Ein Radler zwängt sich am Hirschbachsattel am laufenden Bagger von Tom Niggl vorbei.
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Hochriskante Aktion: Ein Radler zwängt sich am Hirschbachsattel am laufenden Bagger von Tom Niggl vorbei.

Lebensgefährliche Aktion am Tegernsee

Mountainbiker ignoriert Absperrung und zwängt sich unter laufendem Bagger durch - „Wie lebensmüde...“

  • Sebastian Grauvogl
    vonSebastian Grauvogl
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Sie ignorieren Absperrungen und bringen dadurch sich und andere in Lebensgefahr: Mountainbiker sorgen immer öfter für Ärger bei Forstarbeitern. Doch diese Aktion übertrifft alles.

  • Ein Mountainbiker hat sich am Hirschbachsattel im Gemeindegebiet Bad Wiessee an einem laufenden Bagger vorbeigezwängt.
  • Der Forstweg war eigentlich wegen Sanierungsarbeiten gesperrt.
  • Maschinenführer Tom Niggl ist stinksauer und schickt einen flammenden Appell für mehr Vernunft aus.

Landkreis – Den linken Arm auf der scharfkantigen Kette, den Kopf nur knapp unter dem dröhnenden Motorraum: So zwängte sich ein Mountainbiker auf dem Forstweg am Hirschbachsattel an Tom Niggls Bagger vorbei. Er selbst saß im Führerhaus, schaute immer wieder in die Spiegel. „Doch den konnte ich da einfach nicht sehen“, sagt der Maschinenführer der Bayerischen Staatsforsten (BaySF). Als ihm sein Kollege später das Foto des Mountainbikers an seinem Bagger zeigt, ist Niggl zutiefst geschockt – und stinksauer: „Wie lebensmüde muss man sein?“, schreibt der Irschenberger Feuerwehrkommandant später auf seiner Facebook-Seite.

Seit gut sechs Wochen arbeitet Niggl im Auftrag des Forstbetriebs Bad Tölz im Bereich des Hirschbachsattels, eine bei Radlern und Wanderern beliebte Verbindung zwischen der Aueralm bei Bad Wiessee und Hohenburg bei Lenggries. Das Unwetter, das Mitte Juni mit Starkregen über dem Bereich niedergegangen ist, hatte den Forstweg schwer beschädigt. Um ungestört mit den schweren Maschinen hantieren zu können, habe der Forstbetrieb weiträumige Absperrungen mit Flatterbändern und Hinweistafeln aufgestellt, berichtet Niggl. Ja sogar eine Umleitung sei ausgeschildert. „Alle Ziele sind mit einem kleinen Umweg gut erreichbar.“

Immer mehr Mountainbiker und Wanderer ignorieren Absperrungen im Forst

Doch das scheint einige Freizeitsportler nicht zu interessieren. „Die krabbeln einfach unter der Absperrung durch oder heben ihr Radl drüber.“ Und stehen dann plötzlich vor Niggls Bagger. Das ist der Maschinenführer längst gewohnt. Bis zu 30 Mal am Tag begegnen ihm Wanderer oder Mountainbiker auf der Baustelle. Tendenz steigend. Die meisten spricht er an und weist sie auf die Gefahren ihres Fehlverhaltens hin. Sein Rufen verhallt meist im Wald, meint Niggl. „Entweder sie reagieren gar nicht oder sie behaupten, sie hätten die Absperrung nicht gesehen.“ Irgendwann werde es ihm dann zu blöd und er lasse sie einfach vorbei. Schließlich müsse er ja auch noch seine Arbeit machen. „Spaß macht mir die dann aber keinen mehr.“ Kein Wunder: Die Angst, jemanden schwer zu verletzen, sitzt immer mit im Führerhaus. Nicht zuletzt durch seine Tätigkeit als Feuerwehrkommandant weiß Niggl sehr gut, was dabei alles passieren kann.

Maschinenführer stinksauer: „Kleinste Fahrbewegung könnte Todesurteil sein.“

Der aktuelle Fall hätte besonders schlimm ausgehen können, schreibt Niggl auf Facebook und sendet einen deutlichen Appell an alle Freizeitsportler aus. Die kleinste Fahrbewegung des Baggers könne ein „Todesurteil“ sein. „Wenn ihr schon keine Schilder lesen könnt, dann macht euch wenigstens bemerkbar“, sagt Niggl. „Ich habe keine Lust, wegen eurer Dummheit irgendwann ein Menschenleben auf dem Gewissen zu haben.“

Der Leiter des Forstbetriebs Schliersee, Jörg Meyer, kann Niggls Ärger gut nachvollziehen. Er hört immer wieder von Wanderern oder Radlern, die Absperrungen im Wald trotz „expliziter Hinweise“ ignorieren. „Und auch wir beobachten hier leider einen steigenden Trend.“ Mindestens zwei Baumlängen Abstand müsse man bei Forstarbeiten einhalten, um sich nicht in Gefahr zu bringen. Um ihrer Verkehrssicherungspflicht nachzukommen und damit rechtlich auf der sicheren Seite zu sein, sperren die Forstbetriebe die kritischen Bereiche großzügig ab. Auf besonders häufig frequentierten Wegen seien – trotz des hohen Personalaufwands – sogar menschliche Absperrposten im Einsatz, die uneinsichtige Freizeitsportler wegschicken sollen.

Forstbetriebsleiter wirbt für gegenseitige Rücksichtnahme

Die überwiegende Mehrheit halte sich an die Regeln, betont Meyer. Die anderen müsse man versuchen, für die Gefahren zu sensibilisieren und somit für mehr gegenseitiges Verständnis zu werben. „Wir stellen unsere Wege gern der Allgemeinheit zur Verfügung und freuen uns, wenn sie genutzt werden.“ Man dürfe aber nicht vergessen, dass sie eigentlich zur Bewirtschaftung des Waldes angelegt wurden und auch weiterhin dafür gebraucht werden. Obendrein kämen die Sanierungsmaßnahmen am Ende auch wieder den Wanderern und Radlern zugute.

Lesen Sie auch: Aus Sicherheitsgründen: Beliebtes Ausflugsziel in Schliersee ab sofort gesperrt

Niggl versucht ebenfalls, den Glauben, dass der gesunde Menschenverstand bei den meisten Sportlern am Ende den Egoismus besiegt, nicht aufzugeben. An alle, anderen richtet er einen deutlichen Appell: „Reißt’s Euch bittschön zam!“

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