setzen. „Es werden Millionen zu berappen sein“, prophezeite Huber. 

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News-Ticker: Explosion in Bad Wiessee - neuer Alarm am Mittwoch

Noch steht die Schadenssumme zwar nicht fest, aber die Rede ist von rund 2,5 Millionen Euro. Die Gemeinde hatte den Bau zwar errichtet, das BRK ist aber Eigentümer seines Gebäudetrakts. Rund eine Million Euro musste sie aufbringen und dafür viele Spenden sammeln. Auch wenn vermutlich Versicherungen einspringen, so bleibt wohl eine Lücke. „Ein grauenhafter Schlag“, fand Huber. Wann das Gebäude neu errichtet werde, stehe noch in den Sternen. Beim Appell an die Bürger, nun erneut Geld zu spenden, übermannten Huber die Tränen. Klaudia Martini (SPD) schlug vor, einen Brief an bestimmte zahlungskräftige Gruppen und Bürger zu schreiben. „Wir wissen ja, an wen wir da denken können“, sagte Martini. 

Auch von einer Benefizveranstaltung war die Rede. Kurt Sareiter (CSU) war zwar dafür, „aber erst, wenn der Finanzbedarf geklärt ist.“ Die Feuerwehr, sagte Huber dann, sei mit einem blauen Auge davon gekommen und könne ausrücken. Ihr Gebäudeteil blieb großteils unbeschadet. Allerdings müssten die Fahrzeuge noch vom Ruß befreit werden.

gr

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