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Volles Programm: Betreuerin Erna Kofler und zwei Besucher der Tagespflege genießen die Mittagsruhe. Nachmittags stehen Gesellschaftsspiele, Singen und Tanzen auf dem Plan – und Gespräche beim Apfelstrudel.

Angehörige sind entlastet

Ein Blick in die Tagespflege Hiltl in Bad Wiessee: „Senioren sehen wieder Sinn im Leben“

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In der Tagespflege Hiltl in Bad Wiessee blühen Senioren auf. Die Menschen kochen, ratschen und sporteln gemeinsam - und beleben so verloren geglaubte Fähigkeiten.

Bad Wiessee – Morgens halb zehn in der Tagespflege Hiltl der Diakonie in Bad Wiessee: Die Tür schwingt auf, aus dem Neubau treten sechs Senioren, unternehmungslustig und vom Frühstück gestärkt. Es ist die „Laufgruppe“ der im Landkreis einzigartigen Tagespflege. Mit einer Betreuerin machen sie sich gut gelaunt auf zum Morgenspaziergang in Richtung See. Frische Luft schnappen und Sonne tanken – ohne Angst, auszurutschen, zu stürzen und sich selbst überlassen zu sein. Ohne Angst, nicht mehr zurückzufinden.

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Tagespflege Hiltl Bad Wiessee: Aktivitäten und gemischte Gruppen halten fit

Im November öffnete die Tagespflege ihre Türen für Senioren. 60 Prozent der Plätze sind bereits belegt. Leiterin Andrea Würtz hat fünf Tagesgruppen in zwei Stufen zusammengefügt. „Die Nachfrage ist groß“, sagt sie. Bei vielen Familien brennt es, weil ihre älteren Angehörigen Unterstützung brauchen und den Alltag allein nicht mehr bewältigen können.

Würtz kann dennoch nicht alle Bewerber sofort aufnehmen. Neuzugänge sollen sich in Ruhe einleben – und die Leiterin will die Menschen kennenlernen, bevor sie diese den Gruppen zuteilt. Denn dabei setzt sie auf  Vielfalt. Demenz-Kranke, Gehbehinderte und anderweitig Eingeschränkte sind gemeinsam mit den anderen Senioren unterwegs. „Dadurch erfahren unsere Gäste ihren Aufenthalt als Aufgabe“, sagt Würtz. „Sie sehen oft wieder Sinn im Leben und entwickeln Fähigkeiten, die verloren geglaubt waren.“

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Tagespflege der Diakonie: Jeder Besucher gestaltet seinen Tag selbst

Nach dem Frühstück geht die Laufgruppe zum See. Eine andere Gruppe kommt zur Sitzgymnastik in einem Raum mit Fotopanoramen vom Tegernsee zusammen. Auch Rollstuhlfahrer bringen hier den Kreislauf in Schwung, trainieren Arme und Oberkörper, lockern die Muskulatur. Die Teilnehmer lachen. Aktivitäten wie diese gibt es in der Tagespflege viele. Einige Senioren üben mit einer Krankenpflegerin das Aufstehen und Laufen ohne Gehhilfe. Zwei Damen schnippeln in der Küche Äpfel für den Apfelstrudel, den es zum Kaffee geben wird. Sie sprechen über das Kochbuch-Projekt, für das die Senioren ihre Lieblingsrezepte sammeln.

Bevor die Senioren den Tisch mit Porzellan, Gläsern und Servietten decken, basteln sie die Weihnachtsdeko. Hochkonzentriert malen sie Holzbäumchen grün an. Die neckenden Gespräche erinnern fast an eine Schulklasse. Anders als in der Schule, ist hier aber alles freiwillig. „Wir machen Angebote. Die Tagespflege ist individuell lebbar“, sagt Würtz.

Die Besucher machen sich frisch und essen gemeinsam an der langen Tafel. Sie brauchen kaum Unterstützung. „Allein schon, wenn man sitzt und nicht im Bett liegt, fällt das Essen bereits leichter“, sagt eine der fünf Pflegekräfte lachend und legt hier und da Fischfilet und hausgemachten Kartoffel-Gurken-Salat nach. Nach dem Dessert ziehen sich einige Senioren zur Mittagsruhe auf die Sessel mit Liegefunktion zurück. In einem Zimmer laden zwei Betten zum Mittagsschlaf ein, aber die Senioren sitzen heute lieber vor dem Kamin und lesen. Zwei Herren spielen Karten.

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Das Ziel für die Senioren: ein erfüllter Tag

Nachmittags stehen Gesellschaftsspiele, Singen und Tanzen auf dem Programm. Beim Apfelstrudel mit Vanillesoße erzählen die Senioren von früheren Apfelernten. Und von den Ereignissen, die ihnen die Region Tegernsee zur Heimat werden ließ. Gegen 17 Uhr haben die Besucher einen erlebnisreichen Tag hinter sich. Als sie von ihren Angehörigen abgeholt werden, sind sie müde und haben viel zu erzählen. Würtz: „So soll es sein: ein erfüllter Tag.“

Das gilt auch für die Angehörigen. Die fühlen sich entlastet und beruhigt, sagt Würtz. 17 Senioren können in der Tagespflege ein Zuhause für einen oder mehrere Tage pro Woche finden. Fünf kommen an allen fünf Wochentagen, weil es ihnen nach der Testphase so gut gefallen hat. Und, weil demnächst ein Kräutergarten geplant wird und ein Therapiehund zu Besuch kommt.

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